CNN-Moderator Richard Quest exklusiv vom WEF (IV): Davos ist unersetzlich

„Gäbe es Davos nicht, müssten wir es glatt erfinden“, sagt Richard Quest, CNN International Wirtschaftsmoderator

 

Davos 2015: CNN-Moderator Richard Quest mit Ahmet Davutoglu

Davos 2015: CNN-Moderator Richard Quest mit Ahmet Davutoglu, dem Ministerpräsident der Türkei

Am Weltwirtschaftsforum teilzunehmen, war schon immer ein teurer Spaß. Nachdem die Schweizer Nationalbank letzte Woche völlig überraschend die Wechselkursbindung des Franken an den Euro aufgehoben und sich die Schweizer Währung innerhalb weniger Stunden um etwa 15 Prozent verteuert hat, tat dieser Umstand aber selten so weh wie in diesem Jahr. Ich habe in den letzten Tagen ständig wie besessen die Preise umgerechnet und davon eine Magenverstimmung bekommen: Sechs Pfund (knapp acht Euro) für eine Flasche Mineralwasser; 18 Pfund (ca. 23,50 Euro) für eine Pizza (und dazu noch eine, die entschieden unter dem Durchschnitt lag).

davos 2015

Davos 2015

 

Das schlechte Gewissen bei hohen Spesen

Selbstredend können die meisten Teilnehmer ihre Reisekosten als Spesen abrechnen, weshalb letzten Endes die Arbeitgeber die Rechnung bezahlen. Doch jeder, der in seinem Leben schon einmal eine exorbitant hohe Reisekostenabrechnung eingereicht hat, weiß, dass das Geldausgeben zu einer recht freudlosen Angelegenheit wird, wenn man sich voller Sorge permanent die Frage stellt: „Was wird Herr Schmidt aus der Buchhaltung wohl sagen, wenn er das sieht?“

Übertrieben hohe Preise sind ein gefundenes Fressen für all diejenigen, die die Veranstaltung in Davos schlecht machen wollen – was gar nicht so schwer ist. Der globalen Elite kann man jedes Unheil dieser Welt in die Schuhe schieben, denn diese Menschen, so monieren Kritiker, haben nichts anderes zu tun, als Champagner zu schlürfen, Kaviar zu essen und Kinder als Schornsteinfeger in enge Kaminschächte zu stecken, um ihre Gewinne zu maximieren.

 

CNN-Moderator Richard Quest in Davos 2015 mit Nhlanhla Nene vom Afrikanischen Nationalkongress

CNN-Moderator Richard Quest in Davos 2015 mit Nhlanhla Nene vom Afrikanischen Nationalkongress

 

Es gibt nur eine Veranstaltung, die alle zusammenbringt

Ganz gleich, wie viel Wahrheit in diesen Vorurteilen stecken mag, so stimmt eben auch, dass selbst der einigermaßen gebildete Durchschnittsmann die Welt nicht alleine verändern kann. Ob man die Leute, die sich momentan in Davos treffen, nun mag oder nicht – sie können es. Regierungen, Unternehmen und NGOs verbringen die meiste Zeit getrennt voneinander und suchen nach Lösungen für Probleme, die uns alle etwas angehen. Doch es gibt nur eine Veranstaltung im Jahr, die diese Menschen zusammenbringt: das Weltwirtschaftsforum in Davos.Ist das ein künstliches Konstrukt? Klar. Kommt die Veranstaltung teilweise unverhältnismäßig daher? Absolut. Möchte ich angesichts der vielen heißen Luft, die in den Tagungsräumen von sich gegeben wird, meinen Kopf in den Schnee stecken? Häufig. Doch dann gibt es auch diese „Davos-Momente“, in denen Zusammenarbeit Konflikte ersetzt und Verständnis Ärger verdrängt.

 

100 Foren sind zu viel

Dieses Jahr wird das Gipfeltreffen wohl traurigerweise an dem Versuch scheitern, es allen recht machen zu wollen. Es ist überladen mit hunderten Foren zu fast allen erdenklichen Themen: Wirtschaft, Vielfalt, Technologie, Geopolitik, Krisen, Robotik, exponentielle Entwicklung bei Technologien, ‚Beyond Moore’s Law‘ (‚Über das mooresche Gesetz hinaus‘). Es ist einfach zu viel.

Ich hasse es, Davos verteidigen zu müssen, weil ich die Ausschweifungen und die Sinnlosigkeit von vielem sehe, das damit einhergeht. Doch jedes Jahr verlasse ich die Schweiz mit dem gleichen Ergebnis: Egal, wie abscheulich teuer und und frustrierend es manchmal auch sein mag – gäbe es das Weltwirtschaftsforum in Davos nicht, müssten wir es glatt erfinden.

Weitere Informationen zur WEF-Berichterstattung von CNN International finden Sie unter: www.cnn.com/davos

Fotos: CNN International

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