TV-Tipp CNN: Business-Traveller Richard Quest mit Billig-Fluggesellschaften einmal um die ganze Welt (1)

Zehn Airlines, neun Länder, acht Tage… Eine Reise um die Welt mit CNN-Anchorman Richard Quest (1)

Von Richard Quest, CNN International Business Correspondent und Moderator von Quest Means Business und Business Traveller
(Fotos: CNN International)
 
Richard Quest Brooklyn Bridge

Richard Quest auf der Brooklyn Bridge

Luftfahrt zu Schleuderpreisen in Low Cost Carriers (LCC)

Neulich habe ich einen Auftrag von CNN bekommen, der folgendermaßen lautete: Die gute Nachricht – Du wirst Dich auf eine Reise um die ganze Welt begeben. Die schlechte Nachricht – Du wirst dabei ausschließlich mit Billig-Fluggesellschaften fliegen. Dies war die Herausforderung, mit der wir uns konfrontiert sahen, als wir uns aufmachten, die Welt der Luftfahrt zu Schleuderpreisen zu erkunden.Das Wachstum der Billig-Fluggesellschaften, oder Low Cost Carriers (LCC), ist ein Phänomen der Luftfahrtbranche. In einem Sektor, in dem sich bei den großen Fluggesellschaften kaum etwas in schnellem Tempo verändert, gibt es ein wenig widerwillig immer mehr den Konsens, dass Fluglinien wie EasyJet oder Ryanair mittlerweile vor Kraft strotzende Player sind, mit denen man zu rechnen hat. Diese Airlines haben die größten Kurzstrecken-Netzwerke aller Gesellschaften. In den meisten Fällen operieren sie in Bezug auf Gewinn pro Aktie deutlich profitabler als ihre älteren, größeren und dabei schwerfälligen Konkurrenten. Ryanair alleine hat im Jahr 2015 mehr Passagiere befördert als die Holdinggesellschaft IAG, der etwa British Airways, Iberia, Aer Lingus und Vueling gehören.

Billigflieger oft die einzige Alternative

Während die meisten von uns schon einmal einen Billigflug gebucht haben, um uns im Urlaub die Sonne auf den Leib scheinen zu lassen, ist der Mittelmeerraum nicht mehr länger der einzige Bereich, in dem die Billigflieger das Rückgrat der Luftfahrt darstellen. Heute sind LCCs auch oftmals der einfachste Weg, von der einen Geschäftsdestination zur nächsten zu gelangen. Versuchen Sie einmal, im Flugzeug von London nach Vilnius zu kommen: nur Ryanair oder Wizz fliegen diese Strecke nonstop. Von Leeds nach Krakau? Auch hier ist Ryanair die einzige Möglichkeit ohne Zwischenstopp – und der Flugpreis liegt bei unter 35 Pfund. Von Bristol nach Genf? Die Antwort: EasyJet (nonstop, mehrmals täglich, zum halben Preis der ‚anderen‘“ Airlines, welche obendrein noch nicht einmal direkt fliegen).

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Unkomfortabel, unfreundlich, unflexibel?
Doch trotzdem trifft man die meisten Entscheidungen, mit einem Billigflieger zu reisen schweren Herzens. Wir verstehen natürlich, dass es Sinn macht, und doch wünschten wir, all dies möge doch bloß nicht so unkomfortabel, so unfreundlich und so unflexibel im Falle eines Fehlers unsererseits sein. Selbst das Atmen von zu viel Luft im Fluggastraum kann sich anfühlen, als könne es zu zusätzlichen Kosten führen – und da hat man dann noch nicht einmal daran gedacht, Golfschläger oder ein Paar Ski in den Laderaum zu packen.

Vielleicht ist es nur blanker Snobismus, doch auf die eine oder die andere Weise hat man ja doch stets den nie verschwindenden Wunsch, auf irgendeine andere Weise zu reisen. Mit diesem Widerspruch im Kopf machten wir uns also auf, herauszufinden, wie sich das LCC-Phänomen weltweit ausgebreitet hat. Wir wollten darüber hinaus auch sehen, wie sich diese Fluggesellschaften in anderen Teilen der Erde entfaltet haben.

