» 02.08.2012, 11:35

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Putin schmort im Saft von gestern

Moskau, im Juli

Unlängst war ich mal wieder in Moskau. Die russische Metropole ist so etwas wie meine zweite Heimat: Ich spreche die Sprache, ich liebe die Ruppigkeit der Leute, und in meinen vier Jahren als Korrespondent im Osten haben mich die Russen nicht ganz ohne Erfolg russifiziert. Drei Monate bin ich nicht mehr dort gewesen, aber viel hat sich vordergründig nicht verändert, seit Putin im Mai die dritte Amtszeit als Kremlchef antrat: Dieselben Staus, dieselbe stickige Sommerluft, dieselben Menschenmassen im renovierten Gorki-Park – und eine ganz miese Stimmung.

Es ist nicht so, dass die Russen für gewöhnlich fröhliche und optimistische Menschen sind. Man klagt ob der Lasten, die der liebe Gott dem Land durch Kälte, Krisen, Korruption und schlechte Politiker auferlegt hat – und kokettiert zugleich damit, dass man sie doch irgendwie tragen kann. Das war schon immer so.

Und doch gab es bis zur Wiederwahl Putins eine Aufbruchsstimmung, zumindest in Moskau. Hunderttausende waren auf die Straßen gegangen, um gegen Putins und seine wirren Versprechen der Stabilität zu protestieren. Es war die junge Elite, die weniger Staat und mehr Markt verlangt, die Stabilität mit Stagnation empfindet und Putins Russland gern Antibiotika gegen die holländische Krankheit verschreiben würden.

Potentat Putin ließ die jungen Leute mal machen – bis er im Amt war. Dann riss er sich die Maske ab. Seither dämmert es: Putins Russland ist durch die Protestbewegung keinen Deut liberaler geworden, sondern repressiver. Die Staatsduma kassiert die wenigen liberalen Gesetze von Dmitrij Medwedew, den Putin als handzahmes Maskottchen der Demokratie auf den Kremlsessel gesetzt hatte. Ein Großteil meiner Bekannten in Moskau sind neuerdings per Gesetz „ausländische Agenten“ und dürfen überwacht werden – weil sie für Wirtschaftsverbände oder politische Stiftungen arbeiten.

Diese Woche treibt es Putin besonders bunt: Seinen Kritiker, den Anleger-Anwalt Alexej Nawalny, stellt Putins Siegerjustiz wegen angeblicher Untreue unter Anklage. Der Punk-Gruppe Pussy Riots droht eine mehrjährige Haft wegen Gotteslästerung, obwohl es diese Straftat im säkularen Russland gar nicht gibt. Die jungen Frauen hatten in einer Kirche maskiert gegen Putin „musiziert“ – und sich hinterher für den „moralischen Fehler“ entschuldigt. Putin kennt aber kein Pardon.

Ewig geht das nicht gut. Wenn ich in Moskau mit russischen Freunden– meist Studierte um die Dreißig, dann denkt jeder Zweite über Auswanderung nach. In Russland fehlen die Perspektiven, nur durch (sinkende) Öl- und Gasexporte schafft Putin keine Perspektiven für jüngere Generationen. Gleichzeitig grollen aber auch die Alten: Just nach der Wahl, sagen Autofahrer, sind die Knöllchen für Falschparker ums Zehnfache gestiegen. Pensionäre klagen, dass Rentenerhöhungen ausbleiben. Auch die Strom- und Gaspreise ziehen an, zufällig erst seit den Wahlen.

Es riecht nach Populismus in Russland – und das schmeckt den Menschen nicht. Bei aller Liebe für das Land bin ich froh, meinen Wohnsitz vorerst wieder nach Deutschland verlegt zu haben. Ein Land, das ohne Not stagniert und im Saft von gestern bis zur nächsten Krise vor sich hin schmort, ist auch für einen Wirtschaftsjournalisten zu frustrierend.

» 02.08.2012, 11:35

    6 Kommentare zu “Putin schmort im Saft von gestern”


  1. Vidat - immer krass immer scharf odda !!! sagt:

    was is los mit “Pussy Riot”…warum nix geschrieben ?

  2. Vidat immer wieder krass sagt:

    Weissrussische Anti Atom Aktivisten verhaftet….muss schreiben…..sind OHNE GRÜNDE in die Knast gekommen …

    Pussy Riot….gut gemacht…..geschrieben über Pussy Riot !!!! gute Mann !!!

  3. Valerij sagt:

    An VIDAT.
    Pussi Riot auf Russisch heist Wilde Muscheln.
    Бешанная пизда.

  4. Valerij sagt:

    Флориан.Все что ты написал несоответствует действительности.Я даже могу сказать что это все неправда.Скажи мне с кем ты разговаривал в Москве из пенсионеров которые недовольны Путиным.Я могу тебе сразу сказать что в твоем репортаже только политика ка у все немцев.вы говорите только то что вам говорят говорить. ваше начальство или ваши друзья американцы сами вы трусы.В германии есть одни настоящие мужики это те кто служит в KSG 9 и все остальные слюнтяи.если хочешь я тебе могу это при личной встрече объяснить и доказать что все что ты написал неправда.Недовольны только те кто не хочет работать а хотят сидеть возле государственной кормушки и воровать.Это говорят твои друзья Навльный и ему подобные которые первые воры в России.Так что ты лучше пиши про Германию где правительство даже не вспоминает о народе.Если только когда приходит время выборов.Когда Меркель или Рослер были так тесно в контакте с народом как Путин.Вы все его ненавидите потому что Путин стоит за народ а Вы стоите за кучку воров которые грабят народ.Вот и вся разница.Если в России так плохо почему ты ездиешь туда сиди дома или езжай в США там тебе понравиться Вы любите американцев хотя они ненавидят немцев и считают нас за втрой сорт.А Вы подхалимы.

  5. Renegade sagt:

    Lieber der Saft von Gestern als die Dekadenz bei uns. Da hampeln
    ein paar Tussis in einer Kirche rum, weil anders keine Aufmerksamkeit
    erreicht wird, oder wurde von NGO bezahlt? die Technik war jedenfalls
    vom Feinsten ! Währe übrigens auch bei uns strafbar, ansonsten kann
    man die Russen beglückwünschen, den richtigen Mann gewählt zu
    haben. Pech aber auch für uns, Russland bleibt die Plünderung des
    Staates durch Finanzindustrie und im Bedarfsfall NATO erspart. Rest
    spare ich mir- Zeit zu schade für die leeren Sprechblasen.

  6. Kornfehlt sagt:

    @Abtrünniger
    Freiheit ist alles. Sonst zählt nichts.
    In Rußland gibt es nichts zu zählen.
    Der Herr der Zahlen zählt Schweizer Franken.

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