Digitale Transformation: 40 Prozent der Fortune-500-Firmen verschwinden in nächster Dekade

Schon seit dem Jahr 2000 ist in den USA die Hälfte der großen Unternehmen verschwunden – weil die Veränderungsgeschwindigkeit dramatisch zugelegt hat.

Nach meinem Sommerurlaub geht’s heute mit einem netten Schmankerl los: Einer der vielleicht größten Business-Irrtümer, den ich auch hier im Blog schon ausführlich behandelt habe, war die Prophezeihung des damaligen Microsoft-CEO Steve Ballmer von Mitte 2007, die er auch im Interview mit mir für die „WirtschaftsWoche“ explizit so geäußert hat: „Das iPhone wird sich nicht sonderlich verkaufen!

Nicht nur, dass Ballmer mit der Vorhersage total daneben gelegen hat: Auch all seine späteren, eher verzweifelt anmutenden Bemühungen, den Rückstand auf Apple noch irgendwie aufzuholen, scheiterten grandios: Sei es durch den Kauf der bereits heruntergewirtschafteten Handy-Sparte von Nokia, sei es mit eigenen Smartphones – die Handy-Sparte von Microsoft gleicht einem Wachkoma-Patienten.

Dieser sogenannte Autoritäts-Irrtum kommt in der Wirtschaft recht häufig vor, auch und gerade in der IT-Industrie: Man denke etwa an die Prognose von IBM-Gründer Thomas Watson, der im Jahr 1943 meinte, der weltweite Markt für Großrechner betrage bestenfalls fünf Geräte.

So weit, so witzig – allerdings: Die digitale Transformation der gesamten Wirtschaft sorgt aktuell für eine dramatische Beschleunigung der Veränderungsgeschwindigkeit – und wirft teilweise gar die Geschäftsmodelle ganzer Branchen über den Haufen wirft, siehe etwa die Musik- oder Medienindustrie.

Die Folge: Irrtümer wie die von Ballmer oder Watson sind heute viel weitreichender als noch vor wenigen Jahren – und können schlimmstenfalls zum Aus eines Unternehmens führen. Bestes Beispiel dafür ist Nokia: 2007 meinten die Finnen noch, die Übernahme von Android durch Google sei keine Bedrohung ihres Geschäfts. 2013, nur sechs Jahre später, mussten sie das Handy-Geschäft an Microsoft verkaufen.

Kaum verwunderlich also, dass Marktbeobachter in der kommenden Dekade noch deutlich größere Verwerfungen in der Wirtschaft ausgelöst durch die digitale Transformation erwarten: So sollen laut Schätzungen von MIT-Wissenschaftlern bis zum Jahr 2025 rund 40 Prozent der heutigen Fortune-500-Firmen verschwinden.

Dass dies hinkommen könnte, beweist ein Blick in den Rückspiegel: In den USA ist seit dem Jahr 2000 gut die Hälfte der Fortune-500-Firmen verschwunden – Hauptauslöser auch hier vor allem die Digitalisierung.

Weitere Prognosen für die Auswirkungen der digitalen Transformation in den nächsten zehn Jahren in der folgenden Infografik:

Quelle. Creative Construction

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Alle Kommentare [8]

  1. Ich bin gespannt, wann die digitale Transformation die klassische Automobilindustrie und den Maschinenbau erreicht und zum erliegen bringt. Sollten z.Bsp. in den kommenden 3 bis 4 Jahren die Akkus für Autos eine Reichweite von 600-1000 km erreichen, und einen Run auf Elektroautos auslösen, dann werden sich wohl einige Hersteller und vor allem Zulieferer verabschieden. Die Folgen werden wohl dramatisch sein.

  2. Guten Tag,

    VORAB:
    Ich mag ungern Berichte die mit dem Blick in die „Glaskugel“ erstellt werden, dass überlassen wir lieber mal den „Wahrsagern+Gauklern“ 😉

    JA:
    Es wird schon in den nächsten Jahren (geschätzt 2-5) eine starke Marktbereinigung eintreten und davon sind bestimmt auch viele Großunternehmen betroffen, nur auf die Top bezogen finde ich, das.dies vermessen ist, wie schon erwähnt Glaskugel.

