Gastbeitrag Dorothea Assig und Dorothee Echter: Wenn Top-Manager auf Jobsuche gehen müssen – und daran scheitern

Was einen erfahrenen Top Manager erfolgreich macht, ist gänzlich ungeeignet für die Jobsuche“. Gastbeitrag von Dorothea Assig und Dorothee Echter, die spezialisiert sind auf Top-Manager-Beratung und das vor allem bei den Dax30-Konzernen.

 

Dorothea Assig (l.) und Dorothee Echter (Foto: Assig/Echter)

 

Erfolgreiche Topmanager sind schnell, ergebnisorientiert, jeder möchte gerne mit ihnen zu tun haben und sie wollen mit ihren Ideen Unternehmen erfolgreicher machen. Plötzlich, manchmal von einer auf die andere Sekunde, sind sie ohne Aufgabe. Aus dem vollen Lauf gerissen, wollen sie sich direkt um eine neue Position bewerben – weil sie so gut sind, weil sie sich alles zutrauen.

 

Keine Machtinstrumente, nur Hingabe

Ab jetzt dauert alles sehr, sehr lange. Manchmal Jahre, in denen sie viele, viele Fehler machen können. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Prozess zu beschleunigen. Sie können nichts delegieren, keine Vorgaben machen, keinen Druck aufbauen, an wen auch? Headhunter sind nicht ihre Angestellten und Dienstleister. Sie können eine einzige Sache machen: sich dem launigen Plaudern-und-Gefunden-werden-Prozess hingeben.

 

Der Arbeitsmodus als Systemfehler

Die Top-Management-Jobsuche ist das Gegenteil von einem Projekt, von Vertrieb, Key Account Management oder von Start-up-Agilität. Deshalb scheitern auch exzellente Persönlichkeiten mit nachgewiesenen Erfolgen, einem breiten Netzwerk und hervorragendem Ruf. Der Arbeitsmodus selbst jetzt ist der Systemfehler; er ist tief in der Erfolgspersönlichkeit verankert und macht die Jobsuche zu einer frustrierenden, langwierigen und oft gänzlich erfolglosen Sache.

Nötig ist ein mentaler Neustart, heraus aus dem Planen und Arbeiten, hin zu Nähe und Vertrauen.

 

Nähe und Vertrauen durch Stimmungsmanagement – unkomplizierte Zuwendung

Die Leistung gilt im Top-Management als erwiesen, entscheidend sind jetzt Nähe und Vertrauen. Diese werden durch Stimmungsmanagement ausgelöst, ohne jeden Druck: Positive Signale ins Ungewisse hinein. Jenseits jedes Wissens und Könnens und jeder Sicherheit werden mit absichtslosen, wertschätzenden Signalen Nähe und Vertrauen bei einflussreichen Menschen ausgelöst: Dankbarkeit, Komplimente, Wertschätzung, Geschenke, Einladungen, heiteres Plaudern und unkomplizierte Zuwendung. Die Mitglieder der eigenen Community, und andere erfolgreiche Menschen, werden nur dann Chancen verschaffen, Empfehlungen aussprechen, wenn sie in wohlwollender, heiterer Stimmung sind. Wenn sie es gern tun. Sonst nicht.

 

Ein Prozess, der sich über Monate und Jahre hinziehen kann. Empfehlende und Rekrutierende wie Headhunter, Personalvorstände, Aufsichtsräte reagieren nur auf solche positiven Signale, die aus der Fülle heraus gegeben werden. Auch wenn die Sprache, die sie sprechen, und die Fragen, die sie stellen, aus der Arbeitswelt kommen. „Haben Sie schon einmal eine Produktion nach Asien verlagert?“ Gar nicht so einfach, hier in den „Für-einen-neuen-Job-Gefunden-werden-Modus“ umzuschalten, und dennoch die „Arbeitssprache“ beizubehalten.

 

Augenhöhe entscheidet – und das Wording

Die Antwort ist hier nicht: „Ja, ich habe 2012 drei Standorte mit je 400 Leuten innerhalb von kurzer Zeit erfolgreich von Niedersachsen nach China umgezogen, und ein Jahr später nochmals ein Werk nach Bangladesh.“, sondern: „Interessant, dass Sie das fragen, denn Sie selbst haben ja Vorbildliches geleistet und Ihre Fertigung in Indien ist für ihre Effektivität bekannt. Und ja, natürlich habe ich diese Erfahrung auch selbst schon mehrfach gemacht.“ Kompliment, Nähe, Augenhöhe, Vertrauen, Stimmungsmanagement.

 

Absichtslosigkeit statt Ergebnisdenken

Je erfolgreicher jemand im Top Management ist, desto schwerer ist es, den Moduswechsel anzuwenden. Kein Follow-up, keine Zielgruppendefinition, keine Initiativ-Bewerbungen, keine Bitte um Kontaktvermittlung. Die größte Aufgabe für den Jobsuchenden ist es, zu erkennen, dass das, was einen Topmanager erfolgreich macht, nicht das ist, was zu einem neuen Top-Job führt:

Absichtslosigkeit – während in der Arbeitswelt Ergebnisdenken, Ziele und Pläne zählen.
Ungewissheit – während im Management Zahlenwerke und Kontrollmechanismen ein Gefühl der Sicherheit geben.

Fülle – während Teams doch nur durch Benennung des Mangels immer besser werden.
Unkompliziertheit – während in der Wirtschaft auf immer komplexere Entwicklungen reagiert werden muss.

 

Einmal Top-Liga, immer Top-Liga

Und diese eine Sache, die immer richtig ist? Das ist Community-Building, die Fähigkeit, tragfähige, herzliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Wer in der Top-Liga zugehörig ist, bleibt auch dort.

 

Wer andere anerkennt, macht leichter Karriere – Gastbeitrag von Dorothea Assig und Dorothee Echter

 

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  1. Nach vielen Jahren in der top-Management-Begleitung und Neupositionierung kann ich einen zentralen Satz des Artikels voll und ganz unterschreiben: „Nötig ist ein mentaler Neustart, heraus aus dem Planen und Arbeiten, hin zu Nähe und Vertrauen!“

    Vielfach wird unterschätzt wie weit letztlich Fachkompetenz, Sachkenntnis und bisher erzielte Erfolge in den Hintergrund treten …. jetzt geht es vor allem um Beziehung, Glaubwürdigkeit, Stimmigkeit. Erst wenn diese Komponenten im Miteinander entwickelt und tragfähig sind kann das Beziehungsmanagement voll zur Entfaltung kommen, erst dann werden Empfehlungen ausgesprochen und Türen öffnen sich. Jeglicher Druck auf und jegliche Ungeduld gegenüber potenziellen künftigen Arbeitgebern und/oder Geschäftspartnern sind kontraindiziert.
    All das mag für erfolgreiche Top-Manager im ersten Moment ungewöhnlich erscheinen (und diese zuweilen am jetzt einzuschlagenden Weg zweifeln lassen), aber letztlich – so zeigen meine langjährigen Erfahrungen im Management-Consulting eines großen DAX-Konzerns – ist dieser Paradigmenwechsel der einzige Königsweg für eine erfolgreiche Neupositionierung.