WirtschaftsWoche Personalberater-Ranking: Wer die renommiertesten Generalisten sind, wer bei Spezialistensuche Eindruck macht

Das Ranking erschien in der Printausgabe der WirtschaftsWoche 1.12.2017

 

Die WirtschaftsWoche hat zum zweiten Mal Deutschlands beste Personalberater für acht Branchen gelistet (siehe Tabelle unten).

Grundlage des einzigartigen Rankings war eine Befragung von 1.150 Personalentscheidern, die die WirtschaftsWoche zusammen mit Christel Gade, Professorin von der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef/Bonn und Expertin für die Personalberaterbranche durchführte. Die Kunden der Personalberater beurteilten 610 Beratungshäuser und sorgten so für mehr Transparenz in einen ansonsten völlig undurchsichtigen Markt. Kaum eine zweite Branche verlangt ihren Kunden so viel Vertrauensvorschuss beim Erteilen eines Auftrags ab. Unternehmen, die einen Headhunter einspannen, investieren meist viel Geld – stets mit dem Risiko, dass die Suche viele Monate dauert und am Ende trotzdem erfolglos ausfallen kann.

Unterstützt wurde die WirtschaftsWoche-Umfrage von der DGFP – Deutsche Gesellschaft für Personalführung, dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU und dem Verband Die Führungskräfte. 

 

Christel Gade, Professorin an der Internationalen Hochschule Bad Honnef

Deutschlands beste Personalberater 2017 (Teil 1)
Wem die Unternehmen vertrauen
Bewertung Suchmethode Mindestjahresgehalt (in Euro)
Headhunting Anzeigen
 

Die Generalisten

Egon Zehnder ***** ˜ 250 000
Heidrick & Struggles ***** ˜ 200 000
Korn Ferry ***** ˜ 200 000
Spencer Stuart ***** ˜ 200 000
Heads! **** ˜ 200 000
Kienbaum **** ˜ ˜ 200 000
Russell Reynolds **** ˜ 200 000
 

Branchen-Champions

Automobil
FMT International ***** ˜ 120 000
InterSearch ***** ˜ 90 000
Korn Ferry ***** ˜ 200 000
Odgers Berndtson ***** ˜ 150 000
Personal Total ***** ˜ ˜ 50 000
PMC International ***** ˜ ˜ k. A.
Senator Executive Search **** ˜ ˜ 80 000
Deininger *** ˜ 150 000
Kienbaum *** ˜ ˜ 200 000
 

Maschinen- und Anlagenbau/Industrie

Liebich & Partner ***** ˜ ˜ 80 000
Dr. Maier + Partner ***** ˜ ˜ k. A.
Spencer Stuart ***** ˜ 200 000
Egon Zehnder **** ˜ 250 000
Heidrick & Struggles **** ˜ 200 000
InterSearch **** ˜ ˜ 90 000
Boyden *** ˜ 120 000
 

Finanzdienstleistungen

Indigo Headhunters ***** ˜ ˜ 100 000
InterSearch ***** ˜ 90 000
Signium ***** ˜ 150 000
Spencer Stuart ***** ˜ 200 000
Egon Zehnder **** ˜ 250 000
Heidrick & Struggles **** ˜ 200 000
Kienbaum **** ˜ ˜ 200 000
Korn Ferry **** ˜ 200 000
Sabine Märten **** ˜ 100 000
Heads! *** ˜ 200 000
 

Beratung/Professional Services

Signium ***** ˜ 150 000
Egon Zehnder **** ˜ 250 000
Hager **** ˜ ˜ 110 000
PMC International **** ˜ ˜ k. A.
Chemie/Pharma/Gesundheit
Eric Salmon ***** ˜ k. A.
HiTec ***** ˜ ˜ 75 000
Baumann Unternehmensberatung **** ˜ ˜ 80 000
Egon Zehnder **** ˜ 250 000
Korn Ferry **** ˜ 200 000
PMC International **** ˜ ˜ k. A.
Kienbaum *** ˜ ˜ 200 000
 

Energie

Callidus Energie ***** ˜ ˜ 80 000
LAB ***** ˜ 100 000
Capitalent **** ˜ 200 000
Kienbaum **** ˜ ˜ 200 000
Spencer Stuart **** ˜ 200 000
Russell Reynolds *** ˜ 200 000
 