Zunächst einige Worte zum Begriff ‚Billig-Fluggesellschaft‘. Entgegen dem Glauben der Passagiere bezieht sich der Begriff ‚billig‘ hier nicht auf den Flugpreis, den sie zu bezahlen haben. Es steht dafür, dass die Kosten der Airline niedrig sind. Dieser Umstand wird durch das Befolgen einiger grundlegender Prinzipien erreicht: die Unternehmen betreiben Flugzeug-Flotten, die lediglich einen einzigen Maschinentypen umfassen, meist handelt es sich dabei um den Airbus 320 oder die Boeing 737. Sie fliegen diese Maschinen konstant und erreichen auf diese Weise eine hohe Auslastungsrate. Die Crew setzt sich meist aus Mitarbeitern zusammen, die schlechter dotierte Verträge haben als jene, die bei den traditionellen Airlines arbeiten. Zudem trifft man die Crew auf dem Hin- sowie auch auf dem Rückflug an und sie reinigt den Fluggastraum etwa beim schnellen Wenden, wodurch kostenintensive Übernachtungen in Hotels vermieden werden.

Nebeneinnahmen sorgen für 25 Prozent vom Umsatz

Schließlich, und das versteht sich von selbst, konzentrieren sich die Fluggesellschaften auf Erträge aus Nebeneinnahmen: Passagiere zahlen extra für alles, vom Unterbringen einer Tasche im Stauraum, über die Auswahl eines Platzes mit mehr Beinfreiheit in der Notausgangsreihe, bis hin zur separaten Zahlung der Verpflegung. LCCs machen 25 Prozent ihres Umsatzes durch das Anbieten solcher ‚Extras‘.

Wir haben bei unserer Reise vier fundamentale Regeln befolgt: wir mussten am selben Flughafen wieder ankommen, von dem aus wir gestartet waren (London Gatwick). Wir mussten uns stets in die gleiche Richtung, also gen Osten, bewegen – keine Um- oder Rückwege. Wir mussten sowohl den Pazifik als auch den Atlantik einmal überqueren. Und: keine Premium-Plätze. Es war uns nicht einmal gestattet, die Annehmlichkeit zusätzlicher Beinfreiheit durch Plätze in der Notausgangsreihe zu genießen.

Es war unmöglich, all die verschiedenen LCCs zu testen, daher mussten wir eine Auswahl vornehmen und jene aussuchen, die sich entweder streng an die Vorgaben halten oder eben vom gängigen Schema abweichen. Zum Beispiel kann man in einer Analyse der LCCs auf keinen Fall EasyJet, mit dem wir von London nach Brüssel flogen, oder auch Ryanair (von Brüssel nach Prag) ignorieren. Beide, wenn auch auf verschiedene Weisen, illustrieren das Erlebnis eines Billigfluges perfekt – sie bieten Basisleistungen, die man gegen einen Aufpreis ausweiten kann. Die beiden Airlines bewegen sich außerdem immer mehr auf Business-Reisende zu, etwa durch größere Flexibilität bei Umbuchungen, die Erlaubnis zum Mitführen einer Tasche im Stauraum oder sogar das Wiedereinführen eines im Preis inbegriffenen Kaffees. All das für einen höheren Ticketpreis.

