CNN-Kultmoderator Quest über die königliche Hochzeit

„Ich habe mich schon oft gefragt, warum ich mich für eine Familie interessiere, mit der ich nicht einmal verwandt bin und die ich nie auf einer persönlichen oder gar vertraulichen Ebene kennenlernen werde – ein Familie, die nur einen äußerst marginalen Einfluss auf mein alltägliches Leben hat.

Mit anderen Worten: Wieso interessiere ich mich eigentlich für diese königliche Hochzeit? Letzte Woche habe ich versucht, dieses Verhältnis einem Amerikaner zu erklären. Ja, er konnte hören, was ich sagte. Verstehen konnte er es aber nicht. Wir haben in diesem Fall einfach verschiedene Sprachen gesprochen. Selbstverständlich wünschen wir jedem frisch vermählten Paar alles Glück der Welt. Diese spezielle Hochzeit des Thronfolgers und seiner zukünftigen Königin hat in deren Heimat jedoch allerlei Themen zur Krone in den Fokus des Geschehens gerückt. Die Gründe dafür liegen tief in der Psyche derer, die mit der Monarchie aufgewachsen sind und die selbige auch weiterhin beibehalten wollen. Seit frühester Kindheit wissen wir, dass es da diese Frau gibt, die in einem Palast lebt. Ihr Konterfei war auf unserem Geld und unseren Briefmarken. Sie hatte ihr eigenes Lied, das wir sangen und in dem wir Gott darum baten, sie zu beschützen. Und immer am ersten Weihnachtsfeiertag, direkt nach dem Mittagessen, wurden wir alle still, um sie im Fernsehen sprechen zu hören. Danach unterhielten wir uns gemeinsam darüber, ob sie älter, jünger, schlanker oder dicker aussah. Außerdem wurde natürlich spekuliert, wie viel die Perlen, die sie trug, wert gewesen sein mögen.                                                          richard-quest

Ich bin 49 Jahre alt. Schon mein ganzes Leben lang ist Queen Elizabeth II. auf dem Thron – und sie war es auch schon einige Jahre vor meiner Geburt. Das Wissen, dass Charles irgendwann aufrücken würde, war stets omnipräsent. Das stand auch, abgesehen von einer kurzen Phase während des Diana-Debakels, nie wirklich in Frage. Seit dem Moment, in dem William 1982 geboren wurde, wussten wir, dass er die Nummer drei in der Rangfolge war. So funktioniert eine Monarchie. Seit jeher. Zuverlässig. Die Macht dieser Institution, uns immer wieder anzuziehen, wurde 2002 nach dem Tod der Königin Mutter deutlich. Damals berichtete ich von diesem Ereignis. Der Palast fürchtete ein Szenario, in dem sie aufgebahrt wäre, aber niemand auftauchen und ihr den letzten Respekt zollen würde. Es kamen jedoch Zehntausende. Ich hatte das Privileg, unter den letzten zu sein, die am Morgen der Beerdigung den Sarg passieren durften. Bevor eben jener Sarg zur Westminster Abbey transportiert wurde, lag er da, die Krone obendrauf. Die Macht der Geschichte war überwältigend – die Krone und die Abbey.

Dieses Verhältnis hat eine tausendjährige Tradition. Die Abbey ist eine sehr besondere Kirche: Sie ist eine „Royal Peculiar“. Das heißt, dass sie direkt in die persönliche Autorität des Herrschers fällt. Williams Hochzeit findet also in dem Heiligtum statt, in dem er eines Tages mit dem Stein von Scone in der Hand auf dem „Coronation Chair“, dem Krönungsstuhl, sitzen und zum König gekrönt werden wird. Seit der Krönungszeremonie Wilhelms des Eroberers im Jahr 1066 hat es in der Westminster Abbey 38 dieser Zeremonien gegeben. Tausend Jahre ignoriert man eben nicht einfach so. Ich bin nicht blind. Ich sehe die Fehler dieses Systems – manchmal hat man das Gefühl, die jungen Royals lachen uns dafür aus, dass die Gesellschaft so vernarrt in sie ist.

Dann sehen wir, was Kate Middleton auf sich nimmt und wir fragen uns: Würden wir den Rest unseres Lebens in einem goldenen Käfig verbringen wollen? Man sollte sich durchaus daran erinnern, dass die Ehen von dreien der vier Kinder der Queen aufgrund dieser Belastung geschieden wurden. Als Außenstehender mag man denken, dass die Welt nächste Woche die größte Reality- Show erleben wird, die es gibt. Diese Hochzeit ist das ultimative Big Brother. Logiker werden tausende von Gründen dafür finden, warum diese ganze Veranstaltung anachronistisch und unrealistisch ist. Darum geht es jedoch gar nicht. Ich werde die Zeremonie verfolgen und mich als ein Teil des großen Ganzen fühlen, weil sie etwas fortsetzt, das mich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Auf diese Art und Weise sind William und wir, das britische Volk, mehr oder weniger seit dem Tag unserer Geburt miteinander verbunden. Ja, wir könnten uns gegenseitig loswerden, wenn das die eine oder andere Seite so wollen würde. Aber fürs Erste werde ich vor der Abbey stehen und meine Pflicht tun. Ich werde das Ereignis für das Fernsehen kommentieren und dadurch nicht nur die Hochzeit von William und Kate feiern, sondern die meines zukünftigen Staatsoberhaupts.

TV-Tipp: Richard Quest auf CNN über die Hochzeit von William und  Kate:

A Royal Wedding: The Marriage of William and Catherine” auf CNN International am Samstag, den 23. April um 15.00 und 22.00 Uhr

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