Ein Teller Thunfischsteak mit Cyber-Profi Jörg Asma: „Bundeswehrsoldaten sind freier als Mitarbeiter in Unternehmen“

Profis wie Jörg Asma, Cyber-Chef bei PWC Europe, werden von den Unternehmen zu Hilfe gerufen, wenn´s lichterloh brennt. Spätestens dann, denn etliche kümmern sich auch schon rechtzeitig, präventiv, um etwaige Cyber-Risiken in ihrem Betrieb, lassen sie von Experten aufspüren und dicht machen. Schließlich gehören Cyber-Risiken heute zur Managerhaftung und können Karrieren beenden.

Zum Beispiel wenn Kriminelle die Mitarbeiter der Buchhaltung reinlegen und mit geschicktem Wechselspiel aus vorgetäuschten Mails vom Chef und Anrufen von Anwälten oder Wirtschaftsprüfern sie dazu bringen, Millionenüberweisungen ins Ausland an sie freizugeben – auf Nimmerwiedersehen.

Der Autozulieferer Leoni beispielsweise verlor im vergangenen Jahr auf dem Weg sage und schreibe 40 Millionen Euro – heraus kam´s nur, weil das Unternehmen ad-hoc-mitteilungspflichtig war. Wie´s weiterging, darüber hüllte man sich in Schweigen. Ob Zufall oder nicht: Der CEO Dieter Bellé nimmt jetzt vorzeitig seinen Hut.

 

Jörg Asma, Cyber-Chef bei PWC Europe

 

Wir sitzen im Düsseldorfer Lokal „Beluga“,  Jörg Asma hat sich Thunfisch bestellt und erzählt, dass diese Managerhaftung auch nur konsequent ist. Weil solche Fraud-Fälle – andere nennen sie Enkeltrick 4.0 oder Chef-Betrug – am besten dort möglich sind, wo ein Klima der Angst herrscht. Wo es kein Mitarbeiter wagt, Rückfragen zu stellen, wenn der Chef etwas vorgibt. Geschweige denn Widerstand zu leisten. Je offener und besser das Betriebsklima, umso eher ist ein Unternehmen vor Betrug gefeit, so die Erfahrung des Cyber-Experten, der bei PWC Europe der Chef von 180 Mitarbeitern ist.

Und dann überrascht mich der Kölner mit einer Erkenntnis: Unternehmensmitarbeiter sind ängstlicher und unselbständiger als Bundeswehrsoldaten. Wie das? Ganz simpel: Bei der Bundeswehr werden die Menschen heute – und das erkäre sich aus der Historie – zum Mitdenken erzogen, damit das Militär in seinen Grenzen bleibt. Sie sollen die Dienstanweisungen hinterfragen – und ihre Befolgung verweigern, wenn sie sie für rechtswidrig halten.

Und genau das sei der Unterschied zu Unternehmen, sagt Jörg Asma: Mitarbeiter, die Anweisungen vom Chef nicht ausführen, die ganz offensichtlich im Widerspruch zur Firmen-Policy stehen, riskieren ihren Job. Oder ihre Karriere. Oder beides. Soldaten nicht.

Und da holt die meisten Firmen auch die Realität ein. Wer beteuert nicht, Transparenz leben zu wollen, ganz modern zu führen und blablabla. Steht auf der Firmen-Webseite, hat die Marketingagentur doch wunderbar ausformuliert (so wie für alle anderen Unternehmenskunden auch), vielleicht steht´s noch sonstwo im Unternehmen. Doch gelebt wird´s deshalb noch  lange nicht. Siehe die alljährliche Gallup-Studie über die deutschen Mitarbeiter mit ihren verheerenden Ergebnissen.

 

Gallup-Studie: Vorgesetzte schädigen die Firma, wenn Sie das Thema Führung nicht beherrschen

 

https://www.leoni.com/de/presse/mitteilungen/details/leoni-vorstandsvorsitzender-dieter-belle-scheidet-vorzeitig-zum-31-januar-2018-aus-1/

https://www.leoni.com/de/presse/mitteilungen/details/leoni-beruecksichtigt-betrugsfall-in-jahresprognose/

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