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Unser Weg führte uns mit zehn Fluggesellschaften in acht Tagen durch neun Länder. Oftmals flogen wir die Nacht durch, was bedeutete, dass wir im Flugzeug schliefen und dann tagsüber drehten. Diese Erfahrung war zum Teil sehr brutal und im wahrsten Sinne des Wortes schmerzhaft. Wir verließen Schardscha in den Vereinten Arabischen Emiraten beispielsweise am Montagabend und landeten am frühen Dienstagmorgen in Colombo, Sri Lanka. Danach drehten wir den ganzen Tag, um dann am späten Abend in Richtung Kuala Lumpur zu fliegen, wo wir am Mittwoch um sieben Uhr morgens landeten, den ganzen Vormittag drehten und dann um die Mittagszeit eine Maschine nach Singapur bestiegen, wo wir schließlich am Nachmittag ankamen. Dort verbrachten wir dann den restlichen Mittwoch mit Dreharbeiten. Von Singapur brachen wir in einem Nachtflug nach Sydney auf, das wir am Donnerstagnachmittag erreichten. Wann immer möglich, mied ich den Blick in den Spiegel.

Die Langstrecken-Billigflieger

 

LCCs halten sich generell strikt an das Niedrigpreis-Mantra: Tu nichts, was die Kosten der Airline erhöht, sofern der Passagier nicht dafür bezahlt. Es gab hier jedoch einige interessante Ausnahmen. Mehr als fünf Stunden lang flogen wir mit FlyDubai von Prag nach Dubai. Im Rahmen dieses Fluges servierte man uns eine kostenlose Mahlzeit – was für eine eklatante Missachtung der Niedrigpreis-Bibel!

Dann gab es da auch Langstrecken-Billigflieger wie Scoot und Norwegian. Die gängige Meinung besagt, dass LCCs angesichts der zusätzlichen Kosten bei Flügen von mehr als sechs Stunden keine Langstreckenflüge anbieten können. Doch diese Fluglinien nutzen neue, kraftstoffeffizientere Flugzeuge wie etwa den Dreamliner 787, um Flüge von acht Stunden oder mehr unter dem Deckmantel des Billigflug-Segments abwickeln zu können. Norwegian baut die Anzahl seiner Flüge aus Großbritannien in rapidem Tempo aus und macht mittlerweile auch den Schritt nach Los Angeles oder Boston. Angesichts von vierzig bestellten Dreamlinern lässt das Unternehmen keinerlei Zweifel an der Natur seiner Ambitionen.

 

Gesellschaften wie Scoot, Jetstar und Norwegian haben außerdem Business Class-Bereiche eingeführt – ein weiteres No-Go des traditionellen Ein-Klassen-Modells. Manche trennen die Business Class sogar durch Vorhänge vom gemeinen Volk. Durch ihre Nähe zum Premium-Economy-Konzept, bedeuten solche Business Class-Bereiche eine radikale Abweichung vom Standard der Billigflieger. Die Fluggesellschaften rechtfertigen solche Schritte damit, dass einige Passagiere für einen besseren Platz durchaus auch mehr bezahlen. Da die Maschinen nur selten komplett voll sind, verliert man durch das Reservieren einiger Reihen für das Premium-Produkt daher kaum etwas.

 

Dame Carolyn McCall, CEO von EasyJet, gab mir zu verstehen, dass ihre Airline niemals einen gesonderten Bereich für die Business Class anbieten würde. Es sei jedoch durchaus der Fall, dass man Produkte entwickle, um Geschäftsreisende anzulocken und sie zu einem etwas höheren Preis zufriedenzustellen.

Zerbrochene Kartoffelchips und Verpackungsmaterial auf dem Boden

Während einige LCCs in einer so wechselhaften Atmosphäre einigen Firlefanz in den Preis integrieren, reduzieren andere ihre Leistungen noch weiter und werden so zu Ultra-Billigfliegern. Wir flogen etwa mit Allegiant von Honolulu nach Los Angeles. Die Crew war wunderbar charmant, doch das Flugzeug kann man lediglich mit dem Wort ‚alt‘ umschreiben. Es war seit 24 Jahren in der Luft. Ich fand darin sogar eine Frischhaltebox des vorherigen Besitzers Britannia Airways, der schon vor einer Dekade aufgehört hat, unter diesem Namen zu fliegen. Das Flugzeug war darüber hinaus während der kurzen Wendezeit in Honolulu nicht ordentlich gereinigt worden. Es ist ein wenig viel verlangt, die Passagiere fünf Stunden lang zwischen zerbrochenen Kartoffelchips und zu Boden geworfenem Verpackungsmaterial der vorherigen Fluggäste sitzen zu lassen. Allegiant ist in einem solchen Maß Ultra-Billigfluggesellschaft, dass sie an Bord nicht einmal warme Getränke anbietet, vermutlich, um schlicht die Ausgaben für Kaffeemaschinen und Zutaten einzusparen.

