Krokers RAM: Rocket Internet ist die Magie abhanden gekommen!

Mein Rant am Morgen: Warum reagieren die Berliner Startup-Fabrik und deren Gründer Oliver Samwer gar nicht auf den Teilrückzug des langjährigen Partners Kinnevik? Samwer kann nicht einfach so weitermachen wie bisher.

Gerade mal drei Wochen ist es her, dass der langjährige Partner und Großinvestor von Rocket Internet – der schwedische Risikokapitalgeber Kinnevik – überraschend die Hälfte seines Aktienpakets an den Berlinern auf den Markt geworfen hat.

Kinnevik selber hat den Grund für den Teilrückzug mit einem Interessenkonflikt begründet, weil die Geschäftsmodelle zu ähnlich geworden seien. Schon im vergangenen Jahr hatte Rocket-Gründer & CEO Oliver Samwer den Startup-Inkubator heimlich, still und leise in Richtung Beteiligungsgesellschaft gewandelt.

Von alledem hört man bei Rocket allerdings keine offiziellen Stimmen, wie meine Kollegen Melanie Bergermann, Henryk Hielscher & ich in der Titelgeschichte der heute erscheinenden neuen „WirtschaftsWoche“ analysieren.

WirtschaftsWoche Ausgabe 12/2017

Titel WirtschaftsWoche 12/2017

Die Begründung für das beharrliche Schweigen aus dem Rocket-Tower in der Hauptstadt: An der Ausgangslage der Rocket-Gesellschaften – allen voran dem Kochboxenversender Hello Fresh sowie dem Essenslieferdienst Delivery Hero – habe sich operativ nichts geändert.

Eine der Folgen dieses Einigelns nach dem Kinnevik-Ausstieg: „Rocket ist in die einstige Operrolle wie bei der Blitzkrieg-Mail zurückgefallen“,  sagt ein ehemaliger hochrangiger Rocket-Manager, der nicht namentlich genannt werden möchte. Hintergrund: Ende 2011 sickerte eine interne E-Mail von Samwer durch, in der er die Rocket-Truppen zu Höchstleistungen anstacheln wollte und unter anderem vom „aggressivsten Plan der Geschichte“ sowie vom „Blitzkrieg“ auf die Konkurrenz schrieb. Im Nachgang musste sich Samwer für die aggressive Wortwahl entschuldigen.

Der vielleicht wichtigste Knackpunkt der vergangenen Monate ist jedoch: Dem einstigen deutschen Vorzeige-Internet-Konzern ist die Magie abhanden gekommen, wie es der einstige Rocket-Manager ausdrückt: „Früher hat sich die ganze Gründer-Szene im Land gefragt, was Oli und Rocket als nächstes machen – das fehlt, diese Phantasie ist verloren gegangen.“

Damit nicht genug: Das negative Image von Rocket und Oli Samwer behindert inzwischen gar den Einstieg in neue attraktive Beteiligungen: „Ich würde von denen nur als allerletzte Option Geld nehmen“, sagt der Gründer eines Berliner Startups, der anonym bleiben will. „Ich möchte nicht mit Rocket assoziert werden.“ Auch das war mal ganz anders, als Samwer von neuen Geschäftsmodelle quasi im Tagesrythmus überhäuft wurde.

Oli Samwer – so sehen es Bewunderer wie Kritiker – kann Rocket jedenfalls nicht einfach so weitermachen lassen wie bisher. Vielleicht ist der Einstieg eines Langfristinvestors wie dem Staatsfonds von Katar am Rocket-Hoffnungsträger Hello Fresh ja ein Anfang.

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