Krokers RAM: Die deutsche Start-up-Szene – derzeit ein Trauerspiel

Mein Rant am Morgen: Bei der finanziellen Ausstattung von jungen Unternehmen war der Abstand von Deutschland auf die USA bereits enorm – und ist zuletzt sogar noch gewachsen. Große Deals sind derzeit weit und breit nicht in Sicht.

Diese Woche hatte für die Start-up-Szene in Deutschland wahrlich keine guten Nachrichten parat: Laut Berechnungen von Ernst & Young ist im vergangenen Jahr das hierzulande vergebene Risikokapital um fast ein Drittel auf 2,2 Milliarden Euro zurück gegangen.

Mehr noch: Das im Jahr 2015 auf den Spitzenplatz als europäische Start-up-Hauptstadt gerückte Berlin hat seine Europa-Krone wieder verloren: Mit London, Paris und Stockholm sind gleich drei Städte an der Spreemetropole vorbeigezogen.

Große Deals, seien es Finanzierungsrunden, seien es Börsengänge, sind in Ermangelung von deutschen Pendants zu Einhörnern wie AirBnB oder Uber weit und breit nicht in Sicht. Der letzte wirklich große Gang aufs Parkett – durch den Online-Modeversender Zalando – datiert auf Oktober 2014, ist also fast zweieinhalb Jahre her.

Selbst der Nachschub aus der Start-up-Fabrik Rocket Internet stockt seitdem – Oli Samwer ist es trotz vieler Bemühungen bisher nicht gelungen, Zalando-Nachfolger wie etwa den Kochboxenversender HelloFresh oder – als größter Hoffnungsträger – den Online-Lieferdienst Delivery Hero börsentauglich zu machen.

Praktisch alle anderen deutschen Protagonisten rangieren „unter ferner liefen“. Dies zeigte sich übrigens nicht zuletzt am Fehlen von Start-ups und Vordenkern auf der deutschen Digital-Konferenz DLD im Januar, wie ich seinerzeit auch an dieser Stelle moniert hatte.

Wobei das rückläufige Risikokapital für die Szene langfristig viel bedenklicher ist: Schon in der Vergangenheit war der Abstand bei der finanziellen Ausstattung der hiesigen Start-ups im Vergleich vor allem zu den USA riesig. Statt abzunehmen dürfte er nun sogar noch zugenommen haben. Die deutsche Start-up-Szene – derzeit ein Trauerspiel.

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Alle Kommentare [3]

  1. Wo keine Pflege, da kein Wachstum.
    Es ist sehr einfach festzustellen, dass deutsche StartIp’s oder innovative Unternehmen generell den amerikanischen in verschiedenen Punkten hinterherlaufen.
    Wichtige ist, denke ich, die Frage nach dem „Warum“.

    Solange in Deutschland nicht die Idee, das Konzept,die Personen sondern die
    Sicherheiten zur Finanzierung wichtiger sind, werden nur die Geschäftsmodelle gefördert, die in klassische Denkmuster von Banken und Kreditinstituten passen.
    Ich selbst versuche seit ca. 12 Monaten Risikokapital zu bekommen.
    Trotz erstklassiger Bewertungen und Erfolgsaussichten, Untermauerung durch Forrester Studien und ersten Kundenrojekten…..Seedkapital…Fehlanzeige.
    Das bewegt mich nun dazu auf dem amerikanischen Markt tätig zu werden um dort nach Seed_capital zu suchen;mit dem Risiko auch selbst ein „amerikanisches“ Unternehmen zu werden….s.o.

  2. „Trauerspiel“ trifft leider den Nagel auf den Kopf. In den USA werden nur in sehr seltenen Fällen weniger als 5 Mio. Dollar investiert, davon sind wir in Deutschland noch meilenweit entfernt. Man investiert lieber Kleinbeträge und wundert sich dann, dass Startups nach einiger Zeit wieder die Türen schließen. Einige Unternehmen benötigen einfach Zeit, um sich auszuprobieren und sich auf dem Markt zu platzieren. Um diese Zeit zu überstehen benötigt man nunmal gewisse finanzielle Mittel, die man in Deutschland leider nur selten zugesprochen bekommt..

  3. Interessanter Beitrag. Weitere Statistiken zeigen, dass die Zahl der neu gegründeten Unternehmen (rund 300.000) aufgrund 348.000 Liquidationen rückgängig gemacht wurde (Quelle: https://www.unternehmerich.de/Startup-Gruendung.html ) Außerdem, um die Situation zu ändern, soll der Mut zum Scheitern, vor allem bei jungen Meschen, gefördert werden…