Wenn betriebliches Gesundheitsmanagement zum Feigenblatt verkümmert

Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer des Verbands Die Führungskräfte – DFK moniert, dass die Unternehmen ausgerechnet beim betrieblichen Gesundheitsmanagement sofort die Kosten runterfahren und  eine gut angedachten Unternehmensstrategie zum Feigenblatt verkümmert.

Ein Gastbeitrag.

 

Ulrich Goldschmidt; Geschäftsführer des Verbands Die Führungskräfte

Ulrich Goldschmidt: Geschäftsführer des Verbands Die Führungskräfte

Viele Unternehmen begehen einen schweren strategischen Fehler und beschneiden betriebliche Gesundheitsmaßnahmen dann, wenn sie am nötigsten wären. Natürlich ist es verführerisch, in einer wirtschaftlich schwierigen Situation die Kostenschere bei den vermeintlich weichen Themen anzusetzen. Und tatsächlich beobachte ich diese Tendenz gerade in Unternehmen und Konzernen, die das Thema Kosteneinsparung ganz oben auf ihre Agenda setzen.

 

Egal wieso: Hauptsache Kosten runter

Es spielt dabei übrigens regelmäßig keine Rolle, ob das bisherige Geschäftsmodell wegen veränderter politischer Rahmenbedingungen weggebrochen ist, der Wettbewerb auf dem angestammten Markt schärfer geworden ist oder ob die Krise selbstverschuldet ist. Die Kostenfalle schnappt zu, mag dies personalpoliotisch auch noch so töricht sein. Man kann dort über Jahre erfolgreich und intensiv betriebliche Gesundheitsmaßnahmen umgesetzt haben. Nun wird angesichts der Großwetterlage das Thema kräftig zurückgefahren.

Und: Wo Menschen ihren Job verlieren, soll auf der anderen Seite aufgezeigt werden, dass auch die Verbliebenen Ihren Beitrag leisten – kein Geld für das vermeintliche Wohlfühl-Thema.

 

Gestiegener Stresspegel, höhere Ansprüche, weniger Leute

Genau hier zeigt sich das Missverständnis: Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist mehr als Bauch, Beine, Po oder der neue Ernährungsplan in der Kantine. Das Unternehmen hat in den guten Zeiten dafür geworben, dass es die Mitarbeiter und Führungskräfe gesund und leistungsfähig erhalten möchten. Jetzt steigt die Unsicherheit und Ungewissheit – mit ihnen der Stress- und Belastungslevel. Es müssen anspruchsvollere Ziele denn je erreicht werden, und das in einem Umfeld, das unberechenbarer ist als je zuvor. Zudem ist die Folge der Umstrukturierung  oft: Weniger Mitarbeiter machen die gleiche Arbeit.

 

Hohe Belastung – Stärkung der Mannschaft 

Richtig verstandenes BGM nützt aber nur dann, wenn die Unternehmen es kontinuierlich und konsequent durchführen. Umdenken ist hier notwendig. Die Mannschaft muss dann gesundheitlich gestärkt werden, wenn die Belastung hoch ist. BGM bei schwierigen Situationen zu opfern bedeutet, den Führungskräften und Mitarbeitern die Unterstützung zu versagen.

Zudem wird allen Mitarbeitern sehr deutlich gemacht, wie ernst die einst kommunizierten Ziele des BGM genommen werden

 

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement macht nur als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie und bei kontinuierlicher Umsetzung Sinn. Es ist kein Widerspruch, unter Kostendruck in BGM zu investieren, im Gegenteil – es zeichnet gute Führung aus. Unterstützung leistet man in guten wie in schlechten Zeiten. Dies in im ureigenen Interesse der Unternehmen, weil BGM ihnen dabei helfen wird, die gesetzten Ziele zu erreichen.

 

Erfolge beim Employer-Branding gibts nur für Kontinuität und Glaubhaftigkeit

Obendrein ist BGM auf einem enger werdenden Arbeitsmarkt ein gutes Argument, mit dem Unternehmen für sich werben können. Erfolge beim Employer Branding wirken aber nicht durch Hochglanzbroschüren, sondern nur wenn Kontinuität und Nachhaltigkeit und damit Glaubhaftigkeit gewährleistet sind.

 https://www.die-fuehrungskraefte.de/

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Alle Kommentare [3]

  1. ..toller Beitrag – insb. der Hinweis auf die Ganzheitlichkeit und den nachhaltigen Ansatz – BGM als Prozess zu verstehen. Es geht aber auch darum die Mitarbeitende als Ganzes zu sehen und verstehen – als Dreiklang aus Körper, Geist und Seele — und sie ganzheitlich fit zu machen (= gesund, innovativ und motiviert)..

