Ein Teller Sushi mit Lars Lehne: „Ich lasse mir nicht den Mund verbieten“

14 verschiedene Einstellungsgespräche führen für einen Job, den man eigentlich gar nicht haben wollte? Und das über sechs Monate? So eine Prozedur? Bei Lars Lehne lief es genau so, bevor er bei Google in Hamburg anheuerte. Das war damals vor gut acht Jahren, als bei dem Internetunternehmen in Deutschland erst 80 Mitarbeiter arbeiteten.

Gekapert hatte Lehne ein Headhunter von Zehnder. Er sollte auf jeden Fall mal mit den Google-Leuten sprechen, redete der Personaler ihm gut zu. Lehne ließ sich drauf ein – mit dem Ergebnis: Zumindest zehn der 14 Google-Leute faszinierten ihn so sehr, dass er den Job annahm. Und er blieb etliche Jahre, obwohl er keinen Firmenwagen und nur ein kleineres Büro als zuvor hatte. Doch die Amerikaner als Eigentümer haben ihm gut gefallen, „vor allem weil sie nicht so neidisch sind“, erzählt er.

 

„Ich gehe, wenn´s mir nicht gefällt“

Doch je größer Google wurde, umso mehr fand sich Lehne eingeengt – „im Fühlen wie im Denken“. Je größer Unternehmen werden, umso politischer werden sie langsam, Infos werden zurück gehalten und es gibt zu viele Hierarchieebenen. Er gehöre nun mal nicht zu denen, „die sich den Mund verbieten lassen“. Und: „Wenn mir etwas nicht gefällt, gehe ich.“ Monotones kann ich nicht, erzählt der Hamburger. Im Schnitt sei er drei bis fünf Jahre bei den Unternehmen, aber ein Job-Hopper sei er nicht. Nur das Neu-Anfangen werde zunehmend anstrengender.

 

Lars Lehne, CEO der Digitalagentur Syzygy

 

Beim Wechsel zu Google gab noch etwas, was für Lehne genauso wichtig war wie die smarten künftigen Kollegen: Damals arbeitete er bei der Group M in Düsseldorf – der Media-Holding des weltgrößten Kommunikationsdienstleisters WPP – und er musste jedes Wochenende pendeln. Seine Frau und die Kiddies wohnten in Hamburg. Der Jobwechsel wurde zum Heimspiel, erzählt er mir. Er war froh, dass die Pendelei dann vorbei war und Lehne mehr Zeit für seine Family bekam.

Und weil das Büro der Group-M in der Friedrichstadt in Düsseldorf war, lotste Lehne mich für unseren Lunch auch dorthin: zu dem völlig unscheinbaren „Maruyasu“, einem kleinen Sushi-Laden mit Self-Service und ein paar wenigen Hochtischen. Den kannte er noch von früher und er wollte mich noch an der Theke unbedingt von den japanischen Teigtaschen mit Algen in Sesamsoße überzeugen. So begeistert ihn diese Küche. Sie seien wie Maultauschen  und er sei ja auch mit einer Schwäbin verheiratet. Was es noch gab? Eingelegten japanischen Rettich, Lachs-, Thunfisch- und Avocado-Sushi und japanische Kresse.

 

Sushi im Düsseldorf „Maruyasu“

 

Inzwischen ist Lehne seit vergangenem September CEO der Digitalmarketing-Gruppe Syzygy – die mit dem unaussprechlichen Namen. Er verantwortet rund 64 Millionen Euro Umsatz Umsatz und 650 Mitarbeiter – und seinen Büro-Hund, den Golden Doogle Izzy. Sie ist sein erster Hund im Leben und hat ihn bekehrt: sie verändere so viel in der Familie, gebe ständig Wärme, ständig Zuneigung. Dass Hunde im Büro das Beste überhaupt sind, sei auch wissenschaftlich erwiesen, so Lehne: „Die Betriebskultur wird mit Hunden deutlich besser.“

Eingearbeitet wurde Lehne bei der Digitalagentur grade mal zwei Monate lang und er sei nicht angetreten, „um sich beliebt zu machen“, erzählt er. Lehne soll die Digitale Strategieagentur Syzygy – mit Kunden wie L’Oréal, Amex, Avis, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Mazda, O2 aber auch die Techniker Krankenkasse – „anders positionieren“. Eine Namensänderung gehört aber nicht dazu. Der dreiköpfige Vorstand habe geschlossen dagegen gestimmt, erzählt er.