    NEIN:
    Rückblickende Vergleiche aus der.Vergangenheit sind meiner Meinung nach hier der falsche Ansatz, wer weiß den schon was die Zukunft bringt 😉

    „Reitest du noch oder fährst du schon“ (wie vor ca. 115 Jahren)

    JEIN:
    Europa ist nicht Amerika!
    Die Denke von den Geschäftsmodellen liegt beim Amerikaner ganz anders als beim Europäer, dass ich hier nicht als negativ bewerten möchte, die jedoch einfach nur anders sind „risk and chance“

    INDUSTRIE 4.0 und alle damit verbundenen Ausprägungen (IoT, Arbeiten 4.0, Lernen 4,0, Denken 4.0, und viele mehr…) sollte meiner Meinung nach einfach nur als Synonym für „Chance“ stehen.

    PS: an alle Glaskugelbetrachter,
    bitte nicht schon Industrie 5,0 sehen;)

    CANCHEN nutzen, Veränderungen zulassen, Zukunft gestalten und nicht nur (nach Vergangenheits-werten) verwalten.

    FORTSCHRITT entsteht nicht durch Rückschritt und Aussitzen.
    „den letzten werden die Hunde beißen“ das.war.auch schon vor.hunderten von Jahren so.
    Rückblick ja um vergangenes besser zu machen.

    So und jetzt ist Schluss, ach ja, noch eins, an alle Rechtschreib-und Satzzeichenspezialisten. die Fehler habe ich extra für euch gemacht 😉

    Ich wünsche allen noch einen guten Start, in den schönen und sonnigen Donnerstag.

    Viele Grüße
    Markus

  3. Bei allen anderen wäre ich mir nicht sicher, aber mit Sicherheit könnte ich Charles H. Duell sagen, dass er garantiert falsch daneben liegt. Bei der Tatsache, dass die Menschheit bei einer Milliardstel des Technologiestands steht, wird es noch Milliarden von Erfindungen geben.

  4. Im Zeitalter der Digitalisierung kann Größe ein wirkliches Hinderniss sein. Mir fehlt absolut nicht der Glaube an die Zahlen. Es ist durchaus realistisch, dass 40% der Fortune 500 verschwinden. Aber die Digitalisierung ist nicht der einzige Grund dafür. Schon jetzt sind in vielen Branchen die Auswirkungen der gesättigten Märkte und schwindenden Ressourcen zu merken. Aus meiner Sicht liegen weitere Ursachen.

    Vielmehr kann die Digitalisierung dazu beitragen, dass viele dieser Firmen länger überleben, sofern Sie nicht zu fest an Ihren bisherigen Geschäftsmodellen hängen. Eines der besten Beispiele, was das Klammern an bestehende Geschäftsmodelle angeht, findet sich ja hierzu Lande.

    Die großen Energiekonzerne, die mit Kohle und Atomstrom Ihr Geld verdienen, tun sich schwer beim Umstieg auf erneuerbare Energien. Zudem haben die neuen Konkurrenten den Vorteil sich nicht um die Altlasten kümmern zu müssen. Bestehende Global Player müssen nicht nur neue Technologien einführen. Sie müssen eventuell alte beseitigen. Das gleiche gilt für das Personal. Will man mit den Startups Schritt halten, ist man gezwungen beim Personal hart durchzugreifen. Das ist sicher nicht mit einer familienfreundlichen Personalpolitik zu vereinbaren.

    Fakt ist, dass die Digitale Transformation, wie jeder Megatrend große Herausforderungen mit sich bringt. Besonders große Unternehmen, wie die Fortune 500, mit Geschäftsmodellen, die älter als ein Jahrzehnt sind, tun sich schwer beim Strategieschwenk. Da haben agile Unternehmen aus dem Mittelstand enorme Vorteile. Gerade weil sie nicht Marktführer sind, ist die Anpassung an sich verändernde Marktbedingungen schon seit Jahren Teil Ihres Geschäftsmodells.

  5. Da sieht man mal ganz deutlich, dass die meisten CEO’s ihr überdimensionales Gehalt nicht ‚verdienen‘.

  6. Wasser auf meine Mühle: Das Geschwätze über „Startups“ sollte aufhören. Wir brauchen Unternehmen mit Substanz, natürlichem Wachstum und langfristiger Innovationsfähigkeiten und keine 4 Tage hippe Killerapp.

  7. Ich kann mich nur dem Gedanken von Herrn Andrejic anschließen. Vor allem bei der klassischen Automobilindustrie wird man die Folgen sehen, es sei denn, dass die Lobby den Fortschritt weiter verhindert…