Krokers RAM: Der große Knall steht der deutschen Medienbranche noch bevor

Mein Rant am Morgen: Bisher konnten die hiesigen Verlage viele Auswirkungen der Digitalisierung noch relativ geräuschlos abfedern. Das wird in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr funktionieren.

Seit bald 21 Jahren arbeite ich als Journalist – davon mehr als 17 bei der „WirtschaftsWoche“. Offiziell zwar als Print-Redakteur – wegen meines Schwerpunkts auf Internet- und Digitalisierungs-Themen aber eben auch mit großem Online-Fokus – siehe unter anderem dieses Blog hier, das ich inzwischen auch schon im achten Jahr betreibe.

In all den Jahren habe ich – nach den ersten Jahren des Ignorierens – auch bereits viele Versuche der hiesigen Verleger erlebt, neue digitale Geschäftsmodelle aufzubauen: Sei es der Fokus auf ein Reichweiten-getriebene Online-Anzeigengeschäft, seien es Online-Paywalls, seien es Digital-Abos oder mobile Bezahl-Apps für Smartphones und Tablets.

Ergebnis all jener Bemühungen: Die Print-Erlöse – die vertrieblichen ebenso wie die Anzeigen – befinden sich seit Jahren im Rückwärtsgang. Digitale Umsätze wachsen – aber immer noch auf so niedrigem Niveau, dass das wegbrechende Stammgeschäft nicht kompensiert werden kann.

Wie ich gestern hier dargelegt habe, gelingt dies nicht einmal der altehrwürdigen „New York Times“: Trotz massiven Ausbaus des Digitalgeschäfts mit einer Umsatzverdopplung in den vergangenen sechs Jahren stagnieren die NYT-Gesamterlöse aber seit fast einer Dekade.

Und das, obwohl die NYT als englischsprachiges Medium mit weltweit rund einer Milliarde Native Speakern einen um mindestens den Faktor 10 größeren Markt adressiert, als ihn je auch nur ein einziges deutschsprachiges Medium erreichen könnte.

Vor diesem Hintergrund sehe ich – sonst eigentlich notorischer Optimist – die Zukunft der hiesigen Medienbranche eher skeptisch. Ja mehr noch – bisher konnten die Verlage viele Auswirkungen der Digitalisierung durch Zusammenlegungen, Übernahmen, Redaktionsauslagerungen und Vorruhestandsprogramme noch relativ geräuschlos abfedern.

Ich fürchte, in nicht allzu ferner Zukunft wird damit Schluss sein: Der ganz große Knall steht der deutschen Medienbranche – vor allem den Regionalverlagen – noch bevor.

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