DAX30-Aufsichtsräte formal: Siemens hat den besten Mix im Kontrollgremium

 

Siemens hat den besten Aufsichtsrat unter den DAX30-Unternehmen laut der US-Personalberatung Russel Reynolds. Der Münchner Technologiekonzern löst damit die Deutsche Bank bei dieser Untersuchung ab, die im Vorjahr am besten abgeschnitten hatte – trotz der insgesamt schwierigen Lage des Finanzdienstleisters.

Die Studie vergibt für den Siemens-Aufsichtsrat die Schulnote 1,6, der Deutschen Bank eine 1,9 ebenso wie Adidas und Daimler. Den größten Sprung von Platz 27 auf Rang fünf machte Eon und bekam eine 2,1 (Vorjahresvergleich: 3,0). Das Schlusslicht ist HeidelbergCement mit einer 3,1 (Vorjahresvergleich 3,0).

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Russel Reynolds untersucht jährlich die Veränderungen in den DAX30-Aufsichtsräten lediglich im Hinblick auf ihre Zusammensetzung und ihre formale Qualität: Gewertet werden die biographischen Angaben der Aufsichtsräte ebenso wie die Kriterien geschäftsrelevante Erfahrung, die Zahl der Mandate, Diversität – Ausländer- und Frauenanteil – sowie ihre Digitalkompetenz.
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Frauenquote in erreichbarer Nähe
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Lob gibt von Russel Reynolds es in puncto Frauenquote: Insgesamt haben die DAX30-Konzerne ihre Hausaufgaben bei den Aufsichtsrätinnen so langsam erledigt und nähern sich der 30-Prozent-Quote der gesetzlichen Frauenquote, resümiert Russel-Reynolds-Berater Jens-Thomas Pietralla: 29 Prozent haben sie inzwischen geschafft und damit eine Steigerung von fünf Prozentpunkten (Vorjahresvergleich: 24 Prozent). Allerdings fielen Adidas und Henekl – die die Frauenquote bereits im Vorjahr erreicht hatten – wieder auf 25 Prozent, das Schlusslicht bildet HeidelbergCement mit 17 Prozent Frauenanteil bei den Aufsichtsratsposten auf der Kapitalseite.

