Krokers RAM: Warum Deutschland digital #immmr weiter zurückfällt

Mein Rant am Morgen: Statt die eigene Kreativität auszuleben und sich auf eigene Stärken zu konzentrieren, kupfern deutsche Konzerne für viel Geld bei US-Vorbildern ab.

Das kommt also heraus, wenn ein deutscher Großkonzern ein 70-köpfiges Team zwei Jahre lang für geschätzt mindestens 10 Millionen Euro im Verborgenen tüfteln lässt, auf der Suche nach „dem nächsten großen Ding“: Eine mobile Messaging-App von der Deutschen Telekom namens Immmr (mit drei „m“).

Ein Messenger, ein Angriff auf WhatsApp, Skype & Co. – und das im Jahr 2016, wohlgemerkt! Zur Einordnung: Als Facebook-Chef Mark Zuckerberg sich WhatsApp Anfang 2014 für 19 Milliarden Dollar unter den Nagel riss, war der Messenger etwas mehr als vier Jahre alt – und hatte gerade mal 50 Mitarbeiter. Dennoch erreichte WhatsApp seinerzeit schon gut 450 Millionen Nutzer weltweit.

Der WhatsApp-Klon der Telekom soll dagegen starten in – Trommelwirbel – der Slowakei. „Immmr, eine Totgeburt powered by Deutsche Telekom“ hat der geschätzte Ex-Kollege Thomas Knüwer seinen gestrigen Rant lakonisch überschrieben. Dem stimme ich vorbehaltlos zu – und dem ist eigentlich auch nicht viel hinzuzufügen.

Außer dem folgenden: Wenn die Geschichte nicht so traurig wäre, wäre sie eigentlich zum Lachen. Ist sie aber nicht. Nicht nur, dass sich der jüngste Telekom-Vorstoß sich einreiht in eine lange Reihe von digitalen Flopps aus Deutschland – von den Messengern Joyn über SIMSme bis zur vermeintlich sicheren deutschen E-Mail De-Mail.

Vielmehr wirft der Digital-Knaller dieser Woche ein geradezu gleißendes Schlaglicht darauf, warum Deutschland digital #immmr weiter zurückfällt: Statt die eigene Kreativität auszuleben und sich auf eigene Stärken zu konzentrieren, kupfern deutsche Konzerne für viel Geld bei den US-Vorbildern ab.

Das gilt für Großunternehmen wie die Telekom und viele andere. Aber auch ein Blick in die vielgerühmte Startup-Szene Berlins zeigt: Der wirklich große Zampano dort heißt Oliver Samwer – selbsterklärter Kopierer von bereits funktionierenden Geschäftsideen in den USA, ob sie nun Zappos bei Zalando oder Airbnb bei Wimdu heißen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wie da eine deutsche Digitalwirtschaft entstehen soll, die diesen Namen auch verdient, steht in den Sternen. Deutschland, Deine Innovationskultur ist ein Trauerspiel!

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Alle Kommentare [6]

  1. Da paart sich der grundsätzliche Kulturpessimismus der journalistischen Zunft mit der Ausblendung von offensichtlichen Erfolgen, die wir auch in der Digitalen Transformation der deutschen Wirtschaft und Verwaltung beobachten können. Ich bin dabei, wenn es darum geht zu sagen, es geht nicht schnell genug und die Anstrengungen müssen vervielfacht werden. Aber abgerechnet wird zum Schluss. Jede Branche wird in den kommenden fünf Jahren von starken disruptiven Kräften erfasst und wir stehen erst ganz am Anfang des Prozesses. Ich kenne keine deutsche Vorstandsetage, die nicht hochsensibilisiert auf diese Veränderungen ist. Ob die Telekom mit ihrem Messanger die Welt retten wird, kann man zurecht bezweifeln. Aber Innovationen entstehen nun mal auch durch ein Try and Error. Ich erinnere mich an die giftigen Kommentare in der Frühzeit von Google, als es überhaupt für unmöglich gehalten wurde, ein Unternehmen könne „allein mit Werbung“ wirtschaftlich erfolgreich sein. Google hat es der Welt gezeigt. Ich gönne es der Telekom wie allen anderen, die sich bewegen, auch. Ein #DigitalesWirtschaftswunder kommt.

