In fast jedem zweiten Fall von Industriespionage und Know-How-Diebstahl sitzt der Feind im eigenen Unternehmen: 48 Prozent der taten verursachen eigene Mitarbeiter. In weiteren 23 Prozent der Fälle wurden Mitarbeiter geschickt ausgehorcht oder über die zwischenmenschliche Ebene zu der Tat verleitet. Insgesamt beträgt die Höhe der Schäden durch Industriespionage in der deutschen Wirtschaft mindestens bei 4,2 Milliarden Euro – und hat sich damit verdoppelt in den vergangenen fünf Jahren, belegt eine repräsentative Umfrage unter 7000 Unternehmen plus Tiefeninterviews durch die Sicherheitsberatung Corporate Trust aus München, die der „WirtschaftsWoche“ exklusiv vorliegt.
Mindestens jedes zweite Unternehmen (54,6 Prozent) hatte in den vergangenen drei Jahren entweder einen Spionagefall im eigenen Haus (21,4 Prozent) oder zumindest einen konkreten Verdacht (33,2 Prozent). 78 Prozent der Unternehmen befürchten, dass die Bedrohung durch Industriespionagedurch Cyberwar weiter ansteigt und 35 Prozent fürchten, dass die eigenen Sicherheitsvorkehrungen gegen Hackerangriffe, Abhöraktionen und der Diebstahl von IT- und Telekommunikationsgeräten nicht ausreicht. Weil die Unternehmen über diese Vorkommnisse nicht reden wollen – aus Sorge um das Image ihrer Firma -, schalten sie oft auch nicht die Polizei oder die Staatsanwaltschaft ein, so dass Experten von hohen Dunkelziffern ausgehen. Die Studie weiter: Konzerne mit ihren eigenen Sicherheitsabteilungen und dem üblichen Vier-Augen-Prinzip sind besser gefeit gegen Industriespionage als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: die Hidden Champions und der innovative Mittelstand.