Konsumgüter/Handel

Signium ***** ˜ 150 000
Spencer Stuart ***** ˜ 200 000
Egon Zehnder **** ˜ 250 000
Korn Ferry **** ˜ 200 000
Russell Reynolds **** ˜ 200 000
Topos **** ˜ ˜ 80 000
 

IT/Digitalisierung/Medien

Egon Zehnder ***** ˜ 250 000
Hager ***** ˜ ˜ 110 000
Spencer Stuart ***** ˜ 200 000
Heidrick & Struggles **** ˜ 200 000
i-potentials **** ˜ ˜ 150 000
Korn Ferry **** ˜ 200 000
Russell Reynolds **** ˜ 200 000
SearchConsult **** ˜ ˜ 90 000
Dwight Cribb *** ˜ 120 000
 

Immobilien

Deininger **** ˜ 150 000
Heidrick & Struggles **** ˜ 200 000
Bernd Heuer **** ˜ ˜ k. A.
ifp **** ˜ ˜ 150 000
LAB & Company **** ˜ 120 000
Westwind **** ˜ 80 000
*** = gut **** = sehr gut ***** = exzellent; Quelle: Christel Gade. IUBH Internationale Hochschule Bad Honnef/WirtschaftsWoche; Unterstützt wurde die Umfrage von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater und dem Verband Die Führungskräfte.

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Vertriebler heiß gesucht

Personalberater machen gute Geschäfte, ihr Umsatz steigt – Fehlbesetzungen sind zu teuer und viele Experten Mangelware.

Die 39.000-Seelen-Stadt Mettmann mit ihren malerischen Fachwerkhäusern zwischen Düsseldorf und Wuppertal gehört schon zum Bergischen Land. Hier ist die Heimat des Tiefkühlkostproduzenten Eismann, ein Aushängeschild des Städtchens. Nur: Qualifizierte Mitarbeiter oder gar seltene Experten hierher zu locken, kann ganz schön schwierig sein. So wie kürzlich der Bewerber, der in Nettetal an der holländischen Grenze, 80 Kilometer entfernt wohnte. Selbst wenn alles andere wie Arbeitsklima und Gehalt stimmt, täglich 160 Kilometer Pendeln ist allzu nervenaufreibend. Den Job sagt er allein deshalb ab.

Wie schwierig für Eismann-Prokurist Michael Opitz die Mitarbeitersuche ist, zeigt sich besonders, wenn er nach Leuten für den Vertrieb, für Digitales und spezialisierte IT-Experten wie Content Manager, Search Engine Optimizer, Affiliate Manager oder Technical Marketing Profis fahndet, erzählt der Personalchef. Dabei bringen es solche Mitarbeiter auf immerhin 60.000 Euro Jahresgehalt -anders, als wenn er die Stelle eines Junior-Personalreferenten ausschreibt: Dann gehen bei Opitz gleich 60 Bewerbungen ein.

„Doch SAP-Experten mit Spezialisierung auf Finanzkontrolle oder Warenwirtschaft zum Beispiel kann ich ohne Headhunter kaum besetzen“, ist seine Erfahrung. Diese Spezialisten sind so gesucht, dass Opitz die Suche schon nicht mehr exklusiv an nur einen Headhunter vergibt. Damit nicht so viel Zeit verloren geht. Wer zuerst den passenden Kandidaten bringt, bekommt das Honorar.

Glücklos mit Online-Stellenbörsen 

Bei Opitz´ letzter Besetzung – er brauchte einen CRM-Applikationsbetreuer – war es besonders schwierig. Das Unternehmen war auch nach sechs Monaten trotz Anzeigen auf der eigenen Firmenhomepage und bei den Online-Stellenbörsen Indeed und Stepstone glücklos geblieben. Opitz: „Zwar kamen daraufhin zehn Bewerber, aber keiner passte.“

Die Gründe wiederholen sich: Mal hat einer zu hohe Gehaltsvorstellungen, dann ist dem nächsten der Weg zur Arbeit zu weit und dem Übernächsten ist ein Mittelständler wie Eismann mit seinen 2.500 Mitarbeitern dann doch zu klein und er will lieber weiter in einem großen Konzern arbeiten.

Ganz zu schweigen von dem 35-jährigen Bewerber für den Vertriebsjob, der mit Hauptschulabschluss nicht unter 90.000 Euro Jahresgehalt anfangen wollte.

