Frank Behrendts Hommage an TV-King Raab: „Come back, Stefan“ ruft ihm der FischerAppelt-Chef zu

Frank Behrendt – Stamm-Gastautor im Management-Blog – vermisst Stefan Raab schon jetzt. Und nicht nur er. Hier seine Liebeserklärung an den Entertainer.

 

 

Frank Behrendt, Vorstand der Kommunikationsagentur FischerAppelt

Frank Behrendt, Vorstand der Kommunikationsagentur FischerAppelt

 

 

Neue Zeitrechnung: Das TV-Jahr-Eins nach Raab

 

„Frohes Neues“ schallt es einem noch überall entgegen. Ob es selbiges im Bereich der TV-Unterhaltung geben wird, muss sich erst noch zeigen. Denn da beginnt das Jahr Eins – nach Stefan Raab. Der Großmeister der TV-Events hat Ende 2015 abgedankt. http://tvtotal.prosieben.de/

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Das unersetzbare Multitalent

Und eines ist klar: Er wird nicht zu ersetzen sein, denn Raab ist ein Multitalent, das es nicht an jeder Ecke gibt. Nicht mal auf Youtube, wo sich täglich neue Nasen ins Netz stellen, auf der Suche nach dem großen Durchbruch.

 

 

Anwälte lebten gut von ihm 

Ich habe den jungen Raab Mitte der 90-er noch sehr genau vor Augen. Mit wilden Cowboystiefeln, Flickenjeans und Ukulele unterm Arm saß er im Studio des damals jungen Musiksenders VIVA und fabrizierte abgefahrenen Nonsens am Fließband. Er trieb es bunt im TV manchmal auch eine Spur zu bunt. Auch später bei „TV total“ haute er mal den einen oder anderen raus, den er sich besser hätte sparen sollen, aber so mancher Anwalt lebte gut von ihm. So war er eben der Stefan Raab, immer hart an der Grenze, aber immer extrem kreativ.

 

 

Der „Raab der Woche“

Manche abgefahrenen Texte seiner „Raabigramme“, habe ich bis heute nicht vergessen. Zum Beispiel das für die Klitschkos: „Könnt ihr dem Dieter Bohlen, mal gepflegt den Arsch versohlen…“ und ähnliche Späßchen. Da wurde der „Raab der Woche verliehen“, sein kongenialer Side-Kick und „Show-Praktikant“ Elton schreckte ahnungslose ältere Damen beim legendären „Bimmel Bingo“ aus dem Bett und riskierte so manche Tracht Prügel. Ich erinnere mich, dass meine Frau und ich uns darüber jedes Mal köstlich amüsiert haben.

 

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Der „Puller-Alarm“ für die unterirdischen Szenen

Schräg war auch der „Puller Alarm“, der mit Lichtsignalen und Sirenen vor besonders unterirdischen Szenen warnte. Auslöser war seinerzeit Ingo Dubinski, der bei einer Reportage in der Sauna aus Versehen seine Männlichkeit entblößte.

Raab fand die witzigsten und oftmals auch peinlichsten TV-Schnipsel und nutzte diese für seine Pointen. Dabei  hatte Raab daran selbst einen derart diebischen Spaß, dass allein sein Lachen über das Best-of aus TV-Absurdistan vielen Zuschauern die Tränen in die Augen trieben.

 

WM: Im Wok durch den Eiskanal kacheln

Raab erfand TV-Events neu – es gab nichts, woraus er nicht eine sensationelle TV-Show machen konnte. Vor allem die jungen Zuschauer waren vom Meister begeistert. Eine Wok-WM – da muss man erst mal drauf kommen – bei der Menschen anstatt mit Bobs auf einem Wok durch den Eiskanal kachelten und jeder irgendwie den Hackl-Schorsch geben konnte. Turmspringen, Stock-Car-Challenge, Pokern, Boxen, Bowling – Stefan Raab hatte immer eine gute Nase für das was zog und inszenierte es stets perfekt.

 

 

„Wadde hadde dudde da“

Und wenn wir uns heute an die besseren Zeiten des europäischen Songcontests „Grand Prix d`Eurovision“ erinnern, dann erinnern wir uns auch an Stefan Raab. Zum Beispiel wie er zur Jahrtausendwende im schrillen Outfit „Wadde hadde dudde da“ schmetterte und sogar den 5. Platz belegte. Nicht zu vergessen, wie er aus Lena Meyer-Landrut – trotz dieses Zungenbrecher-Namens – einen Star machte oder musikalische Könner wie Max Mutzke aus der Versenkung heraus förderte und groß raus brachte.

 

 

Der Fighter mit dem unbändigen Ehrgeiz

Sein Spätwerk „Schlag den Raab“ war ein Kampf gegen sich selbst. Denn immer wieder zeigte der King der TV-Unterhaltung, dass er ein absoluter Fighter war und ist. Ihn zu besiegen war hart und in den „Spielen“ zeigte sich sein unbändiger Ehrgeiz. Da sah selbst mancher Olympiasieger alt aus. Raab hat es allen gezeigt und schaffte es bis ganz nach oben im TV-Business. Und es zeugt von Weisheit und Cleverness, dass er ging, als es noch ein großes Jammern und Klagen über den Verlust gab. Bei anderen TV-Größen war man irgendwann froh, als sie weg waren. Raab hat beim selbst gewählten Abschied alle überrascht und ist sich auch hier treu geblieben.

 

Klar gibt’s diverse neue Typen, die in seine Fußstapfen treten könnten. Joko und Klaas oder Jan Böhmermann – die jungen Wilden der Unterhaltungszunft, die vor allem auch bei den heißbegehrten jungen Zielgruppen der TV-Sender ein hohes Ansehen genießen. Aber an einen Raab reichen sie (noch) nicht heran.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der große Zampano Stefan Raab künftig nichts macht oder weitere Dinge erfindet wie Duschköpfe für die Damenwelt, bei denen die Haare nicht nass werden. So was macht er allenfalls nebenher, ein Multitalent hat eben immer was im Kopf. Und selbigen wird er nicht abschalten. Nachdem er ihm eine verdiente Pause gegönnt hat, wird er weiterdenken – hoffentlich fürs Fernsehen. Denn da können wir einen kreativ Hochbegabtenwie ihn auch weiter sehr gut gebrauchen, denn zu lachen werden wir im realen Leben mit Sicherheit künftig nicht unbedingt mehr haben. Da wäre ein bisschen Spaß on top im Fernsehen powered by Stefan Raab – auch wenn er dann mehr hinter der Bühne als auf ihr wirkt – eine wunderbare Perspektive.

Daher mein Wunsch zum nächsten Neujahr 2017: Come back Stefan!

 

 

 

Und dies ist nicht Stefan Raab, sondern Frank Behrendt, der auch gerne selbst mal als Entertainer auftritt – aber nur privat und für Freunde:

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