Was sagen die Arbeitgeberbewertungsportale über ihre Company? Bewerber gucken drauf – und entscheiden sich

Junge Leute schauen erst bei Kununu und anderen Arbeitgeber-Bewertungsportalen nach, bevor sie sich bei einem Unternehmen bewerben.Und vielleicht bewerben sie sich danach auch gar nicht mehr. Auch den meisten klar ist, dass negative Bewertungen oft von unzufriedenen Mitarbeitern geschrieben sind, zeigt eine repräsentative Studie der Outplacement- und Karriereberatung von Rundstedt, für die der Marktforscher Innofact 1000 Berufstätige befragt hat.

 

Sophia von Rundstedt(Foto: Rundstedt)

 

Wissen Sie, was bei Kununu über Ihre Firma steht?

Junge Leute schauen erst bei Kununu und ähnlichen Arbeitgeber-Bewertungsportalen nach, bevor sie sich bei einem Unternehmen bewerben.Und vielleicht bewerben sie sich danach auch gar nicht mehr. Auch wenn ihnen mehrheitlich klar ist, dass negative Bewertungen oft von unzufriedenen Mitarbeitern geschrieben sind, zeigt eine repräsentative Studie der Outplacement- und Karriereberatung von Rundstedt, für die 1000 Berufstätige vom Marktforscher Innofact gefragt wurden.

 

Wenn einzelne Führungskräfte das Firmenimage lädieren

Das könnte unangenehm bis folgenreich für manche Arbeitgeber werden, die in Vor-Internet-Zeiten sich weit weniger Sorgen machen mussten. Etwa dass kaum talentierte Führungskräfte oder einzelne Choleriker – die womöglich auch für mehr Fluktuation und höheren Krankenstand sorgen –  ihr Arbeitgeber-Image nun auch öffentlich beschädigen. Denn: 43 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass ihr heutiger oder zukünftiger Arbeitgeber möglichst positiv bewertet ist. Unter den 18- bis 29-Jährigen denkt sogar mehr als die Hälfte (54 Prozent) so.

 

Mitarbeiter, die sich für ihr Unternehmen genieren

Fast ein Drittel der Befragten ist es peinlich, für ein Unternehmen mit überwiegend schlechten Arbeitgeber-Bewertungen zu arbeiten. Woran man das auch erkennt? Seit Jahren fahren immer weniger Menschen mit Dienstwagen herum, auf denen ihr Unternehmen irgendwo durch einen noch so kleinen Aufkleber erkennbar ist. Selbst Manager stehen so wenig zu ihrem Arbeitgeber, dass sie auf ihren Dienst-BMW´s oder anderen Dienst-Karossen auch nur einen fünfmalzehnzentimetergroßßen Aufkleber mit dem Schriftzug ihrer Company zulassen oder freiwillig draufpappen.

 

Ja keine Zugehörigkeit zur Firma bekennen – auch nicht auf dem Dienstwagen

Sie haben Zweifel? Machen Sie mal den Test und gehen Sie an einem Sonntag auf einen Parkplatz vor den angesagten Sportclubs Ihrer Stadt. Da stehen ganz viele Autos mit auswärtigen Kennzeichen – die meisten eben Dienstwagen – aber keins, oder fast keins mit einem Firmenschriftzug. Übrigens ist die Rechtslage hier eindeutig laut Arbeitsrechtler Moritz Kunz von Herbert Smith Freehills: Wenn ein Arbeitgeber durchsetzen wollte, dass seine Dienstwagen für die Firma auch konsequent Werbung fahren, dürfte er das auch. 

Merkwürdig nur, wie einmütig da selbst Entscheider und Marketer derselben Firma sind – und auf Imagebildung ihres Brötchengebers pfeifen.

 

Je jünger die Bewerber umso relevanter finden sie Kununu & Co.