Oder der Mann, der in zehn Jahren sechs verschiedene Stellen hatte, bei denen es nie funktionierte – woran aber immer die Unternehmen schuld waren, wie der Kandidat sagte. Vor allem aber kam ein Problem durch die konkreten Aufgabe hinzu: Er sollte nicht nur die SAP-Lösung, das Standardprogramm, beherrschen, sondern Eismann arbeitet mit einem CRM-Modell, das nur SAP-basiert ist, aber eigenprogrammiert. Opitz: „Das beherrscht nicht jeder SAP-Profi und manche hatten obendrein die Sorge, sich beruflich in eine Einbahnstraße zu entwickeln und den Anschluss an SAP zu verpassen.“

Personalsuche ist für Konzerne einfacher

Personalchefs wie der Eismann-Prokurist haben es schwerer als ihre Konzern-Kollegen bei der Spezialisten-Suche – zumal in Zeiten des Facharbeitermangels. Die großen Generalisten unter den Headhuntern wie Egon Zehnder, Korn Ferry, Spencer Stuart, Russel Reynolds, Heads! oder Kienbaum sind an ihren Aufträgen nicht interessiert, da sie eher das Top-Management besetzen wollen und Suchaufträge erst ab 200.000 Euro Jahresgehalt annehmen (Siehe Tabelle).

Vernetzt in Comunitys

Einerseits, andererseits sind diese Beratungen bei Spezialgebieten oft auch gar nicht so gut in den Communitys vernetzt, dass sie schnell wechselwillige und kompetente – womöglich rar gesäte – Spezialisten besorgen könnten. Deshalb hat die WirtschaftsWoche zusammen mit Christel Gade, Professorin von der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef/Bonn und Expertin für die Personalberaterbranche zum zweiten Mal eine Unternehmensbefragung gestartet und Deutschlands beste Personalberater gelistet (Siehe Tabelle) und nach Branchen aufgefächert. Unterstützt wurde die WirtschaftsWoche-Umfrage von der DGFP – Deutsche Gesellschaft für Personalführung, dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU und dem Verband Die Führungskräfte. 1.150 Personalentscheider beurteilten 610 Beratungen – einen völlig undurchsichtigen Markt, der seinen Kunden viel Vertrauen als Vorschusslorbeeren beim Erteilen eines Auftrags abverlangt – denn für sie stehen viel Zeit und Geld auf dem Spiel.

USA: Suchaufträge werden veröffentlicht auf einer App

Ein diskretes Geschäft, besonders hierzulande. Anders als in den USA, wo Unternehmen ihre Suchaufträge an Headhunter öffentlich vermelden und es Dienste gibt, die sie sammeln und via App veröffentlichen. Eine Entwicklung, die die deutschen Kanzleien als Professionals in den vergangenen 20 Jahren erlebt haben – und erst spät die Vorteile für sich erkannten. Denn: „Jede Transparentwerdung dient den guten Dienstleistern“, sagt Heidrick & Struggles-Deutschland-Chef Michael Oberwegner. Beratungen, die es in die WirtschaftsWoche-Tabelle geschafft haben, gehören ganz klar dazu.

Headhunter-Umsätze steigen

Außer dem Fachkräftemangel beschert die Konjunktur den Personalberatungen gute Geschäfte: „Der Jobmarkt in Deutschland brummt und die Unternehmen beauftragen intensiv Personalberater, um ihre Einstellungen vornehmen zu können“, sagt der BDU. Die Umsätze der Berater sind in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent gestiegen. Für 2017 erwartet der Verband 2,15 Milliarden Euro.

Gute Erfahrung mit Gades Branchenexpertise im Beratermarkt machte gleich dreimal Christian Kasten, Direktor bei DPE Deutsche Private Equity in München, einer Beteiligungsgesellschaft, die immer wieder Firmen aus den verschiedensten Branchen kauft. Eine von denen – Sercoo, ein Wartungsunternehmen für Blockheizkraftwerke – sucht aktuell einen Vertriebsgeschäftsführer. Die Kraftwerke stehen tausendfach in ganz Deutschland und beheizen Schwimmbäder, Hotels oder Krankenhäuser und müssen vor allem dauernd gewartet werden. Der gesuchte Geschäftsführer sollte nicht nur ein Vertriebsprofi sein, sondern obendrein in genau dieser Branche aktiv und gut vernetzt sein, Kunden und Lieferanten kennen. Sonst erkennt er keine Wachstumschancen und Kundenbedürfnisse, erzählt Kasten.

