Ein Teller Hähnchen-Glasnudeln mit Ute Jasper – über Business Behave von Junganwälten

 

 

Ute Jasper, Vergaberechtlerin und Partnerin bei Heuking Kühn

Ute Jasper, Vergaberechtlerin und Partnerin bei Heuking Kühn

 

 

“Wehe, ich sehe sie miteinander reden, statt dass sie sich um die Gäste kümmern“, witzelt Ute Jasper, Vergaberechtlerin und Partnerin bei Heuking Kühn. Gemeint sind die Junganwälte aus ihrem Team, denn sie steht dem Team für den öffentlichen Sektor vor. Die Rheinländerin hat in puncto Business Behave genaue Vorstellungen: Finden bei Heuking Mandantenseminare statt oder ähnliche Veranstaltungen, sollen  sich in den Pausen alle ihre Team-Mitglieder um die Gäste kümmern. Wie es sich für gute Gastgeber eben gehört. Auch diejenigen sollten das tun, die gar nicht selbst an der betreffenden Tagung teilnehmen. Sie müssen dann ihre Schreibtischarbeit unterbrechen und die Kanzlei präsentieren. Um mit den Mandanten im Gespräch zu bleiben oder zu kommen. Und damit jene gerne die Kanzlei in dem modernen neuen Haus im Düsseldorfer Norden mit dem großen roten Kanzleinamen auf dem Dach besuchen. Denn eins darf nicht passieren: Dass jemand 20 Minuten alleine herumstehen muss, um dann frustriert nach Hause zu gehen.

Feingefühl hat nicht jeder

Oder dass Kollegen das nötige Feingefühl aufbringen in Situationen, in denen sie stören. Etwa wenn ein Mandant oder ein Partner Persönliches unter vier Augen besprechen will. Nicht jeder habe so viel Feingefühl und Respekt, sich dann zu entschuldigen und den geordneten Rückzug anzutreten.

Und was Jasper schier in Harnisch bringt: Wenn ein Junganwalt allen Ernstes mit einer großen Plastiktüte beim Mandanten anrückt, in der er dessen Aktenordner zum Fall verstaut hat. Das zeige dem Kunden: Wie der Jurist mit seinen Akten umgeht, so geht er auch mit seinem Fall um, urteilt Jasper. Da hat sie strikte Ansichten.

Etikette-Trainings für junge Berater

Darauf legt Jasper großen Wert, denn guter Benimm ist der Mutter von vier Kindern wichtig. Zum Beispiel, dass ein Junior-Kollege weiß, wen er wem zuerst vorstellt oder wen er zuerst durch die Tür gehen lässt. Denn auf gute Kinderstube und Kenntnis der Etikette kann man nicht zählen. Nicht umsonst schicken manche Unternehmensberatungen oder Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften ihre jungen Mitarbeiter zuweilen zu Business-Behaviour-Trainings.

Bestellt hat die couragierte Juristin im Düsseldorfer Monkeys East Glasnudeln mit Hähnchen, die sie “sehr lecker” findet. Das Lokal hat vor einiger Zeit den Schachzug gemacht, ein Business Menue anzubieten, so dass es inzwischen fast jeden mittag voll besetzt ist. Außer den Bürobewohnern aus der nahen Umgebung – etwa die von Ernst & Young mit ihren Schiebe-Rollcontainer-Arbeitsplätzen bei ihrer WP-Gesellschaft – sieht man hier regelmäßig Anwälte aus dem Kö-Dunstkreis, aber auch bekannte Düsseldorfer wie Tina Müller. Die Noch-Henkel-Top-Managerin, die ab Juni quasi entscheiden muss, ob sie entweder bei Beiersdorf startet – oder weiter spaziert geht und dennoch von dem Düsseldorfer Chemie-Riesen monatlich Geld überwiesen bekommt, als Entschädigung für ihr Wettbewerbsverbot. Nur damit sie ihr Wissen über Henkel – von vor einem Jahr, denn so lange ist sie faktisch schon nicht mehr dort – nicht in Hamburg bei der Konkurrenz einbringt. Dass Helge Achenbach hier sehr oft auftaucht ist verstehbar, schließlich ist er Eigentümer der drei Monkeys Restaurants.