Doch zurück zu Bewerbern und Online-Bewertungen: Die möglichen Bewerber interessieren sich für Dinge wie Kollegenzusammenhalt, Sozialleistungen oder Gleichberechtigung. 41 Prozent der Befragten lesen zuerst Arbeitgeber-Bewertungsportale wie kununu oder meinChef.de, bevor sie sich auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben.

Je jünger (und damit attraktiver als Zielgruppe für Unternehmen) und je gebildeter umso mehr: Vor allem junge Menschen (52 Prozent) und höher gebildete Befragte (46 Prozent) machen sich dort schlau. 

Für Initiativ-Bewerber sind für 29 Prozent der Kandidaten haben die Bewertungsportale Filterfunktion, um erst einmal die positiv bewerteten Unternehmen zu eruieren. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es über 40 Prozent. 

Und jetzt kommt das Ergebnis, das Unternehmen hellhörig werden lassen sollte: Jeder Zweite von ihnen (elf Prozent mehr als der Durchschnitt) würde sich gar nicht erst bei Unternehmen bewerben, wenn die Unternehmensbewertungen schlecht sind.

Jedenfalls finden nur 22 Prozent der Kandidaten die Infos von Kununu & Co. glaubhafter als die der Unternehmensvertreter. Bei den Bewerbern unter 33 Jahren sind es 33 Prozent. 

 

Mitarbeiterbindung via Kununu

Die Bewerber sind die einen, die anderen aber diejenigen, die bereits an Bord sind: Besonders authentische und positive Mitarbeiterbewertungen können laut dieser Studie das Interesse von Bewerbern wecken. Mehr noch: „Sie binden auch die Mitarbeiter an das Unternehmen“, sagt Sophia von Rundstedt, CEO bei von Rundstedt. „Firmen dürfen nicht den Fehler machen, diese Portale als unwichtig einzustufen. Denn der Bewerbermarkt hat eine gewisse Eigendynamik. Gerade für junge Menschen sind der Ruf des Unternehmens und dessen Online-Bewertungen wichtig, um eine Entscheidung für oder gegen einen potenziellen Arbeitgeber zu treffen. Hier gilt also: Anpacken und gute Rahmenbedingungen für positive, authentische Bewertungen schaffen, statt wegzusehen.“

 

Die Ergebnisse im Detail: 

66 Prozent: Mir ist bewusst, dass die Bewertungen auch das Gesamtergebnis verfälschen können, wenn sie von frustrierten, eventuell gekündigten Mitarbeitern stammen.

43 Prozent: Mir ist es wichtig, dass mein derzeitiger/zukünftiger Arbeitgeber möglichst positive Bewertungen aufweist.

41 Prozent: Bevor ich mich auf eine ausgeschriebene Stelle bewerbe, schaue ich mir die Bewertungen des Unternehmens an.

39 Prozent: Überwiegend negative Mitarbeiter-Bewertungen halten mich von einer Bewerbung ab. 

35 Prozent: Ich bewerte meinen derzeitigen Arbeitgeber selbst, um potenziellen neuen Kollegen die Chance zu geben, sich ein realistisches Bild von meinem Arbeitgeber zu machen.

32 Prozent: Ich würde mich dafür schämen, in einem Unternehmen zu arbeiten, das überwiegend schlechte Bewertungen vorweist.

29 Prozent: Wenn ich mich aus eigener Initiative bewerbe, nutze ich Bewertungsportale, um erst einmal nur positiv bewertete Unternehmen zu finde

22 Prozent: Ich lege mehr Wert darauf, was auf Bewertungsportalen steht, als auf das, was mir Mitarbeiter/Personaler im Vorstellungsgespräch über das Unternehmen berichten

18 Prozent: Ich würde in meinem derzeitigen/zukünftigem Unternehmen eine Kündigung in Betracht ziehen, wenn die Bewertungen überwiegend schlecht sind/oder immer schlechter werden. 

17 Prozent: Ich schaue regelmäßig nach, wie mein Arbeitgeber bewertet ist.

n= 1.000;  www.rundstedt.de

 

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