Ein Teller Trine-Nudeln mit Osborne-Clarke-Anwalt Stefan Rizor, der in seiner Kanzlei Dog-Rules eingeführt hat

Eigentlich begann alles mit dem Hund seines Kollegen Jürgen Ehrlichmann und seinem Bearded Collie Funny – vor 15 Jahren. Der Anwalt der britischen Law Firm Osborne Clarke wusste nicht wohin tagsüber mit dem Hund und der kam dann halt mit ins Kölner Büro in der Nähe des Fernsehturms. Funny kam aus dem Tierheim, er war schon ein älteres Semester und fiel nicht weiter auf.

 

Funnys Macke: immer auf der Suche nach Essbarem

Bis auf seine Macke: Weil Funny praktisch immer Hunger hatte und auf der Suche nach Essbarem war, war auch kein angebissenes Brot auf einem Schreibtisch vor ihm sicher. Wer das etwa als neuer Referendar in der Kanzlei noch nicht wusste und nur mal eben in die Bibliothek ging, um einen Kommentar zu holen, der fand danach oft nur noch das leer Butterbrotpapier vor, erinnert sich Stefan Rizor, Seniorpartner bei Osborne Clarke.

 

Das war lange noch bevor Werbeagenturen darum wetteiferten, wer die meisten Bürohunde hat. Und lange bevor Bürohunde hierzulande samt eigenem Interessenverband und Rückenwind von mehreren medizinischen Uni-Studien salonfähig wurden. Auch Rizor selbst bringt schon seit acht Jahren öfter seinen Golden Retriever Gustav mit in die Kanzlei – zur Freude der Kollegen, die sich darauf schon mit Frolic & Co. in der Schreibtischschublade eingestellt haben: „Hunde können sich prima merken, wer Leckerli für sie hat“, grinst der Hannoveraner – und in der Reihenfolge werden sie dann auch begrüßt. Allen voran die Litigation-Anwältin Janett Bachmann. „Die findet Gustav großartig.“

Fürs Büroklima sind die Bürohunde prima, findet Rizor. Sein Beispiel hat denn auch Schule gemacht, inzwischen gibt´s in den sieben Stockwerken der Kanzlei nahe dem Kölner Fernsehturm etliche Hunde – und die müssen sich alle an die Dog-Rules der Kanzlei halten (siehe unten).

Stefan Rizor und ich sitzen im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort im „L´Anima“ und er hat sich einen Teller Trine (Nudeln) mit Gorgonzola, Spinat und Walnüssen bestellt.  WirtschaftsWoche-Redaktionshund George – bekannt aus der Serie #GeorgeliebtPrint auf Twitter – döst derweile unterm Tisch.

Rizor erzählt eine Anekdote aus seiner Studentenzeit, die zeigt, wie wenig manchmal Recht und Gesetz funktionieren. Und wie trickreich viele bluffen – mit sehr großem Erfolg. Schon damals und noch heute. Viele in erschreckend großem Stil. Da gibt es Vermieter, die – obwohl sie wissen, dass ihre Klauseln im Kleingedruckten unwirksam und nachteilig für den Mieter sind, sie immer munter in jeden neuen Mietvertrag hineinschreiben. Einfach weil viele Menschen dann doch erst mal in ihren Vertrag schauen, sich davon beeindrucken lassen und es als gegeben hinnehmen – und zahlen.

Die Kandidaten wissen das haargenau, aber denen sind Recht und Gesetz einfach nur lästig. Die setzen darauf, dass sich andere – Mieter, Käufer, Arbeitnehmer oder Konsumenten – davon ins Bockshorn jagen lassen. Nur manchmal fliegen sie auf wie in dem Fall, den Rizor dann erzählte.

 

Der stud.iur. gab Rechtsnachhilfe

Als er während seines Jurastudiums zusammen mit 24 anderen im Studentenwohnheim lebte, erfuhr er nur durch einen Zufall, dass der Vermieter regelmäßig die Klempner-Rechnungen für verstopfte Abflüsse auf 23 der 25 Mieter umlegte. Nur er und ein anderer Rechtskundiger wurden nie mit diesen Reparaturrechnungen behelligt. Die 23 zahlten brav über Jahre immer wieder diese Rechnungen – und ahnten nicht, dass sie hierzu gar nicht verpflichtet waren. Bis Rizor durch Zufall davon erfuhr und die Zahlungsaufforderung an die anderen abwehrte – erfolgreich. Zum Ärger des Vermieters, der wütend kommentierte: „Ich sehe schon, der stud.iur. gibt Rechtsnachhilfe im Haus“.

 

Ganz dumm gelaufen: Wenn der Bluff zum Bumerang wird

Ungefähr genauso ärgerlich war der Vermieter des Ingenieurs, der eine AGB-Klausel im Kleingedruckten und umfangreiche Renovierungen auf dessen Kosten durchsetzen wollte, aber damit ganz gründlich auf die Nase fiel. Dadurch, dass die Klausel zu weit ging und infolgedessen unwirksam war, traten die Basisregeln im Bürgerlichen Gesetzbuch in Kraft – und der Mieter brauchte am Ende überhaupt nicht renovieren lassen. Damit nicht genug: Der Ingenieur hing im ganzen Treppenhaus seinen Schriftwechsel mit dem Vermieter auf – so dass sich auch alle anderen Nachbarn darauf berufen konnten.


Und hier sind die Dogs-Rules:

Hunde-Knigge – Hunde in den Osborne-Clarke-Büros
Wir Hundehalter wissen, dass unsere vierbeinigen Lieblinge nicht nur daheim, sondern auch im Büro die Atmosphäre verbessern. Sie freuen sich über Gesellschaft, widersprechen nie und trösten immer. Wir nehmen Rücksicht auf die ‚Panther‘, die Angst vor Hunden haben oder allergisch auf Hundehaare reagieren.
Damit dies so bleibt, versprechen wir Hundehalter folgendes:
1. Wir melden unsere Hunde auf der neuen Seite ‚Dogs‘ rechtzeitig an und aktualisieren die Einträge pünktlich.
2. Wir akzeptieren die Regel, dass an jedem Tag grundsätzlich nur ein Hund auf jeder Etage sein soll.
3. Wir respektiere ängstliche und allergische Kolleginnen und Kollegen und halten die Hunde in unserem Zimmer an all den Tagen, an denen die ängstlichen und allergischen Kolleginnen und Kollegen im Haus sind. Wir erwarten aber, dass sich diese Kolleginnen und Kollegen bei … anmelden.
4. Wir schließen eine Hundehaftpflichtversicherung ab und kommen für jeden Schaden sofort aus (selbst dann, wenn wir der Meinung sind, dass andere ein Mitverschulden oder ein alleiniges Verschulden trifft).
5. Folgende Räume werden von unseren Hunden nicht betreten: Küche, Bäder und Waschräume, Empfang und Besprechungszimmer
6. Wir sorgen dafür, dass die Hunde nicht bellen.
7. Wir halten läufige Hündinnen immer in unserem Zimmer.
8. Bei Konflikten unterwerfen wir uns der Entscheidung von … (dem Location Head), die abschließend entscheidet.

http://blog.wiwo.de/management/tag/juergen-ehrlichmann/

Buchauszug „Kanzleimanagement in der Praxis“: Stefan Rizor über die zwölf Rollen der Managing Partner als Kanzleichefs

 

 

Ein Teller Rindersteak-Onglet mit Jürgen Ehrlichmann: „Darf ich vorstellen, unsere Geschirrspülmaschine.“

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