Warum sich das Hasso-Plattner-Institut mit der Schufa für ein gemeinsames Projekt ins Boot setzte, war schon – jedenfalls für unvoreingenommene Beobachter – ein wenig rätselhaft. Eine Untersuchung von „Finanztest“ hatte doch vor nicht allzu langer Zeit ergeben, dass von 89 Auskünften nur elf – also ELF – korrekt und komplett waren.
Der erste Schluss ist nach dem „Finanztest“-Stück: Es hapaert an genau dem, was nicht sein darf: an der Zuverlässigkeit und Seriosität der Auskünfte. Oder anders gesagt: Sie bekommen das Kerngeschäft nicht geregelt. http://wirtschaft.t-online.de/-finanztest-viele-schufa-auskuenfte-sind-falsch/id_41718310/index
Auf Sand gebaut
Man fragt sich: Hat die Schufa da nicht erst mal andere Sorgen? Und einen großen Berg unerledigter Hausaufgaben? Bevor sie sich vornimmt, jetzt gleich mal das ganze das Internet beziehungsweise Facebook wüst nach wilden Kriterien nach noch mehr Daten zu durchforsten? Und die dann vermutlich nach bewährter Methode zu verarbeiten und an den Mann oder die Frau auf der anderen Seite eines Bankschalters oder bei einem Versender zu bringen, der sie einfach mal glaubt? 66,2 Millionen Menschen hat die Schufa nach eigenen Angaben gerastert – und deren Millionen falsche Angaben sollten sie vielleicht erst mal korrigieren.
War dem Hasso-Plattner-Institut dieses Vorzeichen entgangen? Durfte ihm das entgangen sein?
Die Wellen schlugen in sämtlichen Nachrichtensendungen und Rundfunknachrichten gestern den ganzen Tag über hoch. Witzig wurde es bei „Twitter„, wo -zig Menschen sofort das ganze auf die Schippe nahmen unter @twitternfuerschufa. https://twitter.com/#!/search/twitternfuerschufa
Schnell aussteigen, ehe das Image weiter leidet
Hin wie her, aus PR-Sicht ist es jetzt jedenfalls nicht lustig für die Berliner, nach der öffentlichen Empörung mit von der Partie zu sein – oder besser: gewesen zu sein. Denn um den Flurschaden zu begrenzen, kam vom Hasso-Plattner-Institut heute eine Pressemitteilung, dass „ein solches wissenschaftliches Projekt angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden“ könne laut HPI-Direktor Christoph Meinel. http://www.focus.de/finanzen/news/nach-heftiger-kritik-schufa-projekt-mit-facebook-daten-gestoppt_aid_764363.html

Da hat wohl Hasso Plattner persönlich den Stecker gezogen. Schließlich steht sein guter Name drauf.
Die Kooperation von SCHUFA und Hasso-Plattner-Institut weist auf sehr fragwürdiges Verhalten scheinbar verantwortungsbewusster Organisationen hin.
Die SCHUFA hat auch in der jüngeren Vergangenheit gleich in mehrfacher Hinsicht fehlendes Bewusstsein für die Notwendigkeiten des Datenschutzes gezeigt:
Denn bisher ist die SCHUFA nicht nur mit falschen Scoring-Werten, undurchsichtigen Bewertungsverfahren und zu langen Archivierungsfristen aufgefallen.
Seit etwa drei Jahren vergibt die SCHUFA selbst ein eigenes Datenschutz-Siegel und wirbt mit Expertenwissen, das den Unternehmen helfen soll, bestehende Datenschutzkonzepte auf Mängel zu überprüfen und relevante Prozesse zu optimieren (SCHUFA DatenschutzSiegel: Vom Bock zum Gärtner, https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/schufa-datenschutzsiegel-vom-bock-zum-gaertner/).
All diese Informationen hätten die Verantwortlichen des Hasso-Plattner-Instituts bzw. der Universität Potsdam mit wenigen Klicks herausfinden können.
Auch die sehr zweifelhaften Datenschutzvorstellungen der facebook-Verantwortlichen dürften den Verantwortlichen der Universität Potsdam nicht ganz entgangen sein.
Was könnten die Beweggründe der Potsdamer dafür gewesen sein, diese Kooperation trotzdem einzugehen und dadurch dem Ruf und dem Image des Instituts und der Universität schweren Schaden zuzufügen?