Teil 6. der Serie “Die aussterbenden Insignien der Macht”: Die goldenen Jackettknöpfe, ein Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gründer und Chef der Agentur Deutsche Markenarbeit in Düsseldorf
Der Geschäftsmann war der Krieger der Neuzeit. Eine Kämpfernatur, die mit Leidenschaft und Härte um Ruhm und Marktanteil stritt. Der Wettbewerber galt als Feind und der globale Markt wurde zum Feld täglicher Gefechte. Man definierte erfolgreiches Geschäftsgebaren an Carl von Clausewitz und gelungene Übernahmeschlachten wurden öffentlich zelebriert. Das altfranzösische „jacque“ – der Waffenrock – wandelte sich zum Jackett – dem Harnisch der Führungselite. In jenen Tagen wurde der „Zweireiher“ zum Erkennungszeichen der Elite. Diesen trug der erfolgreiche Vorstand in zwei Varianten, dem amerikanischen Cut mit einem Rückenschlitz oder die englische Form mit zwei Seitenschlitzen.
Dressed for success war Gebot der Stunde. Der Manager von Welt trug ein maßgeschneidertes Sakko. Diese „Managerrüstung“ aus feinstem Zwirn zeichnet sich dadurch aus, dass die Knöpfe an den Ärmeln durchgeknöpft sind und geöffnet werden können. Bei gemeiner Konfektionsware ist dies nicht der Fall. Folglich ließen die Träger von Maßanzügen gerne den untersten Knopf am Ärmel geöffnet, als kleines Erkennungszeichen – dies ist ein Anzug nach Maß. Und was beim Militär die Rangabzeichen, wurden die Knöpfe des Sakkos für die Führungselite. Der Generalstab der Wirtschaft trug zwar keine Schulterklappen – aber Gold. Mit stolzer Brust, geradem Rücken und gerne auf edlem, dunkelblauen Tuch glänzten goldene Knöpfe und zeigten weithin sichtbar – hier spricht der Generalstab.
Doch während der Goldpreis stieg, sanken die Aktien der Knöpfe. In Zeiten großer Wirtschaftskrisen wurde das schmucke „Zur Schau Stellen“ von Macht und Wohlstand kontraproduktiv. Ein Relikt aus alten Zeiten – wie das Diadem in der Damenwelt. Heute ist Understatement oberste Managerpflicht. In den Top Etagen wird auch heute noch teurer, edler Zwirn getragen – allerdings ist der nicht so leicht zu dechiffrieren. Außer von Experten und Vorstandskollegen. Was überraschenderweise seinen Wert noch erhöht. Es lebe die Bescheidenheit.












