Ist Windows Phone tot? Eher der Wachkoma-Patient in der Cloud-Strategie von Microsoft

Das Geschäft mit Lumia-Smartphones hat sich binnen Jahresfrist halbiert. Welche Zukunft hat das Mobil-Geschäft von Microsoft jetzt noch?

Ende der vergangenen Woche hat Microsoft seine Geschäftszahlen für das Weihnachtsquartal 2015 vorgelegt. Spannend neben den Umsätzen etwa des Office- oder des Cloud-Geschäfts: Wie schlägt sich die von Nokia übernommene Smartphone-Sparte?

So hat Microsoft zwischen Oktober und Dezember 2015, dem zweiten Quartal des seit Juni laufenden Geschäftsjahres, insgesamt nur noch 4,5 Millionen Lumia-Smartphones verkauft – und damit einen Umsatz von etwas über einer Milliarde Dollar erzielt:

Das entspricht beim Umsatz einem Einbruch von gut 50 Prozent – und sogar mehr als eine Halbierung gegenüber dem Vorjahr: So konnte Microsoft im Weihnachtsquartal 2014 noch 10,5 Millionen Lumias absetzen – entsprechend bitter das Bild im Smartphone-Geschäft seit der Übernahme Mitte 2014:

Quelle: Jackdaw Research

Windows Phone sei damit praktisch tot, unkte am vergangenen Freitag bereits das amerikanische Hightech-Portal „The Verge“. Denn wie krass der Einbruch von 57 Prozent beim Absatz wirklich sei, zeige sich daran, dass selbst ein PLUS von 57 Prozent für das Ökosystem von Windows Phone derzeit zu wenig sei, um die meilenweit enteilten Rivalen Google Android und Apple iOS auch nur nennenswert aufzuholen.

Eine gute Beschreibung für die Situation der Plattform hat Axel Oppermann kürzlich in einer Diskussion auf Facebook gebracht: „Windows Phone ist ein Wachkoma-Patient dessen Genesung für den Markt (andere Anbieter, Kunden, etc.) irrelevant ist; für die nächsten Angehörigen wie Microsoft aber nicht – bzw. noch nicht“, so der Chef und Gründer des IT-Marktbeobachtungshauses Avispador aus Kassel.

In der Tat: Seit dem Start Ende 2011 hat Windows Phone laut Berechnung von Benedict Evans, Mobil-Experte beim US-Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz, insgesamt 110 Millionen Einheiten abgesetzt. Android und iOS kamen im gleichen Zeitraum zusammen auf 4,5 Milliarden Geräte.

Dieser Rückstand ist laut Oppermann für Microsoft einstweilig dennoch kein Riesenproblem – denn es geht den Redmondern gar nicht um das Smartphone-Geschäft: „Für Microsoft geht es in Bezug auf Windows Phone nicht darum, es zum Leben zu erwecken. Vielmehr muss die gesamte Windows-Story und das aufkommende IoT-Geschäft gewonnen werden – hierzu zählt eine ganzheitliche Geschichte“, so Oppermann.

Anders ausgedrückt: Für Microsoft ist die Abhängigkeit vom Segment Betriebssystem in den letzten Jahren deutlich gesunken – 2010 war es noch gut 30 Prozent, 2015 bei gestiegenem Umsatz nur noch 15 Prozent. „In Summe spielt die Umsatz und Wachstumsmusik also in anderen Bereichen – zum Beispiel im Segment Intelligent Cloud“, sagt Oppermann. „Und da ist es egal, ober der Umsatz durch ein Windows Phone oder iOS getrieben/ausgelöst wird.“

Spannende Analyse, die auch von meiner Warte aus viel Sinn ergibt. Das erklärt jedenfalls auch, warum Microsoft etwa bereits viel Energie darauf verwendet hat, den Megaseller Office auch auf Android und iOS zu portieren – letztlich ein vergleichbarer Ansatz.

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