PR für Dummies: Headhunter geben Rätsel auf

Da gibt es anscheinend einen Verband, der sich bis heute gut versteckt hat: AESC – Association of Executive Search Consultants. Der meldete sich gestern plötzlich – wie Kai aus der Kiste – mit Zahlen zur Headhunterbranche. Oh, Pardon, von „Trend“-Zahlen war die Rede – was immer das genau bedeuten mag. Für ihre Zuverlässigkeit spricht es irgendwie nicht, wenn sie nur Trend sein sollen. Ob sie gar repräsentativ sein sollen? dann hätte man´s so nenen können. Die Zahlen kommen jedenfalls von 1.430 Headhunter aus 46 Ländern weltweit.

Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich: Die verschwiegene Zunft der Personalberater gibt eigene Zahlen bekannt? So mir nichts Dir nichts?

 

Wieso will die deutsche Presse deutsche Zahlen? Komische Idee

Nein, so arg ist´s denn auch wieder nicht. Bei genauem Hinsehen wurde fast nix verraten – auch nicht auf meine ausdrückliche Nachfrage hin: Ob man für den deutschen Lesern denn auch deutsche Zahlen sagen klönne, bitte? Ein schlichtes, selbstbewußtes „Nein“ war die Antwort. Kein Bedauern, kein Herumgerede, – Basta und Schluß. Alternativangebote, Entschuldigungen oder wenigstens höfliche Erklärungen? Fehlanzeige.

Die Nachricht selbst war nämlich nüchtern – aber weitgehend frei von Erhellendem und eigentlich sogar kryptisch: Der Umsatz der Headhunterbranche sei weltweit in 2012 um 6,4 Prozent auf 9,74 Milliarden US-Dollar (!) gesunken. Die Zahlen für Europas Leser umzurechnen in Euro war wohl nicht infrage gekommen.

 

Das Minus in EMA beträgt 11,6 Prozent

Nur soviel wurde verrraten: 45 Prozent des Weltumsatzes entfiel auf Nordamerika.Der Umsatz in Europa sei dagegen durch die schwache Nachfrage in den Krisenländern um 11,6 Prozent gesunken. Und überhaupt sei der Umsatz in den anderen Regionen wie der „EMEA-Region (das ist Naher und Mittlerer Osten sowie Nordafrika) um 11,6 Prozent, in der Asien-Pazifik-Region um 12,1 Prozent und in Mittel- und Südamerika um 7,3 Prozent“ auch gesunken.

Doch das, was hierzulande interessant gewesen wäre, kam nicht: Die Information, wieviel davon auf Deutschland oder die anderen europäischen Länder entfiel.

 

Wie kommt das Umsatzwachstum zustande?

Lieber gibt AESC zusätzliche Rätsel auf:

Warum genau „die Branche bei den Vermittlungshonoraren ein Rekordwachstum (ein Plus von 1,7 Prozent im Jahr 2012) vermelden“ konnte, obwohl die Zahl der Suchmandate um 7,1 Prozent zurückging? Oder haben die Headhunter weltweit ihre Preise erhöht? Oder sind die Managergehälter als Berechnungsbasis derart gestiegen? Oder jagen Headhunter heute vorwiegend die kapitalsten Hirsche im Top-Management, die in früheren Zeiten vielleicht noch intern und selbst herangezüchtet wurden von den Unternehmen?

So langsam dämmert mir, warum beim Vergleich von deutscher und amerikanischer PR schon von allzu großen Kulturunterschieden die Rede ist. Und dass amerikanische Unternehmen, die hierzulande als Marktteilnehmer agieren, in riesige Fettnäpfe treten, wenn sie sich nicht auf die deutschen Gepflogenheiten bei der Öffentlichkeitsarbeit einstellen.

Aber das könnte ja ein künftiges neues Betätigungsfeld für deutsche Journalisten sein: Den US-Companys  erklären, was die Öffentlichkeit hierzulande von ihnen an Informationen erwartet. Damit es ihnen nicht wie Starbucks in Großbritannien nach Bekanntwerden der geschickten Steuerverlagerung geht und Boykottaufrufe provozieren.

Ein PR-Profi hat mir für die Management-Blog-Leser auch schon ein Stück zugesagt: in dem er schildert, wie bass erstaunt er über die seltsamen Methoden und Auffassungen von US-PR-Profis war, als er sie miterleben durfte.

Starbucks: http://www.seiten.faz-archiv.de/faz/20121020/fd2201210203665273.html

Amazon: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ard-dokumentation-ueber-leiharbeiter-amazon-im-shitstorm-1.1600543


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Alle Kommentare [1]

  1. schön geschrieben.. die branche sind eh alle mir sehr suspekt.. habe viele aus dem gewerbe kennengelernt.. die einen bescheissen beim golf was das zeug hält, die anderen sind absolute statussymboliker und die dritte kategorie hat einfach keine ahnung für welche positionen sie heads suchen.. das muss ich einfach nach über 450 einstellungen in 10 jahre mal so sagen..