 

Was wir im Laufe unserer Flüge festgestellt haben, ist, dass die LCCs, obwohl sie viele gemeinsame Features teilen, weit von einheitlichen Standards entfernt sind. Einige, etwa EasyJet, AirAsia oder Air Arabiya, bleiben eng am Originalmodell und wagen nur selten experimentellere Schritte, bevor sie sich nicht sicher sind, dass die Neuerung auch wirklich funktioniert. Andere, zum Beispiel JetBlue, setzen eindeutig darauf, besseren Kundenservice anzubieten. Die New Yorker Airline bietet kostenlos Wi-Fi und Fernsehen, stellt bei Flügen durch Amerika Business-Schlafsitze zur Verfügung und bietet sogar eine Speisekammer, in der Business-Passagiere kostenlose Kekse und Softdrinks bekommen können. Selbstverständlich kann man argumentieren, dass JetBlue angesichts solcher Annehmlichkeiten keine wirkliche Billig-Fluggesellschaft mehr ist, doch CAPA, die Bibel für solche Belange, stuft die New Yorker noch immer als solche Billigflieger ein.

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Längere Billigflüge angenehmer machen

Wir haben im Laufe der Zeit auch einige Tricks entdeckt, die längere Billigflüge ein wenig angenehmer machen. Zunächst: falls Sie mit einer zweiten Person reisen oder einfach mehr Platz haben möchten, sollten Sie in Betracht ziehen, einen zusätzlichen Platz zu buchen, sodass der Sitz neben Ihnen frei bleibt. Alle wichtigen Billig-Fluggesellschaften erlauben dies. Zweitens: sehen Sie nach, ob es einige leere Reihen (unwahrscheinlich) gibt, bevor Sie das Flugzeug besteigen, und nehmen Sie gegebenenfalls in einer solchen Platz. Schließlich: seien Sie kein Geizkragen. Wenn es nicht allzu viel mehr kostet, auf einen der Plätze mit mehr Beinfreiheit oder weiter vorne umzubuchen, zahlen Sie einfach den Aufschlag. Erstehen Sie an Bord das Annehmlichkeiten-Paket und eine Decke, oder prassen Sie ein wenig und genehmigen Sie sich einen Film. Ihre Reise wird gleich sehr viel angenehmer sein.

Die Wahrheit ist, dass der Unterschied zwischen dem Reisen mit Billigfliegern und den Flügen in der Economy-Klasse der Traditionsfluglinien wie BA, Lufthansa oder Air France gegen Null tendiert. Eine ordentliche, gut geführte Billig-Fluggesellschaft mit einer freundlichen Kabinencrew, die gegen Aufpreise Mahlzeiten serviert, ist deutlich besser als einige unliebsame Erlebnisse, die man unter Umständen mit Flugbegleitern machen muss, die den Economy-Passagieren missmutig ein hartes Brötchen servieren. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass niedrige Kosten nicht automatisch niedrige Erwartungen bedeuten müssen.

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Hier geht’s zum CNN-Artikel: http://cnn.it/1qUuyoX

Videos:
Teil 1:
Link: http://cnn.it/1NcvWgh

Teil 2:
Link: http://cnn.it/1NsdY4dTeil 3:
Link: http://cnn.it/1Nse6k7

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Alle Kommentare [2]

  1. Hallo zusammen,

    danke für den tollen Artikel. Mich würde interessieren wer denn park and fly von den Billiganbietern anbietet? Für mich als Vielflieger ist das einen wichtige Info. Vielen Dank