Work 4.0 – das Modewort, das die meisten dann doch wieder nicht so ernst meinen?

Also man möchte ja meinen, wir wären im Zeitalter des Schlagworts Work.40, wir sind alle schrecklich agil undsoweiter. Am liebsten führen Manager diese Schlagworte im Mund, um zu zeigen, dass sie modern, aufgeschlossen und innovativ sind und unbedingt digital. Auf gar einen Fall wollen sie sich den Vorwurf zuziehen, vorgestrig zu sein,  oder gar ein Bremser.

 

Allzeit bereit – zumindest die Angestellten

Doch lassen Sie uns in den Unternehmensalltag gehen: Seit Jahren ist es für die meisten Diensthandybesitzer klar, dass sie im Urlaub und überhaupt andauernd einsatzbereit sind, alles und jedes Persönliche unterbrechen, um dienstliche Belange zu erfüllen. Entgrenzung heißt das Wort dafür, das irgendwie unterschlägt, dass  die Grenzen aufgehoben sind – doch nur in eine Richtung. Denn der Arbeitgeber gewinnt nicht-bezahlte Arbeitszeit hinzu. Da sind wir alle ganz modern, wer nicht mitmacht, gilt als Spießer oder eben ewiggestrig. Kurz, ganz gefährlich für die Karriere.

Umgekehrt gibt´s keinen Schnaps obendrauf für den Angestellten, der sich so den Interessen seiner Company verschreibt, dass er sie auch in der unbezahlten Lebenszeit gerne wahrnimmt.

 

Du gibst mir all Deine Zeit – aber ich Dir nicht 0,18 Cent

Und damit nicht genug, es kommen es aus ganz anderen Ecken juristische Ratschläge und Gerichtsurteile, die einen zweifeln lassen, ob das alles so ernst gemeint ist mit Work 4.0: Da verklagen Unternehmen allen Ernstes Mitarbeiter, die ihr Handy (oder einen Roller) in der Firma aufladen wegen Stromklau von 1,8 Cent. Plus Anwaltskosten (die orientieren sich natürlich nicht am Streiwert von 0,18 Euro sondern eher an Studenhonoraren ab 300 Euro aufwärts), Gerichtsgebühren undsoweiter.  http://www.refrago.de/Darf_man_als_Arbeitnehmer_am_Arbeitsplatz_Strom_fuer_eigene_Elektrogeraete_nutzen.frage432.html

 

Die Signalwirkung an alle – was Manager immer unterschätzen

Und das Allerdümmste an solchen Aktionen: Die Entscheider vergessen anscheinend, welche Signalwirkung sie auf die Kollegen haben. Die Kollegen, die nur beobachten, aber natürlich ihre Schlüsse ziehen, wie es denn so um die Loyalität ihres Arbeitgebers bestellt ist undsoweiter.

Und heute gab´s gleich noch so eine Frage für die Juristen: Darf man sich als Angestellter ein privates Päckchen ins Büro zustellen lassen? Weil zuhause keiner ist, weil man ja bei der Arbeit ist. Und die vielleicht längert dauert als die eines Postbeamten und nicht pünktlich um 17.30 Uhr endet? Oder besser früher, um den noch zu erreichen?

 

Unbezahlte Überstunden immer gerne – aber keine Pakete in die Firma bekommen

Auch das ist eine schöne Frage: Wenn Mitarbeiter Überstunden machen, entgrenzt arbeiten sollen – aber nicht mal in den Räumen ihrer Company ein Paket in Empfang nehmen dürfen. Und nein, ich meine keine Riesenkartons, die Riesenärger machen.

http://www.spiegel.de/karriere/pakete-ins-buero-bestellen-ist-das-eigentlich-erlaubt-a-1181305.html?utm_source=www.humanresourcesmanager.de_newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=20171205-ps-hrm-3803&utm_content=876725

Das ist ungefähr so, als wenn jemand keine Zeit zum Einkaufen findet vor lauter Work 4.0, etwas bei den einschlägigen Tiefkühlkostproduzenten Bofrost oder Eismann zu essen bestellt – und das dann aber bitte nicht vom Firmen-PC tun soll. Auch nicht um 20 Uhr. Ich weiß, ich weiß, es mag juristische Gründe geben, die am Ende mit dem Datenschutz zu tun haben – aber das Signal an die ganze Belegschaft ist eindeutig und eindeutig fatal: Mitarbeiter sollen alles geben, Unternehmen ihnen aber nichts.

Nicht mal dann, wenn Mitarbeiter genau wegen zu langer Arbeitszeiten Probleme mit ihrem Alltag bekommen – und ja, das gibt´s und passiert sogar Single-Frauen, die sich ganz dem Job verschrieben haben.

Mal Hand aufs Herz, liebe Führungskräfte und Manager: Sind sie wirklich sicher, dass Sie Work 4.0 überhaupt wollen?

 

Spektakel für die ganze Belegschaft

Mit allen damit einhergehenden Dingen wie Kontrollverlust, viel Vertrauen geben müssen, loslassen undsoweiter? Ich glaube nicht, solange es Themen wie die oben überhaupt gibt. Und Kreise ziehen, vor Gericht und als Spektakel für die gesamte Belegschaft.

Auch wenn´s Ihnen gar nicht so vorkommt, liebe  Manager. Man diskutiert es nur nicht mit ihnen, wenn sie die falschen Signale senden und sich widersprüchlich verhalten – aber alle anderen in der Belegschaft dafür schon – untereinander.

 

 

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