Was Daimler & Co. von Apple, Google und Tesla lernen können – Gastbeitrag Freddie Geier von Novero

Warum man lernen muss, Apple-Fans glücklich zu machen

Gastbeitrag von Freddie Geier, Chef von Novero, dem Produzenten von Kommunikationslösungen in Autos

Freddie Geier, Chef von xy, dem Produzenten für Kommunikationsservices in Autos

Freddie Geier, Chef von Novero, dem Produzenten für Kommunikationslösungen in Autos

Seit einiger Zeit nehmen die Gerüchte über ein Auto von Apple zu und die Aufregung im Netz ist groß. Kann Apple ein Auto bauen? Und was würde das für die Autoindustrie bedeuten?
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Das fragen sich nicht nur Vertreter der Digitalwelt wie Sascha Lobo, der davor warnt, dass der Autoindustrie ein Schicksal wie Nokia droht, wenn sie das Thema Vernetzung weiterhin stiefmütterlich behandeln. Auch Top-Automanager haben sich positioniert. Die einen reagieren gelassen, wie Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche, den die Aussicht auf ein iCar nicht um den Schlaf bringt.
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Andere, wie BMW-Chef Norbert Reithofer, warnen dagegen, dass es auch in anderen Industrien bereits grundlegende Veränderungen gegeben habe. „Das geht am Anfang ganz langsam. Und man unterschätzt es am Anfang”, sagt der BMW-Chef.
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Heisse Debatten um ein Phantom
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Ich finde es faszinierend, wie sehr das iCar für Debatten sorgt, ohne dass klar ist, ob es überhaupt jemals gebaut wird. Ich glaube, dass weniger die Auto-Experten sondern dass vor allem Apple-Fans von dieser Idee begeistert sind. Wer Apple-Produkte liebt, weil alle Dienste so fantastisch intuitiv und klar gestaltet sind, wünscht sich, dass Apple das iCar entwickelt. Auch ohne genau zu wissen, was dieses iCar denn genau sein wird oder können soll.
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Ich würde auch gerne wissen wollen, wie es aussieht und wie Apple bestimmte Themen vor allem im Autoinnenraum angeht. Es wäre spannend zu sehen, wie jemand das Auto als Kommunikationsgerät und nicht primär als Fortbewegungsmittel gestaltet.
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Auf jeden Fall zeigt die Aufregung rund um das Apple Car, dass die Maßstäbe der Smartphone-Welt zunehmend „auch ihre Gültigkeit für den Automobil-Sektor beanspruchen“, wie Audis Entwicklungschef Ulrich Hackenberg es ausgedrückt hat.
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Autos sind nicht einfach und intuitiv zu bedienen
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Das gilt zum Beispiel für das Thema Bedienbarkeit. Im Hintergrund darf die Technologie gerne extrem komplex sein. Die Benutzeroberfläche muss aber einfach und intuitiv sein. In vielen Autos finde ich es noch immer keineswegs bequem, mich zurechtzufinden. Wer zum Beispiel wie ich oft Leihwagen fährt, weiß, wie frustrierend es sein kann, das eigene Smartphone an das Bordsysteme zu koppeln, um zu telefonieren.
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Die Vertreter der Autoindustrie sollten also beobachten, welche Sehnsüchte die Apple-Fans haben und überlegen: Wie kann man Menschen glücklich machen, von denen man weiß, dass sie Apple-Produkte lieben. Wenn man es schafft, Produkte zu entwickeln, die in ihren Augen komfortabel und hochwertig sind – dann wurde gute Arbeit geleistet.
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Von Apple, Google oder Tesla lernen
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Dass das iCar für Diskussionen sorgt und bewegt, sollte aber auch ein Ansporn sein, dass Industrieunternehmen auf einer anderen Ebene dazu lernen. Dabei muss man sich genau ansehen, wie Apple, aber auch Unternehmen wie Google oder Tesla arbeiten. In Norwegen, den Niederlanden und in Dänemark verkaufen sich beispielsweise Tesla-Limousinen mit Elektroantrieb besser als deutsche Spitzenmodelle.
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Was man vor diesem Hintergrund von Apple auch lernen kann, ist wie man erfolgreich Produkte im Digitalzeitalter herstellt. „Autos werden heute fast wie Handys und Computer gebaut“ schrieb vor kurzem Götz Hamann in der „ZEIT“. „Man bestellt die Bauteile, …  dann setzt man alles zusammen, wie es Volkswagen mit seinem Baukastenprinzip vormacht, – und vermarktet das Auto.“
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Die andere Arbeitsweise im Silicon Valley
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Die Arbeitsweise bei den Neueindringlingen aus dem Silicon Valley unterscheidet sich stark von den industriell geprägten den Arbeitsweisen der Autoindustrie. Dazu gehören unter anderem ein agiles Vorgehen bei Projekten und eine Kultur, in der Fehlermachen als Teil des Lernprozesses ausdrücklich erwünscht ist. Deswegen lernen diese Unternehmen in diesem sich verändernden Markt schneller dazu und fällen oft qualitativ bessere Entscheidungen.
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Und sie können extrem schnell Neues entwickeln. Tatsächlich muss sich die Autoindustrie jetzt schon diesen Herausforderungen stellen. Tesla zum Beispiel verlangt von Zulieferern, komplette Komponentengruppen in nur neun Monaten zu liefern. Für eine Branche, die noch bis vor kurzem in fünf- bis siebenjährigen Entwicklungszyklen dachte, ist das eine Herausforderung.
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Erlebnisläden reichen nicht an eine Händler- und Werkstätten-Infrastruktur heran
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Die Autoindustrie muss sich heute also nicht direkt vor dem Apple Car fürchten.
Apples bestehende lokale Infrastruktur aus innerstädtischen Erlebnisläden kann bei der Einführung in den internationalen Markt eine Händler- und Werkstätten-Infrastruktur nicht ersetzen.
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Vor dem Entwicklungsmodell und der Geschwindigkeit, mit der Unternehmen wie Apple komplexe Produkte entwickeln, die Menschen begeistern, sollten man sich aber sehr wohl inspirieren lassen. Und wenn man es dann noch schafft, Apple-Fans mit seinen Produkten glücklich zu machen, kann man selbstbewusst in die Zukunft blicken.
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Zum Autor: Freddie Geier ist Geschäftsführer der Novero Gruppe, einem Hersteller von Kommunikationslösungen für Autos. Er bloggt unter www.freddiegeier.com.  Geier arbeitete lange als Topmanager bei Apple. Novero entstand aus einem Management-Buy-Out der Automobil-Sparte von Nokia und beliefert unter anderem  Audi, BMW, Daimler und  Volkswagen.

www.freddiegeier.com

 

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