Tablet-Computer statt freundlichen Kellnern – bei La Baracca ist der Kostenspar-Versuch nun zweimal gescheitert

 

Tablets statt Kellner

Der Versuch war´s wert: La Baracca  als Gastronomiekette so konzipiert, dass sie mit weniger Personal auskommen sollte als andere. Statt sich mit Kellnern zu beraten sollten die Gäste auf Tablet-Computern vom Tisch aus direkt in der Küche bestellen. Und die sollten – schöne neue Welt – auch viel zuverlässiger alle Infos über die Lebensmittel zum Beispiel für Allergiker parat haben. Nicht nur die jungen, technikaffinen Leute würden so etwas lieber mögen, nein, Ältere würden sich ruckzuck dran gewöhnen, hieß es damals. http://www.wiwo.de/unternehmen/la-baracca-vapiano-gruender-will-mit-la-baracca-bundesweit-durchstarten/5295876.html

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Nicht mal die jungen Leute retteten La Baraccas mit seinen Tablet-Systemen

 

Die Realität sah dann anders aus. Oft funktionierten die Tablets nicht. Und wenn doch, war die Orientierung darauf allzu mühsam und man scheiterte. Oder die Speisen kamen in verkehrter Reihenfolge, wie Gäste spotteten. Und junge Leute stürmten La Baracca offenbar auch nicht. Das erste Lokal war in München entstanden. Wie es hieß, erfolgreich. Habe doch Apple dort bereits seine Weihnachtsfeier veranstaltet und überhaupt.

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Modische Technik wiegt kein überteuertes Essen auf – besonders nicht im Rheinland

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In Düsseldorf dagegen war der Fall schnell klar: Die Portionen waren Mini und dafür viel zu teuer. Wer eine Pizza bestellt, erwartet ein 25 Zentimeter großes Teil zum Sattwerden und kein Mini-Schiffchen in nicht mal einem Viertel dieser Größe – dafür aber zum vollen Preis. Die Rheinländer sind in solchen Dingen sehr preissensibel und verzeihen nichts. Auch der Münchner Gastronom Michael Käfer war dort schon in den 90-er Jahren glücklos mit seinem Restaurant an der Kö im Tiefparterre, wo die Gäste schon fürs Ablegen der Mäntel schon damals fünf Mark Garderobengeld berappen sollten. Sein Lokal floppte damals, so wie La Baracca heute.

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Computerlösungen sind keine Kundenorientierung

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Auch wenn der Standort Düsseldorf scheinbar schickimicki und mit leichter Gästebeute wirkt, so ist er tatsächlich schwer zu erobern. Im Gegenteil, ist das Publikum doch ganz schön verwöhnt und hat einen feinen Riecher für Überteuertes. Das ist eben das Rheinland. Das ist schließlich der Standort, wo die Menschen so stolz sind auf ihre Schnäppchen, dass sie sofort die Preise dazusagen und günstig Erstandenes gleich nochmal so stolz tragen.

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Und Menschen wollen doch als Individuen behandelt werden

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Das scheint in München zwar anders zu sein. Doch trotzdem scheinen in beiden noch so verschiedenen Standorten die Gäste lieber bei leibhaftigen Kellnerinnen und Kellnern ihre Essenswünsche in Auftrag zu geben, sich von denen Tipps geben zu lassen, als Stammkunden wiedererkannt und als Individuen angenommen zu werden. So wie es die meisten Menschen auch beim Bäcker, Zeitungskiosk, ihrer Reinigung und der Bank schätzen, es mit Menschen zu tun zu haben. Und zwar mit immer denselben und nicht ständig wechselnden.

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Die Unternehmen, die Kunden nur ihre Systeme aufzwingen wollen, um selbst Geld zu sparen, werden über kurz oder lang scheitern.

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Schließlich macht sich keiner gerne so lächerlich wie bei O2 und anderen Unternehmen, die es sich selbst mit ausgeklügelten technischen Systemen einfach, aber den Kunden schwer machen: Wo man als Kunde an eine Grenze nach der anderen stößt, verzweifelt in blöde Antwort-Automaten seine Telefonnummer mal säuselt und mal brüllt, um allzu oft nach 15 Minuten entnervt einhängen muss – ohne der Lösung seines eigentlichem Handyproblems auch nur einen Zentimeter näher gekommen zu sein.

Aber wann begreifen das die Unternehmen? Denen sind bislang ihre kostensparenden, komplizierten Systeme wichtiger, mit denen sie die Kunden zu erziehen versuchen – bis die aufgeben oder abwandern. Oder gleich ganz auf deren Produkte verzichten.

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La Baracca:

http://m.sueddeutsche.de/inm/sz/6ii0qlmgqkn;jsessionid=1B4E1D8501B47C24F87FEF22E017B353.inm-app-prod02A2

http://www.wiwo.de/unternehmen/la-baracca-vapiano-gruender-will-mit-la-baracca-bundesweit-durchstarten/5295876.html

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Sehr zutreffender Artikel über das La Baracca! Ich war einmal in dem Restaurant in Düsseldorf: Tablet hat natürlich nicht funktioniert und die Portionen sind den Preisen absolut nicht gerechtfertigt!

  2. Wie es besser geht, machen die japanischen Restaurants von Okinii vor (in Düsseldorf – natürlich – in der Immermannstraße, ansonsten in Wiesbaden, Saarbrücken und Köln): Eine äußerst freundliche Bedienungskraft – in unserem Fall ein junger Mann – führt zum Tisch und erklärt das System. Dann wird munter auf dem I-Pad bestellt, gegessen, wieder bestellt, gegessen usw. Das Essen wird natürlich persönlich gebracht, wie auch die Rechnung, aber zwischendurch ist keinerlei Kontakt mit der Bedingung nötig. Nach unserer Beobachtung klappte alles auch noch, als kurze Zeit später das Lokal vollständig besetzt war – keineswegs nur mit Gästen aus Japan, auch wenn zugegebenerweise der typische „Stammtisch-Deutsche“ weitgehend fehlte…
    Die Tablets funktionierten an allen Tischen und auch Unruhe durch falsch gelieferte Speisen ist uns nicht aufgefallen. Im Gegenteil, im gesamten Lokal herrschte eine entspannte und freundliche Atmosphäre, bei Gästen und Bedienungen gleichermaßen. Übrigens, auch die Qulität des Essens war absolut in Ordnung.
    Auf der Website von Okinii haben wir dann gelesen: „Dankbarkeit und Wertschätzung werden in Japan groß geschrieben. Dies wollen wir bei Okinii, zu Deutsch >Danke< auch Ihnen und Ihren Freunden entgegenbringen …"
    Die haben es verstanden!
    (Besuch an einem Freitagabend im Spätherbst 2012)