In eigener Sache: Die Story über die Berliner Startup-Szene hat einen wunden Punkt getroffen

Meine Erwiderung zu der Kritik an meiner jüngsten WiWo-Story zur Szene der Internet-Gründungen in der Hauptstadt.

Selten in meinen nunmehr fast 14 Jahren als Redakteur bei der WirtschaftsWoche hat eine Geschichte von mir eine derartige Welle von Reaktionen losgetreten: Die Rede ist von meiner Analyse der Berliner Startup-Szene und dem neuen Realismus, der wegen erster Pleiten und Notverkäufe nun dort einzieht.

Die Story auf wiwo.de trug den Titel: „Die Party bei den Berliner Startups ist vorbei„, im Heft lief die Geschichte so:

Aufmachung der Startup-Story in WiWo 7/2014

Seit vergangenem Donnerstag steht die Geschichte online auf WiWo.de, am Wochenende ist die Diskussion dann zunächst via Twitter hochgekocht. Insbesondere Ciarán O’Leary vom Risikokapitalgeber Earlybird, der unter anderem an 6Wunderkinder beteiligt ist, hat sich da mit mir gestritten (schön dokumentiert von Gründerszene.de).

Am Montag hat O’Leary dann eine längliche Replik bei der deutschen „Huffington Post“ veröffentlicht. Der Tenor: Die WirtschaftsWoche, ja die deutsche Presse insgesamt, verstehe die Startup-Szene nicht, weil das Scheitern von 70 Prozent der Gründungen oder mehr normal sei und zum Tagesgeschäft gehöre.

Ins gleiche Horn hat gestern Matti Niebelschütz geblasen, Gründer des in meiner Story erwähnten Startups MyParfum, das letztes Jahr in die Insolvenz gerutscht ist. Seiner Meinung nach habe die WiWo eine „besondere gesellschaftliche Verantwortung“ und transportiere mit der Analyse die Botschaft „Gründen in Deutschland lohnt sich nicht“.

Mal ganz abgesehen davon, dass O’Leary als VC natürlich noch eine eigene Agenda hat, eben weil auch seine Beteiligungen von „guter Presse“ profitieren: In ihren Statements zeigen beide Kritker zudem ein völlig anderes Verständnis von Journalismus. Natürlich liegt der WiWo als führendem deutschen Wirtschaftsmagazin die hiesige Gründerszene am Herzen. Das beweisen wir etwa mit einem jährlich ausgeschriebenen Gründerwettbewerb und der eigenen Gründerkonferenz „Neumacher“ in Hamburg.

Keine wohlwollende Begleitung

Journalismus heißt aber in unseren Augen eben nicht „wohlwollende Begleitung“, so wie es O’Leary und Niebelschütz offenbar gerne hätten. Ganz im Gegenteil: Gerade dass wir auch auf Fehlentwicklungen oder sonstige Negativ-Aspekte innerhalb der Startup-Szene hinweisen, ist ein zutiefst journalistischer Ansatz.

Und genau das haben wir mit der aktuellen Geschichte getan. Dass 7 von 10 Startups scheitern müssen, weil das zum System gehört, macht das Scheitern der Betroffenen ja nicht weniger berichtenswert – zumal wenn es sich um einstige Vorzeigeunternehmen der Szene wie eben Amen oder Gidsy handelt.

Im übrigen ist die Geschichte, wiewohl Magazin-typisch zugespitzt, eben doch ausgewogen: Wir haben nirgends behauptet, Gründen würde sich nicht lohnen. Und ebenfalls nicht geschrieben, dass der Startup-Boom nun am Ende sei. Wieso auch: Erst vor anderthalb Jahren hat die WiWo selber die Internet-Gründerszene an der Spree ausführlich beschrieben – als „Himmel auf Erden für Startups“.

Soviel also zum Vorwurf der Nicht-Ausgewogenheit. Aber: In einer Szene, die bisher nur das Gefühl kannte bejubelt zu werden, hat die WiWo aktuell offenbar einen wunden Punkt getroffen. Oder provokanter ausgedrückt: Nur getroffene Hunde bellen auch 😉

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Alle Kommentare [20]

  1. Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Kroker:

    Jeder kann mal Fehler machen, das gehört zum Leben. Und auch zur StartUp-Dynamik. Genau das ist es was Sie in ihrem Artikel übersehen haben.

    Danke für diesen Blog-Eintrag.

    LG,

    Daniel

  2. Hallo Herr Krocker,

    wichtig ist aber wohl die Verbindung mit der Überschrift, die Party ist eben nicht vorbei was die StartUp Szene in Berlin angeht. Das lässt sich wohl am besten an neuen Rekordwerten bei den Finanzierungssummen ablesen und am Ringen um die besten Mitarbeiter.