Glasnudeln mit Hähnchen bei Monkey´s East

Glasnudeln mit Hähnchen bei Monkey´s East

Kanzlei-Gerüchte über Shearman Sterling

Irgendwann kommen wir auf die Anwältebranche zu sprechen, wo ja gerade mit dem Auseinanderbrechen der Kanzlei Shearman Sterling für Überraschung sorgte. Was mit ehrlichem Bedauern in der Szene quittiert wird mit Kommentaren wie “der traurtige Schlußpunkt einer Erfolgsgeschichte”. Von drei Standorten werden jetzt zwei – Düsseldorf und München holterdipolter geschlossen und der verbleibende verkleinert. Die Gerüchteküche sagt, dass selbst die Partner von dieser Entscheidung überrascht wurden.

Wieder mal knallte es in einer angelsächsischen Kanzlei, wobei die Betroffenen vor vollendete Tatsachen gesetzt wurden – und die Weichen dabei nicht hier vor Ort, sondern dieses Mal in den Vereinigten Staaten gestellt wurden. Damals im Falle Linklaters fiel die Entscheidung über den deutschen Standort in Köln in London. Als bei Freshfields das große Revirement stattfand, war das deutsche Management zumindest daran beteiligt.

Bäumchen-Wechsel-Dich in Rekordzeit

Doch recht schnell melden sich jetzt die ersten Anwälte von neuen Adressen aus:  der Corporate- und Kapitalmarktexperte Hans Diekmann – erst war einer der wichtigsten Partner von Shearman & Sterling – wechselt ruckzuck zu Allen & Overy. Seine neuen Partner sind entzückt, wie man auf Düsseldorfer Parkett hört. Kartellrechtler Hans-Jürgen Meyer-Lindemann meldete sich aus der amerikanischen Kanzlei Dechert in Brüssel.

Lachender Dritter ist auch Latham Watkins aus Hamburg. Die nutzen die Gelegenheit, rasch Nägel mit Köpfen zu machen und gründen ein Düsseldorfer Büro mit Ex-Shearman-Anwälten. Jasper ist sich sicher, dass die Angelsachsen nach rein wirtschaftlichen Kriterien entscheiden. Was ihr gutes Recht ist, so sagt sie. Sicher.

Wenn deutsche Anwälte andere Kriterien für wichtig hielten, sei das genauso ok. Gerade die jungen Kollegen suchten die Work-Life-Balance. Qualifizierte Arbeit gern, spannende Projekte auch, aber bitte nicht, wenn das lange Weekend ansteht. Das geht, so Jasper, alles eine Frage der Organisation. Dann muss man aber bereit sein, auch zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten. Und schon mal Sonntags morgens zwischen sechs und neun Akten lesen und Schriftsätze diktieren. „Als Anwalt hat man so viel Spielraum für das eigene Glück wie kaum jemand.“  Deshalb ärgert sie sich, wenn Kollegen dauernd jammern. „Love  it, leave it or change it“ ist ihre Devise.

Nichts-Ändern ist auch eine Entscheidung

Dabei: “Viele machen sich nur nicht klar, dass das Nichts-Tun auch eine Entscheidung ist”, findet die Teamchefin fürs Vergaberecht, die in Münster Jura studiert hat. “Wenn man jeden morgen aufsteht und nichts ändert, entscheidet man sich auch.”

Selbstbewusste Männer brauchen Frauen nicht zu deckeln

Entscheidungslosigkeit kann man Jasper kaum vorwerfen. Sonst hätte das “Handelsblatt” sie nicht schon vor drei Jahren zu den Top-100-deutsche Business-Frauen gelistet.

Daher die immer-gleiche-Frage auch an sie: Ob sie sich je ausgebremst gefühlt habe durch Männer? Nein, das findet sie nicht und verblüfft auf ersten Blick mit ihrer Erklärung: “Ich hatte immer mit selbstbewussten Männern zu tun – die hatten es nicht nötig, mich zu deckeln.”

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Alle Kommentare [1]

  1. Das Problem ist klar. Und die Ursache liegt zu einem guten Teil in dem begründet, was die Generation der Eltern dieser Jung-Professionellen zu verantworten haben: Fehlende Orientierung außerhalb von sehr abgegrenzten fachlichen Gebieten und Kompetenzen, fehlendes Interesse an bzw. Respekt für andere Menschen und ein großes Defizit an selbstkritischer Haltung.