    Ich denke, wir müssen aufhören in Kästchen zu denken und stattdessen das System sehen, den Blick fürs Ganze entwickeln:

    Unternehmen müssen gute Verhältnisse schaffen:
    1. Körper (Strukturen, Prozesse, IT-Systeme…)
    2. Geist (Know-how, Innovationskraft, Ideen- und Wissensmanagement…)
    3. Seele (Betriebsklima, Führung, Kultur, Werte, Kommunikation, Wir-Gefühl…)

    Mitarbeitende müssen ganzheitlich gesund sein:
    4. Körper (Gesundheit, Physis, Leistungsfähigkeit …)
    5. Geist (Wissen, Verstand, Aus-, Fort- und Weiterbildung, Qualifikation,…)
    6. Seele (Psyche, Gefühle, Motivation, Engagement, Stress, Stolz, Work-Life-Balance…)

    Das zeigt auch ganz klar unsere diesjährige Studie: http://www.scopar.de/news-termine/detail/ergebnisse-der-scopar-studie-koerper-geist-und-seele/

    Die Mitarbeitenden sind der entscheidende Erfolgsfaktor in Unternehmen. Aber sie müssen können, wollen und dürfen.
    Ich erlaube mir den Hinweis auf ein Buch, dass genau die Fokussierung auf die Mitarbeitenden behandelt – aber nicht als langweiliges Fachbuch mit erhobenem Zeigefinger sondern als spannender Roman. Die Rezensionen sprechen für sich:
    http://www.amazon.de/Kaleidoskop-Scherben-Ein-ungew%C3%B6hnlicher-Wirtschaftsthriller/dp/3981656504/ref=sr_1_sc_1?ie=UTF8&qid=1406564350&sr=8-1-spell&keywords=klaeidoskop+der+schwerbe

  2. Ein guter Beitrag darüber, dass auch in schweren Zeiten nicht primär im Gesundheitsmanagement gespart werden sollte. Mitarbeiter sind die Basis eines Unternehmens. In schweren Zeiten sollte nicht die Basis geschwächt werden, um weiter nach oben zu bauen, sondern ein stabiles Fundament beibehalten werden. Um die Unterstützung seiner Mitarbeiter zu erhalten und produktives, motiviertes Arbeiten zu erreichen, sollten Mitarbeiter wert geschätzt werden. Diese Wertschätzung kann man durch ein gutes Gesundheitsmanagement erreichen und durch kleine Aufmerksamkeiten, mit denen Sie Ihre Mitarbeiter stärken.

  3. Schon vier Jahre alt der Beitrag aber aktuell wie nie: Wenn Einsparungen hermüssen, dann trifft es das BGM häufig als erstes. Das ist Ausdruck des Fokus auf kurzfristige Optimierung statt langfristigem Denken.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass viele Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, die in der Praxis so durchgeführt werden, einfach keinen guten ROI haben bzw. keine messbaren Ergebnisse liefern. Vor allem ist es problematisch, wenn die Maßnahmen nur die Mitarbeiter erreichen, die verhältnismäßig ohnehin sportlich und gesund sind.

    Die schwer erreichbaren erreichen, das ist die Königsdisziplin. BGM Dienstleister gibt es wie Sand am mehr. Doch wenn der Großteil des Budgets für Planung und Strategieworkshops hops geht, ist es kein Wunder, dass sich Entscheider am Ende des Tages fragen, worin sie da eigentlich investiert haben.

    Es muss um den Mitarbeiter als Invididuum gehen. Nur wenn BGM jeden Mitarbeiter bei seinen individuellen Bedürfnissen anspricht, sind auch nachhaltige, messbare Erfolge möglich.

    Wie Herr Goldschmidt so treffend formuliert: Erfolge gibts nur für Kontinuität und Glaubhaftigkeit.