Aufgeschnappt (8): Was man mittags in der City so hört. Wie eine kleine Respektlosigkeit einem hoffnungsvollen Bewerber die Tour vermasselte

Eigentlich hatte der Kandidat einen tollen Eindruck gemacht. Sympathisch, kompetent und überhaupt. Das Gespräch war prima gelaufen und der Mann sollte auf jeden Fall in die enge Auswahl. So erzählt ein Geschäftsführer von einem Bewerber, den er trotzdem wegen drei unbedachten Sätzen eine Absage schickte. Die Sätze hatte der Kandidat freilich nicht während des Vorstellungsgesprächs gemacht, da hatte er brilliert und sich nicht den geringsten Patzer geleistet.

 

Kein Lächeln, kein Small-talk

Der Geschäftsführer hatte aber die Teammitarbeiterin befragt, die den Bewerber am Empfang abgeholt, begrüßt und zu ihm in den dritten Stock gebracht hatte. Wie sie den Mann denn so gefunden habe?  Schließlich werde der ja eventuell auch ihr künftiger Kollege, fragte der Chef sie. Nach erstem Zögern, gab sie dann aber doch zu, dass es eine kurze Szene im Aufzug gab, die ihr doch im Gedächtnis geblieben war. Der Kandidat hatte sie nur knapp begrüßt, nicht ein einziges Mal gelächelt und keinen Small Talk begonnen. Nicht, kein Wort. Fragen andere Bewerber schon mal nach der Kantine oder ähnliches, so war dieser wortlos geblieben und hatte sie schlicht ignoriert.

 

Heikle Geste: Sich vor anderen im Spiegelbild  betrachten

Im Aufzug dann aber wurde der Mann umso aufmerksamer – gegenüber seinem eigenen Spiegelbild.  Er sah sich selbstzufrieden an, richtete sich länglich seine Haare und warf dann einen Seitenblick auf die Dame mit den Worten: „Sie sind irgendwo auf der Firmenwebseite – an hübsche Damen erinnere ich mich immer.“ Sprachs, und wandte sich wieder seinem Spiegelbild und den Haaren zu, um sich selbst zuzulächeln.

Die Dame war richtig sauer über so viel Arroganz. Und der Chef interpretierte die Sache so: Respektlose Kollegen wolle er nicht in seinem Team. Das würde nur den Teamgeist gefährden. Der Mann hatte die künftige mögliche Kollegin erst ignoriert und ihr seine Überlegenheit klar gemacht. Die geschilderte Szene genügte dem Geschäftsführer, um dem Bewerber umgehend abzusagen.

 

Ohne Respekt ist der Teamgeist gefährdet

Was dann geschah, passte für ihn dann auch wieder ins Bild von dem eitlen Kandidaten: Er hatte die Chuzpe, ihn direkt wutentbrannt anzurufen und zu versuchen, ihn umzustimmen. Das Bewerbungsgespräch sei doch so gut gewesen. Doch der Geschäftsführer blieb dabei, sein Bauchgefühl sei am Ende auch sein wichtigster Ratgeber.

Ob er ihm die Wahrheit über sein Aus gesagt habe, frage ich nach. Ja, er hatte. Dass er respektvollen Umgang verlange und dass sich die Kollegin nicht wohl gefühlt habe in seiner Gegenwart.

 

 

Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*