    Ich lade Sie natürlich auch nach Berlin ein, wir haben ja unsere eigene Art entwickelt mit Kritik umzugehen.
    Die Party ist vorbei Party.
    https://www.facebook.com/events/505299859579775

    Viele Grüße
    Sascha Schubert

  3. Es ist sogar die Pflicht einer guten Wirtschaftspresse über das Scheitern zu berichten. Und zwar nicht wegen irgendeiner Sensationsgier oder dem vermeintlichen Slogan des Boulevards „only bad news are good news“. – Sondern um auf die Risiken einer Beteiligung an Startups für den normalen, nicht professionellen Anleger (VC) aufmerksam zu machen. Das Beispiel Prokon zeigt: hier hätte mehr kritische Berichterstattung vielen Anlegern viel Geld gespart.
    Was im Gegenzug aber nicht heißt, dass man Startups nicht fördern sollte und das es noch viele zu wenige VCs gibt.

  4. „Wir haben nirgends behauptet, Gründen würde sich nicht lohnen. Und ebenfalls nicht geschrieben, dass der Startup-Boom nun am Ende sei.“

    steht im Missverhätniss zum Titel:

    “Die Party bei den Berliner Startups ist vorbei“

    Ich habe großen Respekt vor Ihrer vorangegangenen Arbeit Herr Kroker. Leider zeigt jedoch der letzte Artikel, dass Sie wenig Verständnis über die Startup Szene besitzen und dazu noch schlecht recherchiert haben. Jeder hat mal einen schlechten Tag, es wäre besser gewesen dies so stehen zu lassen und bis zum nächsten Artikel weiter in das Thema einzutauchen als nun diese lieblose Gegendarstellung zu schreiben.

  5. Die Kritik an Ihrem Artikel bezog sich in erster Linie nicht auf dessen Unausgewogenheit, sondern auf dessen sachliche Unkenntnis und den Mangel an Quellen erster Hand (etwa Gespräche mit VCs, Gründern, Wirtschaftswissenschaftlern, etc.)

  6. @Adrian: Die „Party“ bezieht sich auf den Hype und den Rummel um die Szene. DER ist jetzt ein Stück weit zu Ende. Dass weiter gegründet wird und auch Geld nach Berlin fließt, ist doch klar. Haben wir, wie erwähnt, nicht bestritten.

    Ansonsten: Habe mich selten so intensiv NACH einer Story um Kommentierung/Stellungnahme etc. gekümmert. Sie haben eine andere Meinung? Gut, bleibt Ihnen unbenommen. Mir aber eine „lieblose Gegendarstellung“ vorzuwerfen… wie man’s macht, ist’s verkehrt.

  7. Hallo, ich bin weder Teil oder Fan der Startupszene noch Berlins und auch nicht der WiWo.

    Aber als normal medienkompetenter Bürger finde ich Ihren Artikel schlecht gemacht, Herr Kroker.

    Aber noch mehr entsetzt mich hier Ihre „längliche Replik“. Auch nach Jahren begreife ich nicht, wieso so schlaue Menschen wie Sie, Herr Kroker und Ihre Journalistenkollegen immer so empfindlich und beleidigt auf Kritik reagieren.

    Ihr Posting hier über meinem Kommentar klingt für die Leserschaft wie der einer beleidigten Leberwurst.

    Warum können Journalisten das nicht einfach mal zur Kenntnis nehmen und ohne Nachtreten und rhetorische Tricks kommentieren?

    Herr Kroker, Ihr Verhalten wird mich sehr davon abhalten, weiter die WiWo zu kaufen. Mein Vertrauen haben Sie verspielt. Schade.

