Zahl hiesiger Glasfaser-Anschlüsse steigt leicht – aber Deutschland bleibt Entwicklungsland

Europaweit wächst die Zahl der Haushalte mit Glasfaser-Anschlüssen um ein Fünftel. Deutschland rangiert in Europa trotz Plus auf dem fünftletzten Platz.

Da können hiesige Verbände noch so sehr für einen Digitalminister in der nächsten Bundesregierung trommeln – wieder einmal zeigt eine ganz aktuelle Studie, wie traurig es um die digitale Infrastruktur tatsächlich bestellt ist.

Dies gilt insbesondere beim Thema Glasfaser-Anschlüsse direkt in die Haushalte, der mit Abstand schnellsten Internet-Technologie, wie die Konferenz der Industrieorganisation FTTH Council („Fibre-to-the-Home“) Ende der vergangenen Woche in Luxemburg wieder einmal zeigte.

Zwar stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Glasfaser-Anschlüsse in Deutschland mit einer Penetrationsrate von 2,3 Prozent aller Haushalte leicht. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren kletterte die Rate zum ersten Mal überhaupt über die ein-Prozent-Schwelle, wie seinerzeit auch hier im Blog berichtet (Grafik zum Vergrößern anklicken):

Quelle: FTTH Council (PDF)

Damit bleibt Deutschland im globalen Vergleich aber weiterhin auf dem Niveau eines Glasfaser-Entwicklungslandes. Die weltweit führenden Nationen Vereinigte Arabische Emirate, Quatar und Singapur liegen bei einer Durchdringungsrate von jenseits der 90 Prozent (sic!).

Aber auch innerhalb Europas bleibt Deutschland faktisch vom digitalen Fortschritt abgehängt. Laut FTTH wuchs die Zahl der Glasfaser-Abonnenten in Europa seit September 2016 um ein Fünftel auf knapp 52 Millionen Menschen. Die Pentetrationsrate der betrachteten 39 europäischen Staaten kletterte dadurch von 29,9 Prozent im Vorjahr auf nunmehr fast 35 Prozent (PDF).

Selbst wenn man nur die EU28-Staaten nimmt – und dadurch Staaten mit hoher Rate wie Russland oder Weißrussland außen vor lässt – liegt der Schnitt noch bei 14 Prozent. Deutschland mit seinen 2,3 Prozent liegt auch darunter – und auf dem fünftletzten Rang, nur vor Österreich, Serbien, Irland und Kroatien (Grafik anklicken):

Quelle: FTTH Council (PDF)

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Alle Kommentare [1]

  1. Das Problem in Deutschland ist nach meiner Erfahrung im großen Maße die Kunden. Ich habe ich einer norddeutschen Kleinstadt beim FTTH Glasfaserausbau mitgearbeitet. Das war wie Sauerbier verkaufen die ersten 20% gingen relativ einfach aber um auf die erforderlichen 40 % zu bekommen musste massiv der Preis nach unten gehen. Besonders die Generation 50+ hat mehr Angst um ihre Tiefmütterchen im Garten und denen reichten dann die 5 Mbit über den Telekom Klingeldraht.
    Das zweite Hindernis ist die Bundesnetzagentur. Die Vectoring Erlaubnis war der endgültige Todesstoß für unser Glasfasernetz. Ich habe dann aufgegeben, diese Dummheit weiter zu bekämpfen und bin dort weg. In Singapur gab es einen Anschlusszwang – sehen sie sich die Zahlen an.