Der Zwei-Milliarden-Dollar-Fall der UBS-Bank: Wenn alle Kontrollen versagen

Christian Schaaf von dem Sicherheits-Spezialberatungsunternehmen Corporate Trust hat Warnzeichen für Unternehmen – egal welcher Branche -aufgelistet, damit sie keine bösen Überraschungen erleben wie die UBS-Bank gerade mit ihrem Mitarbeiter Kweku Adoboli. Der 31-jährige Investmentbanker hat im Namen der Schweizer Bank zwei Milliarden Dollar verspielt, war bis dahin unauffällig und einer von 6000 UBS-Bankern in London. Gut angezogen, höflich mit klassischer britischer Internatsausbildung und E-Commerce-Studium an der University of Nottingham.

 

 

Die sind mögliche Indizien, sogenannte Red Flags, auf die man achten sollte:

 

– Eine Person sammelt auffällig viel Herrschaftswissen über Prozesse, technische Zugänge, Authorisierungen – und prahlt gegebenenfalls damit.

– Jemand ist unersetzbar und akzeptiert zum Beispiel keine Kollegen, die ihm über die Schulter schauen.

– Jemand nimmt nie oder nur selten Urlaub – damit Manipulationen während seiner Abwesenheit nicht auffallen. Denn: Oft handelt es sich bei dem Fraud (Betrug, Unterschlagung, Manipulation von Buchhaltungsdaten oder -konten undsoweiter) um ein Kartenhaus, das zusammenstürzt, wenn der Täter eine Weile abwesend ist.

– Jemand unterläuft das Vier-Augen-Prinzip mit Vorwänden wie „das wäre im hektischen Tagesgeschäft viel zu umständlich“.

– Jemand legt übersteigerten Ehrgeiz gepaart mit extrovertierter Persönlichkeit an den Tag oder oder umgekehrt: er ist ein in sich abgeschotteter Mensch, der chronisch überfordert erscheint.

– Bietet der Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle: Verlagert jemand seine Arbeitszeiten in schwach frequentierte Randzeiten, in denen kaum Kontrolle durch Kollegen stattfindet?

– Pflegt jemand einen statusorientierten Lebensstil, der nicht zu seiner aktuellen Einkommenssituation passt?

– Gibt es Anzeichen für Suchtpersönlichkeit? Häufiges Glücksspiel, Drogen, Prostitution sind entsprechende Beispiele – Süchte erfordern immer größere Geldsummen (zum Beispiel Bonuszahlungen auf Basis der überzogenen, hoch riskanten Trades).

– Zeigt ein und dieselbe Person Leistungsextreme? Mit plötzlichem Leistungsabfall eines bis dato sehr motivierten Mitarbeiters oder – umgekehrt – ständige Erfolgsgeschichten (Stichwort: High-Flyer-Persönlichkeit.

– Innere Kündigung eines Mitarbeiters: Häufen sich abfällige Äußerungen über das Unternehmen, seine Ethik oder vermeintlich erfolgreichere Kollegen?

„Unsere Erfahrung zeigt uns, dass es bei Mitarbeitern die kriminell wurden, fast immer im Vorfeld eine oder mehrere dieser Auffälligkeiten gab“, berichtet Sicherheitsprofi Schaaf aus München.

 

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