  8. Sehr geehrter Herr Kroker,

    seit vielen Jahre lese ich die WirtschaftsWoche und bin ebenfalls unternehmerisch tätig. Aus diesem Grund lese ich die Beiträge zur Gründerszene besonders gerne.
    Mit unserem bisherigen Hintergrund bewegen wir uns bei Gründungen immer im Bereich Automotiv und Motorsport. Interessanterweise kamen wohl „zwei Doofe“ auf „einen Gedanken“ unser Portal Reifen-Verband ging zur ähnlichen Zeit online wie Tirendo. Und zugegeben waren wir nicht glücklich über den Wettbewerb. Aber auch wenn über die Mitanbieter oftmals gutes geschrieben wurde haben wir nicht den Kopf in den Sand gesteckt. Nach nun 2 Jahren wurde Tirendo zwar verkauft aber erwirtschaftete einen riesen Verlust. Auch sind einige andere Wettbewerber verschwunden. Da wir alle unsere Firmen als Familienunternehmen führen und gar kein Interesse an einem Verkauf haben, sondern sich alle gegenseitig ergänzen, sind wir sehr zufrieden mit der eigenen Entwicklung. Daher würde ich eher behaupten, dass die Up- and Down’s der Gründerszene etwas damit zu tun haben wie gut der Markt ist aber eben auch, was und wie man sich mit seiner Firma identifiziert. Ich begegne vielen Gründern die ihre Firma gewinnbringend verkaufen wollen. Aber ist es dann noch „ihre“ Firma? Wo bleibt beim Unternehmertum das Herz und vor allem der Verstand langfristig zu denken und zu handeln.

  9. Zwei Kritikpunkte an Ihrem Artikel lassen sich nicht wegdiskutieren:

    1) Die Grundrichtung stimmt nicht.

    2) Die Beispiele bzw. Belege für die gewählte negative Tendenz sind fehlerhaft.

    Die Party ist nicht vorbei, die Flamme ist nicht kleiner. Bei Team Europe, ja, aber eben nicht allgemein in Berlin. Neben den von Ihnen genannten zwei Erfolgsmeldungen bei Soundcloud und 6Wunderkinder gibt es noch eine Reihe anderer aktueller Meldungen, die eine ganz andere Stimmung und Entwicklung in Berlin signalisieren:
    – Die Pläne für den Zalando IPO
    – Der Umzug von Linko nach Berlin
    – Das neue Büro von Yandex Maps
    – Die Ankündigung von Eran Davidson’s neuem Fond

    Wenn man nach negativen Geschichten sucht, dann gibt es übrigens auch bessere Beispiele:

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei Wimdu mehr Kapital verbrannt und Personal reduziert wurde als bei Amen, Gidsy und MyParfüm zusammen. 😉

    Das alles ist übrigens nicht gerade „Insiderwissen“, sondern stammt aus öffentlichen Quellen…

  10. > weil das Scheitern von 70 Prozent der Gründungen

    Wenn dem so wäre, gäbe es wenig Grund zur Kritik. Ich habe das aber schon vor einigen Jahren in meinem Vortrag auf der Echtzeit dargelegt. Es scheitern weit mehr als 90 Prozent der VC-finanzierten Gründungen. Und die langfristigen Renditen der VC-Fonds liegen historisch unterhalb von der von langweiligen Staatsanleihen.

    Die ganze VC-Finanzierung gleicht massiven privaten Subventionen, die zu großen Ungleichgewichten im Markt führen und eine Weiterentwicklung eher bremsen als befördern.

    Gerade wenn – wie in den letzten Jahren in Deutschland – etablierte Unternehmen plötzlich gegen VC-finanzierte Neugründungen antreten müssen, die mit 7-stelligen jährlichen Defiziten jeden Wettbewerb aushebeln. Der überlebt dann mittelfristig der Falsche und langfristig gar keiner 😉

  11. Hallo Herr Kroker,

    wenn ich mir Ihre beiden Artikel so durchlese, dann habe ich den Eindruck, dass der Hauptunterschied zwischen dem Valley und den USA die Mentalität der Gesellschaft gegenüber den „Gründern“ und der Gründerszene ist:

    Die USA sind stolz auf Ihre Gründer – und das schließt die scheiternden mit ein. In Deutschland scheint man sich dafür zu schämen. Und Artikel wie der Ihre führen zu dem Empfinden, dass man sich dafür auch schämen sollte. Dieser Grundtenor ist falsch und verwerflich. Ihre Fakten mögen stimmen, die Art der Darlegung dieser Fakten stellt Sie allerdings auf eine Stufe mit dem generellen Internet Troll, der unter jede negative Startupschlagzeile schreibt: Habe ich ja gleich gesagt.

    „Habe schon immer gewusst das Amen nicht funktioniert“ stand vor einem halben Jahr unter jeder Meldung zu dem Thema. Sie haben jetzt den Leitartikel dazu geschrieben.

    Die Möglichkeit eines riesigen Erfolges in der Startupwelt besteht nun einmal nur dann, wenn man bereit ist ein noch viel größeres Risiko des Scheiterns einzugehen. Davor fehlt Ihnen der nötige Respekt.

    Die nicht gerade neue Erkenntnis, dass in Berlin weniger Kapital verfügbar ist als im Valley reicht jetzt auch wirklich nicht um damit „Recherche“ zu belegen. Ebenso nicht die Tatsache welche Unternehmen pleite gegangen sind. Oder in frühen Phasen übernommen wurden.

