Ein Teller Sashimi mit Arbeitsrechtlerin Panzer-Heemeier: Am Anfang war´s wie bei Ally McBeal

Das war Ally McBeal pur, wie bei der amerikanischen TV-Serie, schwärmt Andrea Panzer-Heemeier noch heute. Als Clifford Chance sie bei einer Hagener Kanzlei abgeworben hatte für das neue Düsseldorfer Büro. Damals, als die britische Law Firm Ende der 90-er Jahre in Deutschland durchstartete und Panzer-Heemeier zusammen mit einer Handvoll Kollegen und die arbeitsrechtliche Abteilung aufbaute. Zum Beispiel mit dem Schwergewicht Michael Kliemt, der inzwischen eine eigene Kanzlei mit 60 Arbeitsrechtlern hat.

Das waren damals noch Pionierzeiten, eine Super-Arbeitsatmosphäre und frei von Hierarchie-Denke.  Als die Anwälte im Victroia Turm im Düsseldorfer Norden noch Freitagsnachmittags Strwaberry Margaritas tranken. Damals begann der Umbruch einer ganze Branche und der Clifford Chance´s Aufbruch.

 

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Top-Manager ohne Störgefühl

Panzer-Heemeier ist heute Partnerin bei Arqis, hat Mandanten wie Kaisers Tengelmann oder ist beispielsweise bei der arbeitsrechtlichen Beratung im Umgang mit der Belegschaft von VW-Aufsichtsratsche Hans Dieter Pötsch mit im Boot. Inzwischen ist viel passiert, einige Jahre vergangen. Zum Beispiel, wie die Manager begriffen, was Managerhaftung bedeutet – oder eher gesagt, lange Zeit erst nicht:. Die alte Herren der Deutschland-AG bekamen einfach nicht mit, dass sich die Winde gedreht und die Gesetze geändert hatten. „Null Störgefühl“ legten die Top-Manager an den Tag, erinnert sich Panzer-Heemeier.

 

Das Ende der Annehmlichkeiten und Goodies

Wie die Manager weiter das taten, was nun rechtswidrig war – und was ihnen nach jahrelangen Compliance-Diskussionen immer noch nicht klar war: Nämlich dass sich die Top-Entscheider der Unternehmen nicht mehr auf Firmenkosten oder auf Kosten der Lieferanten ihrer Company ihr Eigenheim renovieren lassen dürfen. Einfach mal eben so und ohne Rechnung. Bauchschmerzen hatten die dabei nicht, sagt Panzer-Heemeier. Oder gar strafrechtlichen Beratungsbedarf? Nö, wieso?

„Eine spannende Zeit war`s“, erzählt sie hier im Benkay im japanischen Hotel Nikko auf der Immermannstraße nahe dem Düsseldorfer Hauptbahnhof. Wir sitzen in einer Box, so etwas wie einem Separee: mit einem kleinen Vorhang, der den Kellnerinnen dauernd im Weg ist und können ungestört sprechen. Im Restaurant sitzen nur Asiaten. .
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Und sie wird genauer: „Die alte Garde der Manager hatte nichts von der Kehrtwende mitbekommen.“ Dass die Gerichte den Untreutatbestand plötzlich strikt anwendeten – auf das, was bis dahin noch steuerlich absetzbar war. Für Dinge, die wie selbstverständlich zum Top-Managerdasein dazu gehörten. Dass die Ehefrau natürlich Dienstwagen samt Chauffeur auch selbst nutzen durfte oder dass der Firmenjet die ganze Familie ans Urlaubsziel flog.

 

Warnungen von Anwälten nur Bangemacherei? Mitnichten

Eigentlich unfassbar. Dass sich das Gesetz geändert hatte und dass sie sich strafbar machten, hatten sie einfach nicht realisiert. Erst recht nicht, dass sie mit dem Strafrecht schon längst in Konflikt geraten waren. Jahre hat es gedauert, bis die frühere Deutschland-AG diese Zeitenwende mitbekam. Erst nachdem der Siemens-Korruptions-Skandal passierte. Vielleicht lag es auch daran, dass die Regierung die Kehrwendung der Öffentlichkeit zu wenig kommunizierte und die Warnungen von weitsichtigen Anwälten nicht ernst genommen wurden. Als Bangemacherei.

