Das ist so was mit den Vorurteilen. Meist bemerkt man sie, wenn andere ihnen erliegen – und weniger man selbst. Manchmal aber erliegen ihnen die Menschen gruppenweise – und bemerken es nicht mal. Im Gegenteil, vielleicht nennt sich das dann sogar Firmenkultur – und man ist irgendwie stolz drauf. Und will, dass sich Neulinge im Unternehmen an sie anpassen. Eins dieser einmütig gelebten Vorurteile in vielen Unternehmen ist jenes: Jeder Neue, der von aussen kommt, ist erst mal viel besser als die Kollegen, die schon an Bord sind. Das dauert freilich nicht so lange, der Lack des Neuankömmlings ist schnell ab und die allgemeine gegenseitige Geringschätzung erwischt auch ihn. Nur die wenigsten schaffen es, ihren Lack zu verteidigen und bewältigen den Durchmarsch in die Chefetage. Die anderen, die große Mehrzahl bekommt die Chancen nicht. Oft deshalb, weil die Überprüfung der schlummernden Fähigkeiten bei den Mitarbeitern nicht irgendwie institutionalisiert ist. Und dann unterbleibt´s eben. Die jährlichen Mitarbeitergespräche können das nicht leisten, sind sie doch fast überall eine Farce und inzwischen bei vielen Unternehmen nur noch dazu da, damit der Vorgesetzte sie der Unternehmensführung nachweisen und seine eigene Prämie ins Trockene retten kann. Um den Mitarbeiter und seine Perspektiven gehts dabei nie mehr. Er kann froh sein, wenn er keinen Vorgesetzten hat, der diese Jahresgespräche nicht nur als seinen eigenen Abrechnungsmoment benutzt. Als Möglichkeit einzuschüchtern, mit Vorwürfen zu überschütten und zu sticheln – damit der Mitarbeiter ja keine Gehaltserhöhung verlangt.
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