PR: Wenn Gerüchte-Verbreiten effizienter wird als teure Recherche

Lesehinweis: „Das Dementi ist ein verlogenes kleines Ding“        http://www.wuv.de/medien/das_dementi_ist_ein_verlogenes_kleines_ding   

Bei wuv.de erschien heute ein lesenswerter Kommentar von Petra Schwegler zu Dementis – Dementis, die gelogen sind. Dementis, die nach zwei Stunden überholt sind, weil ein Unternehmen dann doch mit der Wahrheit herausrückt. So wie es gestern im Fall der Chefredakteurs des „Stern“ lief: Dominik Wichmann ist und bleibt Chefredakteur vom „Stern“ hiess es noch vormittags in der Pressestelle von Gruner + Jahr bei Journalistenanfragen. Doch schon um 15 Uhr kam das `Kommando zurück´, und im übrigen hiesse der Neue Christian Krug.

 

„Ich nehme Sie nicht ernst“

Ungesagt lässt Petra Schwegler eins: Wie man sich fühlt, wenn man als Journalist tolldreist angelogen wird. Denn die Botschaft ist ja: Ich nehme Sie nicht ernst. Was Sie über mich danach denken, ist mir piepegal. Und die Folge: Als Gesprächspartner, der ernst genommen werden will, ist der Anfragende gekränkt.

 

Sollte man den Effizienzmaximinierer geben und gar nicht erst nachfragen?

Man macht sich die Mühe und fragt nach – statt gleich die Gerüchte weiter zu verbreiten. Was ohnehin einfacher wäre und was auch schneller geht. Imarbeitsverdichteten Redaktionsalltag. Im Klartext: Das wäre etwas für Effizienzmaximinierer, für Kostensparer. Doch man will fair sein – und wird stattdessen nur vorgeführt.

So fühlt man sich natürlich nicht nur bei Dementis, sondern allen Recherchen, bei denen man einen Bären aufgebunden bekommt.

Nur was die Bärenaufbinder übersehen: Nein, morgen ist kein neuer Tag, nicht für sie. Und es ist auch nicht vergessen morgen.

 

Unglaubwürdige Gesellen

Man ordnet den Lügenbold für die Zukunft als Spatzenhirn ein – Verzeihung – , dem nichts Besseres einfiel, als die Unwahrheit zu sagen. Mehr noch: Als unglaubwürdigen Gesellen, den es sich künftig nicht mehr zu fragen lohnt. Man weiß ja eh´nicht, ob´s stimmt, was er dann von sich gibt.

Und raten Sie mal, wie man reagiert, wenn man als Referenzgeber so nach dessen Leumund später mal befragt wird von jemanden, bei dem er sich dann vielleicht beworben hat? Als kompetenter Unternehmenssprecher? Eher nicht. Eher als Nullnummer.

Oder ob man überhaupt freiwillig denjenigen nochmal etwas fragt? Wenn, dann jedenfalls nur noch schriftlich.

 

Die Nicht-Lügen-Varianten

Denn: man hat allerhand Möglichkeiten mit Journalisten zu reden. Entweder man ist unerreichbar und drückt sich (erst mal), das ist unhöflich, aber ok. Oder man sagt „kein Kommentar“ – das ist vielleicht unbefriedigend, aber wenigstens nicht unehrlich. Oder, was eine geschicktere Lösung ist: Man wirbt um Verständnis fürs Schweigen, signailisiert durch die Blume, dass womöglich noch was kommt in ein paar Stunden – aber man führt zumindest den Fragensteller nicht aufs Glatteis.

Wer sogar vertrauensvoll umgehen kann miteinander, die können sich darüber verständigen, so ganz falsch sei die Info nicht, aber es sei zu früh und in wenigen Stunden kommt eine News. Dann kann der Anrufer sich drauf einstellen in seiner Tagesorganisation.

Nur eins geht gar nicht: Lügen. Das ist respektlos und ehrabschneidend.

 

Lügner bleiben nicht verborgen

Und nicht zu vergessen: wer mit der Lügenversion zurück kommt in die Redaktion und später als der Blamierte dasteht, der fühlt sich nicht gut. Und wird es sich merken und – schlimmer noch – den Kollegen in der Ressortrunde erzählen. Die dann ihrerseits manche Pressesprecher von vornherein meiden.

http://www.wuv.de/medien/das_dementi_ist_ein_verlogenes_kleines_ding

Hier nochmal zur Auffrischung: „To do´s and not do do´s im Umgang mit Journalisten“

http://blog.wiwo.de/management/2012/10/14/pr-do%C2%B4s-and-dont%C2%B4s-im-umgang-mit-journalisten-1-buchverlosung/

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