  2. Ein bißchen Sarkasmus zum Wochenende schadet nicht.
    @Kroker hat schon recht dass hier viel abgekupfert wird.
    Die wichtige Kombination aus genialer Business Idee, gute Implementierung und gelungenem Marketing-Konzept ist verdammt selten in Deutschland.
    Es gibt in Berlin und auch an anderer Stelle in Deutschland schon eine Menge guter Idee, aber entweder ist die Implementierung schlecht oder das Marketing geht schief. Deshalb ist diese Wahrnehmung schon verständlich.
    Es würde mich aber trotzdem freuen, wenn dann zum Wochenbeginn wieder gute Laune aufkommt und mal richtig Innovative Cloud-Dienste wie http://www.Circuit.com ein Lob bekommen. Mit einer halben Million zahlender Kunden ist das nämlich ein Dienst der sich trotz Start-Up feindlicher Umgebung in Deutschland traut, die Dinge anders als die amerikanischen Konkurrenten zu machen.

  3. Beim lesen des Textes war mein erster Gedanke „schlappe zweitverwertung“ der exzellent geschrieben Knüwer Zeilen. Der Eindruck passt irgendwie zum Thema:)
    Stefan Ried hat mit seinem Kommentar schon recht. Circuit ist schlicht toll, kennt nur kaum einer aus der Journalistenecke. Ist halt nicht der Neuste Schrei aus anderswo

  4. Stimmt alles – die Telekom kann es nicht!

    Aber:
    Wir hatten bereits 2012 eine echte und weltweit patentierte Innovation „Made in Germany“ im Markt; eine App die weltweites mobiles Telefonieren kostenlos über das klassische Mobilfunknetz PLUS über VoIP möglich machte – also IMMER und ÜBERALL, statt nur manchmal wenn beide Seiten gutes mobile VoIP haben.

    Kein deutscher Journalist mochte dem Thema eine Zeile widmen. Und wir hatten immerhin den ehemaligen Assistenten von Angela Merkel als PR-Berater.

    In D stimmt die ganze App-Kultur nicht – deshalb ist Abkupfern á la Rocket Internet im Grunde das einzig mögliche Modell um Investoren und Medien zu bewegen.

    Wobei das niemals so richtig groß werden kann.

    Ist man ehrlich innovativ, ist man hierzulande „zu verrückt“, und muss verschwiegen werden.

    Ich habe 1994 den ersten OTTO-Katalog auf CD und 2000 den ersten echten digitalen MP3-Sender auf die Welt gebracht. Ich weiss also wovon ich schreibe.
    😉

  5. Deutschland ist aber auch ein Trauerspiel, was IT und Digitalisierung betrifft. Strenge Gesetzgebung und viel Regulierung machen es jungen Entwicklern schwer Fuß zu fassen. Wird gegründet, dann bevorzugt im DE/ EU Ausland.
    Etablierte Unternehmen ruhen sich lieber auf ihren vergangenen Erfolgen oder im Fall der Telekom auch gerne mal auf staatlichen Förderungen aus, anstatt wirklich Geld in die Hand zu nehmen, um die Digitalwirtschaft voran zu treiben.
    Von einer Regierung mit dem selbst auf die Fahnen geschriebenen Motto #Neuland braucht man kaum Intervention zu erwarten.

    @Meyer: Wow, die Telekom hat VoIP entdeckt, ist ja auch ein vollkommen neues Konzept.. Also, die ersten VoIP-Lösungen wurden ja erst 1994 entwickelt. Ich sehe da weder technisches Raffinesse noch einen hohen Innovationsgrad.
    Allgemein kann man die Funktion von immmr mit jeder halbwegs brauchbaren Telefonanlage (z.B. der kostenlosen Asterisk Software) nachbauen. Konkret ist das vielleicht eine Hand voll Regeln. Kurz gesagt: Es ist nichts, was nicht jeder TK-Provider oder Enthusiast über Nacht aus dem Boden stampfen könnte.
    Die geschätzten 10 Mio. Euro wären im Breitbandausbau besser aufgehoben. So hat die Telekom mal wieder versucht Ameisen mit dem Orbitallaser zu tätowieren.