Jens-Thomas Pietrallam Russell Reynolds

Jens-Thomas Pietralla, Russell Reynolds

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Schlechter sieht es beim Erfüllen der Frauenquote im operativem Geschäft aus, dies sei für die Unternehmen ein dickeres Brett, sagt Pietralla: In den Vorständen und den ersten zwei Führungsebenen darunter fehlen bis 2017 insgesamt 232 Frauen, so der Personalexperte. Im Klartext: Top-Manager-Headhunter sehen gefüllten Auftragsbüchern entgegen.
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Headhunter rechnen mit Aufträgen für die Suche nach Aufsichtsräten
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Das gilt auch für die Aufsichtsräte: Der Personalprofi rechnet in den nächsten beiden Jahren mit jeweils 100 Neubesetzungen wegen auslaufender Verträge plus Neubesetzungen wegen Todesfällen, freiwilligen Mandatsaufgaben und Aufstockungen von Aufsichtsräten.
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Die größte Ausländergruppe sind die Österreicher – was kaum viel bringen dürfte für Auslandsexpansionen
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Da Russell Reynolds die Höhe des Anteils von Ausländern im Aufsichtsrat als Qualitätskriterium und ein großes Plus fürs Unternehmen bewertet, bekommen Fresenius Medical Care mit 67 Prozent, VW und Deutsche Bank mit jeweils 60 Prozent und die Deutsche Börse mit 50 Prozent in dem Punkt das größte Lob. Insgesamt kommen die Konzerne auf 27 Prozent ausländischer Aufsichtsräte, von denen kommen aber die meisten aus Österreich (17), den USA (12) und der Schweiz (7). Ihnen folgen die Franzosen mit sechs Mandaten – was keine umwerfend große Zahl ist in Anbetracht der Tatsache, dass Frankreich der größte Handelspartner Deutschlands ist.
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Können Aufsichträte Digitalstrategien beurteilen? Die meisten nicht
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Kritik gibt es von Russell Reynolds an der Digitalkompetenz der Unternehmensaufseher. Nur in 27 Prozent der Aufsichtsräte säße mindestens einer mit ausgewiesener Digitalkompetenz. Im Klartext: Die meisten Aufsichtsräte haben nicht die Fachkompetenz, um die Digitalstrategien ihrer Vorstände beurteilen zu können. Es ist schließlich ein Unterschied, ob jemand das E-Mailen und Whats-appen beherrscht oder ob er die Offenheit und Bereitschaft hat, jahrelange erfolgreiche Geschäftsmodelle komplett in Frage zu stellen. Oder zu hinterfragen, ob die Cyber Security genüge. Laut Pietralla sind die Amerikaner den Europäern in dem Punkt haushoch überlegen.
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Der Durchschnitts-Aufsichtsrat ist 62, die -Aufsichtsrätin 56 Jahre alt
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Der typische DAX30-Aufsichtsrat ist nach der Russell-Reynolds-Untersuchung 62 Jahre alt, die typische DAX30-Aufsichtsrätin dagegen erst 56 Jahre. Die langjährigsten Aufsichtsräte sitzen bei SAP mit zehn Jahren Beratertätigkeit im obersten Kontrollgremium, bei BMW und Fresenius Medical Care mit neun Jahren. Die kürzeste Beratertätigkeit haben demgegenüber die Aufsichtsräte von ProSiebenSat1, Vonovia und RWE mit durchschnittlich weniger als drei Jahren.
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Bei Siemens kassieren Aufsichtsräte am meisten: 316.000 Euro im Jahr
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Die höchsten Aufsichtsratshonorare – Personalberater veranschlagen für einfache Vorstände rund vier Wochen Arbeit im Jahr, für Aufsichtsratsvorsitzende sechs Wochen Arbeit im Jahr – erhalten von ihren Konzernen im Schnitt 316.000 Euro Honorar im Jahr. Besonders abgerutscht sind die VW-Aufsichtsräte, die im Vorjahr noch 489.000  Euro bekamen, jetzt aber nur noch 35.000 Euro im Jahr. Sie hatten laut Russel Reynolds einen „außergewöhnlich hohen Anteil variabler Vergütung“ vereinbart.
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Deutschland-AG passé? Achleitner, Diekmann, Kargermann mit je vier Mandaten
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Drei Aufsichtsräte – Paul Achleitner, Michael Diekmann und Henning Kargermann – haben jeder vier Aufsichtsratsmadate alleine im DAX30 inne. Von den Frauen haben aber auch bereits fünf Aufsichtsrätinnen mindestens zwei DAX30-Mandate: Ann-Kristin Achleitner, Renate Köcher, Sari Baldauf, Simone Bagel-Trah und Simone Menne. „Doch insgesamt ist die Deutschland-AG mit ihren strukturellen und finanziellen Verflechtungen der Konzerne untereinander Geschichte“, glaubt Jens-Thomas Pietralla.
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DAX 30-Aufsichtsratsstudie 2016
Unternehmen Ranking 2016 Veränderung zu 2015 Ranking 2015 Alter/ Amtsdauer Diversity (Geschlecht/ Staatsangehörigkeit) Erfahrung Mandate
Siemens 1 +1 2 1 1.5 1 3
Deutsche Bank 2 -1 1 1.5 2 2 2
Adidas 3 +1 4 1.5 2.5 2 2
Daimler 3 +10 13 2.5 1.5 1 3
Commerzbank 5 +1 6 2.5 2 2 2
Continental 5 +8 13 1.5 3 1 3
E.ON 5 +22 27 3 1.5 1 3
ProSiebenSAT1 5 n.a. 3.5 2 1 2
SAP 5 +13 18 2 2.5 1 3
Bayer 10 +15 25 2 2 3 2
Deutsche Lufthansa 10 +8 18 2 3 1 3
Deutsche Post 10 +3 13 2 2 2 3
Henkel 10 -7 3 1 3 2 3
Vonovia 10 n.a. 3 3 1 2
Allianz 15 -5 10 2.5 3 1 3
Deutsche Telekom 15 -5 10 2.5 2 2 3
Fresenius Medical Care 15 +12 27 3 2.5 1 3
Infineon Technologies 15 -2 13 2 3.5 1 3
Munich Re 15 -9 6 3.5 2 1 3
Volkswagen 15 -3 12 2 2.5 3 2
Deutsche Boerse 21 +1 22 2 1.5 3 4
Merck 21 -15 6 2 3.5 3 2
Beiersdorf 23 -19 4 2.5 2.5 4 2
BMW 23 -17 6 2.5 2.5 3 3
Fresenius SE 23 +7 30 2 4 2 3
Linde 23 +3 26 3 4 1 3
BASF 27 -5 22 3.5 3 2 3
ThyssenKrupp 27 -5 22 1.5 3 4 3
RWE 29 -2 27 2.5 2.5 4 3
HeidelbergCement 30 -8 22 2.5 4 3 3
Quelle: Russell Reynolds 2016

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