Schwer zu finden: Spezialisierte Personalberater

Schnell gehen muss es auch, weil die Haltedauer dieser Firmenbeteiligungen meist drei bis sechs Jahre beträgt. „Bei der Suche nach einem spezialisierten Personalberater kam ich nicht weit: 400.000 Google-Ergebnisse, die mir aber nichts nutzen, weil sie nichts über deren Qualität sagen“, so Kasten. Der Sercoo-Geschäftsführer verglich drei empfohlene Personalberater, ein Frankfurter machte das Rennen – und der konnte in vier Wochen eine Liste mit geeigneten, wechselwilligen und vorab interviewten Kandidaten liefern. „Jetzt geht es in die Endrunde, ich hoffe, dass in weniger Wochen der Arbeitsvertrag unterschrieben ist.“

Gesucht: Vertriebsleute

Typisch, auch hier wurde ein Vertriebsmann gesucht – so wie von jedem dritten Unternehmen bei der WirtschaftsWoche-Befragung. „Vertriebler sind keine Klinkenputzer, sondern Profis mit Sachwissen, die nicht nur strategisches Know-how mitbringen müssen, sondern eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur – und dann wird´s selten“, seufzt Eismann-Personaler Opitz. Das Fachwissen könne man sich aneignen, die Persönlichkeitsstruktur aber nicht. Sie müssen einerseits Spaß haben am Verkaufen und es andererseits aushalten, dass sie immer alleine unterwegs sind. Sie müssen vor allem persönlich überzeugen. „Im Vertrieb braucht man extrovertierte Menschen, die eher ein Sonnenschein sind als ein Bedenkenträger“, bringt es Opitz auf den Punkt. Und so jemand – mit immerhin 80.000 bis 100.000 Euro Jahresgehalt – kann ein ganz seltenes Exemplar sein. Seit Monaten sucht schon einen Spezialist für Vertrieb im Lebensmittelbereich für die Mettmanner – bislang vergeblich.

In jedem dritten Fall passen Kandidat und Firma nicht zusammen

Und schließlich muss der Bewerber ja auch als Typ in die Firma passen. „Erscheint es doch selbstverständlich, dass Kandidat und Unternehmen kulturell zusammen passen müssen, so ist die Realität eine andere“, sagt Gade. 34 Prozent der Unternehmen beanstanden genau diesen Punkt.

Fehlbesetzungen selbst auf Top-Ebene

Selbst auf der Top-Ebene können solche Fehlbesetzungen passieren: Paradebeispiel ist Leo Apotheker, der frühere Chef von SAP. Nur elf Monate dauerte sein Einsatz beim US-Technologiekonzern Hewlett-Packard. Personalberaterin Sabine Hansen von Kienbaum Executive Search und erfahren mit US-Usancen urteilt: Apotheker hatte sich nicht eingestellt auf die amerikanischen Managementkultur. Er unterschätzte die dort so mächtige Position des Finanzchefs und habe sich wie ein CEO nach deutschem Muster verhalten – als alleiniger Machthaber.

Hinzukam: Vor seinem Antritt hatten von zwölf Managern im Board gerade mal vier überhaupt mit ihm gesprochen, berichtet Hansen. „Selbst wenn jemand erfolgreich ist, gehen Intrigenspiele los, wenn er kulturell nicht zu den anderen passt. Man lässt ihn ins offene Messer laufen, fällt ihm in den Rücken – und manchmal merkt der Betreffende erst spät, wer die Gegenspieler sind.“ Seine Idee, den Konzern aufzuspalten, um breiter aufgestellt zu sein, zog HP dann später ohne ihn durch. Doch HP musste Apotheker noch sieben Millionen Dollar Abfindung zahlen – ein Beleg dafür, wie teuer Unternehmen Fehlbesetzungen zu stehen kommen. Brancheninsider berichten, dass der Headhunter danach bei HP gesperrt war.

Headhuntern sind nicht ersetzbar durch Plattformen     

Denn selbst wenn ihnen solche Entwicklungen nicht direkt zuzurechnen sind, so macht „die Fähigkeit, über Potenzial, Kompetenzen, Motivation und Affinitäten eines Kandidaten zu urteilen“ ihren Wettbewerbsvorteil von Personalberatern aus, sagte Michael Ensser, Deutschland-Chef von Egon Zehnder kürzlich dem „Handelsblatt“. Im Klartext: Selbst wenn Plattformen wie Xing oder LinkedIn Namen von qualifizierten Kandidaten liefern, so fängt die Arbeit eines Headhunters dann erst an.

 

 

 

 

 

 

 

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