Digitalisierung im Mittelstand: Produktivitäts-Verlust von 28 Milliarden Euro pro Jahr

Viele KMUs investieren nicht in Software für die Administration, weil ihnen die Einführungskosten zu hoch sind – trotz möglicher Effizienzgewinne.

Die digitale Transformation birgt ein enormes Potenzial für die Erschließung von Produktivitätsgewinnen – und zwar sowohl in der Produktion wie auch in der Administration.

Letzteres hat kürzlich der britische Anbieter von Buchhaltungs- und Lohnabrechnungs-Software Sage in einer Studie näher beleuchtet. Zentraler Befund: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den elf untersuchten Ländern wenden im Schnitt 120 Werktage im Jahr für administrative Aufgaben auf. Rund fünf Prozent aller Arbeitstage eines Betriebs fließen dabei in die Buchhaltung.

Hierzulande liegt jene Quote unter dem Studienschnitt: So verbringen kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland 3,7 Prozent ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben, was einem Produktivitätsverlust von rund 28,2 Milliarden Euro pro Jahr entspricht.

Mittelständische Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern in Deutschland widmen durchschnittlich 81 Arbeitstage der Bürokratie. Das ist im Vergleich mit den anderen untersuchten Ländern die niedrigste Zahl an Arbeitstagen für die Administration. Spanische mittlere Unternehmen beispielsweise benötigen dafür 190 Tage, in Frankreich sind es 235 Tage und in Großbritannien sogar 292 Tage.

Dabei fällt auf, dass Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern in Deutschland mit neun Prozent am meisten Zeit für die Administration aufwenden. Der Bürokratieanteil bei kleinen Unternehmen (10 bis 50 Mitarbeitern) liegt dagegen nur bei knapp einem Prozent und bei mittleren Unternehmen (50 bis 250 Mitarbeitern) bei 0,18 Prozent.

Trotz des relativen Vorsprungs deutscher KMU zeigt die Studie auch, dass der Grad der Digitalisierung in vielen Fällen noch nicht sehr hoch ist. Die Ursache dafür liegt darin, dass viele Unternehmen nicht in Software-Lösungen für die Administration investieren, weil ihnen die Einführungskosten zu hoch sind (28 Prozent). Weitere 22 Prozent meinen, digitale Plattformen seien zu zeitaufwändig.

Das Marktforschungsunternehmen Plum Consulting hat die Studie im Auftrag von Sage in den Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Spanien, Südafrika, USA, Kanada, Brasilien, Australien und Singapur durchgeführt und dabei mehr als 3000 Unternehmen befragt.

Weitere Ergebnisse in der folgenden Infografik – zum Vergrößern zwei Mal anklicken:

Quelle: Sage

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