Höhere Bildungsschichten dominieren soziale Netzwerke – nur in Deutschland nicht

In fast allen Ländern Europas sind höher Gebildete auf Facebook, Twitter & Co. überrepräsentiert. Nur hierzulande sind sie skeptischer als niedrig Gebildete.

Dass Deutschland in Sachen Social Media unter den Industrienationen eine Sonderrolle einnimmt, habe ich hier im Blog ja schon desöfteren beschrieben. So liegt die Penetrationsrate der größten sozialen Netzwerke bei gerade mal 35 Prozent – Welten entfernt unter anderem von Großbritannien und den USA mit jeweils knapp 60 Prozent.

Die OECD hat jetzt auf ein weiteres deutsches Paradoxon hingewiesen: In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben die Marktforscher die Nutzung von Social Media abhängig vom Bildungsgrad ermittelt – und das in einem innereuropäischen Ländervergleich.

Das Ergebnis: Nicht nur, dass Deutschland – wie erwartet – insgesamt auf dem letzten Platz aller betrachteten Staaten liegt. In praktisch allen Ländern dominieren die höheren Bildungsschichten – gemeint sind Menschen mit Hochschulabschlüssen und von Berufsakademien – die sozialen Netzwerke. Umgekehrt partizipieren dort weniger Gebildete (bis Realschulabschluss) in geringerem Maße.

Beispiel Spitzenreiter Türkei: Dort zählen 70 Prozent der Nutzer von Facebook, Twitter & Co. zu Gruppe der höher Gebildeten, und nur knapp 20 Prozent zu den niedrig Gebildeten. Ähnlich die Situation – wenn auch nicht ganz so ausgeprägt – bei Ländern wie Griechenland, Portugal oder Großbritannien.

Deutschland ist dagegen das einzige Land, in dem höher Gebildete signifikant skeptischer bezüglich Social Media sind: Hierzulande stammen nur knapp 40 Prozent aus jener Gruppe – dafür zählen aber gut 50 Prozent in den sozialen Netzwerken zu den weniger Gebildeten:

 Quelle: OECD/Eurostat

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Alle Kommentare [3]

  1. Eine mögliche Erklärung – wie hier im Beitrag angeführt – ist der Umstand, dass in Deutschland die Gebildeten etwas skeptischer im Bezug auf Social Media sind. Alternativ wäre aber auch der Schluss möglich, dass der Anzahl an gebildeten je 100 Internetnutzer in allen Ländern vergleichbar ist – aber in Deutschland deutlich mehr ungebildete die Möglichkeit haben, Social Media zu nutzen. Aus welchen Gründen auch immer. Macht das Sinn?

    Viele Grüße
    Henry

  2. Österreich wird etwa gleich auf mit Deutschland und Schweiz sein. Das Bild wird in Österreich dadurch verzerrt, weil sehr viele deutsche Studenten den Numerus Clausus in D umgehen und in Österreich studieren.
    So gesehen kann man diese ohne weiteres zu den low formal educated zählen und die Ergebnisse werden etwa gleich mit CH und D sein – Glücklicherweise gesunde Skepsis.

  3. Ich finde den Text zu der Grafik etwas missverständlich.

    „Deutschland ist dagegen das einzige Land, in dem höher Gebildete signifikant skeptischer bezüglich Social Media sind: Hierzulande stammen nur knapp 40 Prozent aus jener Gruppe – dafür zählen aber gut 50 Prozent in den sozialen Netzwerken zu den weniger Gebildeten.“

    Was die Grafik tatsächlich aussagt, ist, dass bei den höher Gebildeten, der Anteil derer, die Social Media nutzen geringer ist (40%), als bei weniger Gebildeten. Dort nutzen 50% Social media.

    Es bedeutet also NICHT, dass von den Social Media Nutzern, 40% höher und 50% weniger gebildet sind.