Medienwandel: Die „New York Times“ verdoppelt Digital-Umsatz in sechs Jahren, ABER…

Trotz boomenden Digitalgeschäfts kann selbst Vorreiter NYT die schwindenden Printerlöse nur gerade so abfangen – der Gesamtumsatz stagniert seit Jahren.

Anfang Mai berichtete die „New York Times“ (NYT), die sich selbst ja als Vorreiter in Sachen Digitalvertrieb von journalistischen Inhalten sieht, auf den ersten Blick vielversprechende Zahlen.

Demnach verzeichnete die NYT im ersten Quartal dieses Jahres bei digitalen Abonnenten ein sattes Plus von 308.000 neuen Abschlüssen – laut eigener Aussage das größte jemals in einem Vierteljahr erzielte Wachstum in jenem Bereich überhaupt.

Quelle: NYT/Recode

Insgesamt verfünffachten sich die Umsätze von digitalen Subskriptionen zwischen 2011 und 2016 auf 233 Millionen Dollar; zusammen mit einem leicht gestiegenen Online-Anzeigengeschäft verdoppelte sich der gesamte Digital-Umsatz der NYT binnen sechs Jahren auf insgesamt 442 Millionen Dollar.

So weit, so positiv. Bezogen auf den Gesamtkonzern herrscht dagegen weiter eine enorme Kluft zwischen Digital- und Printumsätzen. So war das gesamte Printgeschäft – bestehend aus Zeitungs-Abonnements sowie Anzeigen in der gedruckten NYT – im gleichen Zeitraum um 18 Prozent auf kann über einer Milliarde Dollar.

Quelle: NYT/Recode

Bezogen auf den Gesamtumsatz bedeutet dies freilich: Der Übergang von einem anzeigen-basierten auf ein subskriptions-basiertes Erlösmodell konnte zwar den Umsatzeinbruch stoppen. Seit knapp zehn Jahren – also dem Einbruch im Zuge der weltweiten Finanzkrise – pendelt der NYT-Umsatz um die 1,6 Milliarden Dollar.

Angesichts solcher Zahlen stellt sich die Frage: Wenn selbst der weltweite Vorreiter bei der digitalen Transformation den Medienwandel „nur“ so gestaltet, dass er gerade einmal so nicht schrumpft – welche Chancen haben Medien in kleineren Märkten dann überhaupt, von der Digitalisierung zu profitieren?

Ich fürchte fast, ein Teil dieser Antworten würde die Medienindustrie verunsichern…

Verwandte Artikel:

Google & Facebook als Retter des Journalismus – den Bock zum Gärtner machen

Die 1. und die 2. Apokalypse der Medien – und was sie für die Verlage bedeuten

Preisverfall bei Google-Anzeigen: So kaputt ist der Markt für Online-Werbung

Google Epic oder Googlezon – ein alternativer Blick auf die Medienkrise

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*