Korruption: Jedes dritte Unternehmen geht gegen die eigenen Mitarbeiter vor – EY-Studie

 

Korruption: Jedes dritte Unternehmen geht gegen eigene Mitarbeiter vor. Eine Studie von EY zeigt, wie es deutsche Manager denn tatsächlich mit der Compliance halten.

 

Meinen die Unternehmen es ernst oder läuft es eher nach der Methode Feigenblatt? Zumindest bei den Top-Managern ist die Nachricht angekommen, dass es ihre eigene Karriere im Handumdrehen beenden kann, wenn sie Themen wie Schmiergelder, Bestechung, Bilanzfälschung und dergleichen geflissentlich übersehen. So, wie es noch bis vor wenigen Jahren üblich war und eher als Kavaliersdelikt galt. Heute riskiert das Top-Management den Vorwurf des sogenannten Organisationsverschuldens – wenn es nicht vorbringen kann, dass es alles für die Compliance unternommen hat:   Antikorruptionsrichtlinien, regelmäßige Mitarbeiterschulungen und Hinweisgebersysteme wie Whistleblower-Hotlines und dergleichen gehören deshalb bei den Konzernen inzwischen zum Alltag, im Mittelstand kommt das Thema erst nach und nach an. http://www.wiwo.de/erfolg/management/whistleblower-in-unternehmen-hier-ist-petzen-ausdruecklich-erwuenscht/10280772.html

 

 

37 Prozent gingen gegen eigene Mitarbeiter vor

Immerhin gingen in den vergangenen zwei Jahren bereits 37 Prozent der deutschen Unternehmen gegen die eigenen Mitarbeiter vor, die die Antikorruptionsrichtlinie verletzt haben – 2013 lag diese Zahl bei 32 Prozent, 2011 erst bei 20 Prozent. Erforscht hat dies das Beratungsunternehmen EY (ehemals Ernst & Young) in einer internationalen Studie für die die Entscheider in 3800 Unternehmen in 38 Ländern befragt wurden. In Deutschland zählten 100 Finanzvorstände, Chefs von Rechts- und Revisionsabteilungen und Compliance-Manager zu den Befragten.

 

Stefan Heissner, EY

Stefan Heißner, EY

Trotz dieses Positivtrends: In Sachen Compliance – also dem Einhalten von Gesetzen und Richtlinien – klaffen Anspruch und Wirklichkeit hierzulande noch auseinander, sagt Stefan Heißner, Chef der Abteilung Fraud Investigation & Dispute Services bei EY. Auch wenn die vielen Korruptionsskandale zu einem Umdenken in den Unternehmen geführt haben.

66 Prozent der Unternehmen haben Antikorruptionsregeln

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Zwar ist die Zahl der Unternehmen mit eigenen Antikorruptionsrichtlinien seit 2013 um fünf, seit 2011 sogar um 16 Prozentpunkte auf 66 Prozent gestiegen. Doch 26 Prozent der Manager in Deutschland sind überzeugt davon, dass Korruption weit verbreitet ist. Jedoch: Dieses Ergebnis war vor zwei Jahren mit 30 Prozent und mit 46 Prozent vor vier Jahren laut Vergleichsstudien von EY deutlich höher. Die saubersten Länder sind dagegen laut EY-Umfrage Dänemark, Schweden, Finnland und die Schweiz.

 

Manager empfingen Gesetze und Vorschriften als Belästigung

Doch trotz besserer Compliance-Kultur werden die Regeln weiter gebrochen, denn die Eingriffe von Gesetzgeber und Behörden empfinden sie vor allem als Belastung (59 Prozent). Würde das Unternehmen in eine Notlage geraten, würden zwölf Prozent der Manager auch zu Bestechungen durch sogenannte Unterhaltungsdienstleistungen greifen. Elf Prozent würden mit Bargeld bei der Akquise nachhelfen – dazu waren vor zwei Jahren weniger bereit (sieben Prozent). Das Fälschen von Bilanzergebnissen kommt dagegen nur für zwei Prozent in Frage.

 

Manager unter Erfolgsdruck

Auf mehr als jedem zweiten Manager lastet – so EY-Experte Heißner – der ständige Druck, neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen (57 Prozent), so dass sie unsaubere Methoden als Ultima Ratio, als letztes Mittel, ansehen. 28 Prozent der befragten beklagen den Druck, in risikoreichere Märkte expandieren zu müssen – was ebenso dazu verleiten kann.

 

Bilanzen schönen ist verbreitet

Die Umfrageergebnisse weiter: Mehr als ein Drittel der deutschen Manager hält das Schönen von Bilanzergebnissen hierzulande für verbreitet (36 Prozent). Damit liegen sie im internationalen Vergleich fast im Durchschnitt (37 Prozent). Zu den Buchungstricks gehören dann Verhandlungen mit Lieferanten über rückwirkende Rabatte, Boni oder Preisnachlässe (14 Prozent), das Ansetzen von zu niedrigen Kosten (acht Prozent) oder das Vorziehen von Verbuchungen (fünf Prozent).

 

Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 190.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Mandanten überall auf der Welt.

 

Zusätzliche Infoshttp://www.de.ey.com

 

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