Aussterbende Symbole der Macht: Teil 5 Vertu von Frank Dopheide, Gründer und Chef der Agentur Deutsche Markenarbeit in Düsseldorf
Auch wenn es heute undenkbar ist: es gab eine Welt ohne Mobiltelefone. In jenen Zeiten führte der Geschäftsführer seine Geschäfte während er stundenlang im Auto saß und nicht erreichbar war. Die Frage ist nur – wie? Bernd M. Michael, machte nicht nur Grey groß und bekannt, er sorgte mit Kleingeld dafür, dass alles lief und alle liefen. Jahrelang musste ihn seine Assistentin Ulla mit Tüten voller Zehn-Pfennig-Stücken, dem berühmten Groschen, versorgen. Jede Autobahnrasttäte war eine rettende Telefonzelle, um die Geschäftswelt ein Stück weiter zu drehen. Gott hatte Erbarmen mit ihm, Ulla und ihren Leidensgenossen. Das C-Netz kam 1985 in unsere Welt. 12 Kilogramm schwer, so teuer wie ein Kleinwagen und unübersehbar ein Zeichen von Macht und Mobilität Rudy Krolopp bei Motorolla machte es dann bei Motorolla zum echten Mobiltelefon. Ab dann wurde es immer besser. Nokia wurde zum offiziellen Ausstatter der Wirtschaftskräfte. Die Konferenztische wurden zum Showroom. Mit Begin des Meetings griff die Elite der Geschäftswelt in die Innentasche und platzierte ihr Schmuckstück direkt vor sich und die Augen aller anderen. Am Handy ließ sich die Karrierestufe ablesen. Das Mobiltelefon wurde das Symbol der Macht. Mit den wachsenden Möglichkeiten dieses ständigen Begleiters wurde das Handy zur Fernbedienung, um jederzeit und überall zu schalten und walten. Dann kam das Blackberry und brachte das Email auf den kleinen Bildschirm. Die beliebte Schwarzbeere wurde zum begehrten Arbeitsmittel und machte die Konferenztische zum Treffpunkt der Klone. Vertu und Nokia wagten einen finalen kostspieligen Versuch an alte Statuserfolge anzuknüpfen. 2002 wurde das Telefon mit Concierge Service und edlem Gold und Silbermaterialien bei Harrods eingeführt. Es kostete zwischen 4.000 und 80.000 Euro.
Doch dann kam Steve und seine Vorstellung von Telefon. Es ist erst gut 1500 Tage her, dass das iPhone die Welt über Nacht erorberte und alle Statusunterschiede nivellierte. Der Konzernchef trägt es freudig zur Schau – ebenso wie die Politesse, die das Knöllchen an seinen falsch geparkten Audi A8 steckt.
- Foto: André Paetzel
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Ein Kommentar zu “Aussterbede Symbole der Macht: Vertu – Serie, Teil 5 von Frank Dopheide, Deutsche Markenarbeit”
Was für ein Blog! Er bringt 25 Jahre technologischen Fortschritts genau auf den Punkt. Mit wenigen Worten,einer wunderbaren schnellen Leichtigkeit und ohne falsche Ressentiments. Gratulation.