 

Leider zählen Soft skills immer weniger

So eine Managementaufgabe habe er noch nie gehabt, sagt er: „Ich kommuniziere viel mehr als mein Vorgänger, aber es muss auch schnell gehen.“ Und er erzählt von seine Managementeinsichten: Fehler seien nichts schlimmes, nur dass die Deutschen leider keine Fehlerkultur haben. Er bedauert, dass „Soft skills leider immer weniger zählen“. Und dass die Autisten in den Unternehmen immer noch und immer stärker auf dem Siegeszug sind. Wie´s kommt? „Autisten haben ihren Job meist bis ins Detail im Griff“, meint Lehne. Darauf könne man sich als Vorgesetzter zwar verlassen. Aber unterm Strich sei es eben doch nicht gut, weil sie ansonsten zu viel anrichten.

 

Weit weg und eher einsam als CEO

Lehne führt gerne, sagt er und dass er bei Google zu den besten People-Managern gehört hat und – zig Zertifikate dafür bekommen hat. Auch wenn er jetzt als CEO eher einsam sei und „weit weg“. Er ist viel unterwegs mit dem Flieger und oft bleibt er auch gleich zuhause und arbeitet im Keller – neudeutsch hochtrabend Home office genannt. Als Stratege in einer Holding sei das gut machbar.

„Ich muss ja nicht präsidial residieren“, findet der Fast-zwei-Meter-Mann mit dem Handy in dunkelbrauner Lederhülle. Der Begriff präsidial wäre mir auch nie in den Sinn gekommen, so wie er mir in seinem braunen Cowboy-Mantel Marke Hacket mit Pellerine und Rucksack über der Schulter entgegen kam. Ich fühlte mich spontan eher an den Dortmunder Tatort-Kommissar Peter Faber erinnert. Er trage meistens englische Mode, die sei immer ein wenig schräg, erzählt er.

 

Lars Lehne im Maruyasu in Düsseeldorf

 

Marathonläufe sind Gelddruck-Maschinen

Dazu passt, dass Lehne schon seit dem siebten Lebensjahr begeisterter Segler ist. Und natürlich Marathon-Läufer, genauer gesagt Halb-Marathon. Seine Idee: Irgendwann möchte er auch mal einen Lauf für Werber organisieren,um Spendengeld einzusammeln. Professionell Marathonläufe zu veranstalten sei wie eine Gelddruckmaschine. Der in New York zum Beispiel sei achtfach überzeichnet, die Teilnehmer müssen ausgelost werden. Das macht es natürlich noch interessanter für die Teilnehmer.

Doch eins ist bei Familienmensch Lehne dann eben doch anders: Wenn er in New York bei dem legendären Marathon läuft, kommt seine ganze Sippe mit – seine Frau Anja und die drei Kinder mit sechs, elf und 14 Jahren -, um ihn anzufeuern.

Und dann sagt er unvermittelt einen Satz, den man kaum vergessen kann, weil man so etwas nur wenige Manager sagen: „Meine Frau Anja und ich, wir sind ohne einander gar nicht denkbar, wir sind ein unzertrennbares Team.“  Manchmal spielen sie sich gegenseitig bis nachts um drei Uhr bei einer halben Flasche Whisky alte Musiktitel vor nach dem Motto „Weißt Du noch dieser…?“ Oder sie schauen TV-Serien an: „Homeland“, „House of Cards“ oder „Ally McBeal“ etwa mit der Gemeinschaftstoilette in der Bostoner Anwaltskanzlei, „die ist wunderbar, die liebe ich“.

 

Flüssige Sonne und Lebenslust

Und schwupps kommt er ins Schwärmen über das Kochen für Freunde zuhause in der großen Küche mit dem Gasherd und dem langen Holztisch mit den vielen verschiedenen Stühlen. Da gibt´s dann am liebsten kalifornischen Chardonnay aus dem Nappa Valley oder Ridge Chardonnay aus Cupertino. „Der ist für mich wie flüssige Sonne, das ist Lebenslust.“ Hauptsache der Chardonnay ist aus dem Golden State.

Bevor er seinen neuen Job bei Syzygy antrat, nutzte er die Monate, um mit Kind und Kegel – wenn auch ohne Izzy – auf große Tour zu gehen von Neu England über die Nationalparks rund um Vegas nach Los Ageles und schließlich nach Malibu. Und um mal in einer Holzhütte in einer Hippiekolonie zu leben. Zwei Wochen lang nur Pelikane und Seehunde zu beobachten und zu kochen. „Es gibt nichts Herrlicheres als morgens früh mit einem Kaffeebecher in der Hängematte zu liegen und die Tierwelt zu beobachten“, sagt Lehne. Als die Hamburger Familie länger als vier Tage blieb, dachten die Alt-Hippies – die sind so zwischen 70 und 80 Jahre alt  und leben vom Hütten-Vermieten, psychologischen Behandlungen, Bilder-Malen und Gitarren-Bauen – schon, sie wolle ganz dableiben.

 

Bürohund Izzy

 

 

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