Einer der bekanntesten Mandante von Panzer-Heemeier ist derzeit der Lebensmittelhändler Kaiser´s Tengelmann mit seiner geplanten Edeka-Fusion. Für den verhandelt die Arqis-Partnerin mit der Gewerkschaft Verdi. Und sie ist überzeugt: „Das wäre eine der wenigen Fusionen, die nicht das Ziel hat, Arbeitsplätze abzubauen.“ Von der Ministererlaubnis für die Fusion war selbst sie überrascht, das bisher war einmalig – und vorbildlos. Das Projekt bleibt erst mal spannend, jetzt hängt es einzig und allein vom Oberlandesgericht Düsseldorf ab, ob die 16.000 Arbeitsplätze doch noch gerettet werden können, sagt sie.

 

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Im Urlaub: Bitte Mails, keine Anrufe

In der Kanzlei führt Panzer-Heemeier ein achtköpfiges Anwälte-Team. Muss sie im Urlaub – den wenigen Tagen im Jahr, die ausschließlich der Family vorbehalten sein sollten – dauernd erreichbar sein? Natürlich. Aber mit einer Einschränkung: Sie will nur schriftlich gestört werden. So wie viele Business-Menschen heute hasst sie Anrufe – und liebt die Freiheit, die E-Mails verschaffen. „Dann habe ich sie schwarz auf weiß, kann sie abarbeiten, wann ich will und ich entscheide auch selbst, wann ich antworte“, sagt sie.

Ihren Einsatzwillen, ihre Stärke und dass sie männlichen Kollegen in nichts nachsteht, hat sie längst unter Beweis gestellt: Fürs ihr erstes Kind legte sie grade mal zehn Wochen Pause ein. Teilzeitarbeit funktioniere eben nicht in Jobs, wo Kunden keinen planbaren Bedarf hätten, umschreibt sie es. Gemeint ist: Wenn der Mandant die Unterstützung braucht, braucht er sie auch sofort und nicht – mehr – in ein paar Wochen erst. Dazu dreht sich alles zu schnell, hat das Tempo im Businessleben viel zu sehr angezogen.

 

Firmenkunden können nicht auf Arbeitszeiten von Teilzeitkräften warten

Das gilt nicht nur für die M&A-Anwälte, sondern ebenso für Arbeitsrechtler wie sie, wenn ganz akut ein Deal  läuft. Dann kann man keinem Mandanten erzählen, ich arbeite nur Dienstags und Donnerstags und auch nur bis 17 Uhr oder so. Das würde keinen Firmenkunden interessieren. Und dazu ist auch der Wettbewerb der Kanzleien untereinander viel zu hart, als dass sie wichtige Firmen-Klienten warten lassen könnten.

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Wenn sich das Arbeitsrecht gegen junge Mütter auswirkt

Panzer-Heemeier erzählt, dass der arbeitsrechtliche Schutz für junge Mütter im Job sich heute ins Gegenteil verkehrt: Wer zu lange aussteigt, der kann nicht mehr zurückkehren. Der hat nicht nur den Anschluss verpasst. Meist scheuen Frauen den Stress mit dem täglichen Kampf mit den Ellenbogen gegen die Konkurrenz – und geben lieber gleich auf, Das kann nicht angehen.Andrea Panzer-Heemeier bekommt bald ihr zweites Kind und wird ebenso wenig kürzer treten wie schon beim ersten, sagt sie.

Da hält sie es mit der Autorin Katja Kessler: Frauen mit Kindern müssen durch den Flaschenhals durch und sich 15 harte Jahre antun. Mit vollem Job und Kinderaufzucht. Sicherheitshalber, der eigenen Unabhängigkeit zuliebe und nachdem das geänderte Scheidungsrecht keine andere Möglichkeit mehr lässt.

Oder mit Sheryl Sandberg: Dass berufstätige Frauen mit Familie und Kindern vor allem den richtigen Mann an ihrer Seite brauchen.

 

Reaktion von Frauen aufs Scheidungsrecht: Das letzte Gehalt zusichern lassen

Verblüfft war die Anwältin dann aber doch auf einem privaten Meeting von acht Kolleginnen: drei von denen hatten das neue Scheidungsrecht fest im Visier und ihren eigenen Schlachtplan durchgezogen: sie hatten sich im Ehevertrag von ihrem Mann für den Fall einer Trennung monatliche Bezüge in Höhe ihren letzten eigenen Gehalts zusichern lassen. Lebenslänglich und per notariellem Vertrag. Ganz schön clever.

 

Katja Kesslers Buchauszug aus „Das muss Liebe sein – 54 1/2 Pflegetipps für die glückliche Ehe“im Management-Blog:

http://blog.wiwo.de/management/2016/07/05/buchauszug-katja-kessler-das-muss-liebe-sein-warum-frauen-trotz-kindern-dringend-im-job-bleiben-muessen/#more-661745

 

 

 

 

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