Krokers RAM: Merkel gegen Schulz – oder: darum hinkt Deutschland in der Digitalisierung hinterher

Mein Rant am Morgen: Wie soll die digitale Transformation Deutschlands gelingen, wenn das Thema für beide Kanzler-Bewerber keine Rolle spielt?

Die Reaktionen auf das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am vergangenen Sonntag waren recht eindeutig: Langweilig, einschläfernd und ohne echtes Rededuell.

„90-Minuten-Debatte ohne Zukunft“, betitelten die Kollegen aus dem WiWo-Hauptstadtbüro ihre Analyse; Handelsblatt-Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar wertete den Abend gar als „Simulation eines TV-Duells“.

So weit, so richtig. Mich selber hat aber vor allem eine Sache regelrecht sprachlos gestimmt: Das fast völlige Fehlen des Zukunftsthemas Digitalisierung. Merkel nahm das Wort genau ein Mal in den Mund – in ihrem Abschluss-Statement; Schulz überhaupt nicht.

Immer wieder legen Experten in Studien oder Artikeln den Finger in die Wunde, beteuern die Bedeutung der digitalen Transformation für den Standort Deutschland. Und dass der gewaltige Umbau, der praktisch alle Industrien und Wirtschaftszweige betrifft, eine absolute Chefaufgabe ist, die Unternehmen wie Gesellschaft von oben durchziehen muss.

Anders ausgedrückt: Wer noch einen Beleg dafür suchte, warum Deutschland in der Digitalisierung anderen Industrienationen hinterhinkt – das TV-Duell der beiden ranghöchsten Politiker um das wichtigste Amt im Staate hat ihn eindrucksvoll geliefert. Denn wie soll die digitale Transformation Deutschlands gelingen, wenn das Thema für beide Kanzler-Bewerber praktisch keine Rolle spielt?

Apropos: Die „WirtschaftsWoche“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe „49 Ideen für das nächste Wirtschaftswunder“ präsentiert – darunter zahlreiche Innovationsthemen wie das Grundrecht auf schnelles Internet, die Schaffung eines Digitalministers oder Informatik als Kernfach an hiesigen Schulen.

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