    Sie können sich natürlich weiter auf den Standpunkt stellen, dass Ihre Fakten ja alle stimmen. Aber dabei vergessen Sie etwas: Vollständigkeit.

    Zum Titel – ich weiß ja, dass die Szene in Berlin den Ruf einer Partyszene hat. Aber trotzdem ist der Titel schon alleine wegen der Wortwahl beleidigend. Selbst in den partystärksten Startups in Berlin wird vor allem eins: gearbeitet.

    Und im Übrigen, die Antwort von Ciaran o’Leary als längliche Replik zu bezeichnen, da sie sich mit dem Erklären von Ihren Fakten befasst, spricht nicht gerade für Ihre Bereitschaft zu umfassender Recherche.

    Das Sie im übrigen die Diskussion mit den Lesern nicht scheuen spricht schon mal für Sie, aber wie Sie diese führen leider nicht. „Nur getroffene Hunde bellen.“ ? Ernsthaft? Überraschung: Sie haben uns getroffen. Deswegen bellen wir. Das heißt aber weder, dass Sie im Recht sind, noch dass Ihre Mittel legitim sind.

  12. Guten Tag, Herr Kroker,

    bei all Ihrer „intensiven Kommentierung/Stellungnahme etc.“ scheint Ihnen leider einiges entgangen zu sein, wie auch die meisten der übrigen Kommentatoren hier treffend bemerkt haben: Die Kritik an Ihrem Artikel bezieht sich im Kern nicht auf die Rolle des Journalismus. Es ist auch keine Frage von unterschiedlichen Meinungen. Vielmehr zielt die Kritik im Wesentlichen auf unsaubere Recherche und Wiedergabe von Tatsachen sowie einseitige Auslassungen ab. Hierauf gehen Sie im Großteil Ihrer Stellungnahmen gar nicht ein. Auch schließe ich mich in Folgendem meinen Mit-Kommentatoren an: Es wäre wirklich besser gewesen, an dieser Stelle ein wenig Selbstkritik zu üben. Sicher haben Sie sich in Ihren vergangenen Veröffentlichungen auch mit anderen Belangen und Interessensgruppen kritisch auseinandergesetzt. Fragen Sie sich denn gar nicht, warum ausgerechnet dieser Artikel so überdurchschnittlich viel Ablehnung erhalten hat? Könnte es nicht daran liegen, dass er tatsächlich schlecht war? Und bitte reagieren Sie nicht wieder Volksweisheiten wie „Getroffene Hunde bellen“ – das hat mit zivilisierter Diskussionskultur nichts zu tun, sondern ist reine Polemik. Falls Sie dieses Niveau bevorzugen, passt aus meiner Sicht folgender Spruch: „Nur ein dummer Mensch wird behaupten, nie einen Fehler gemacht zu haben.“

    Mit freundlichem Gruß.
    SeS

  13. Man sollte bei jeder Gründung zusehen, dass man unabhängig bleibt. Erst dann machen Gründungen Sinn. Aber jeder hat sein Ding.

    Wenn man scheitert ist es nicht dir Frage, wie der Markt es aufnimmt sondern welchen persönlichen Schaden und Wunden entstehen. Das wird ja nie betrachtet. Die 70 % der Gründer, die gescheitert sind, erleben krasse Erfahrungen. Darüber wird nie richtig berichtet. Also weiter so. Lass uns reden und verstehen. Jede Diskussion bringt uns weiter. Aber bitte niemals persönlich werden. Denn das ist wirklich uncool.

  14. Als Unternehmner (nicht aus/in Berlin) und Mitglied im Beirat „junge digitale Wirtschaft“ habe ich den Artikel und insbesondere den darauf folgenden „Schlagabtausch“ begrüßt – Bewegung ist gut, auch wenn „Streitigkeiten“ unangenehm sind.

    Eklatante Fehler? Aus SEO-Sicht war es bestimmt das beste Link-Bait für die WiWo seit Langem, ich habe immer noch das Online-Marketing des Verlages in Verdacht – dass es hier nur um Link-Aufbau geht 😉

    Einen Aspekt möchte ich zum Artikel *persönlich* loswerden: Meiner Meinung nach dreht sich Berlin zu sehr um Berlin – insbesondere der ständige, nicht passende Vergleich zum Silicon Valley irritiert mich offen gesagt etwas (von allen Seiten – sowohl von Herrn Kroker, wie auch von der Startup- und VC-Seite). Über Berlin gelegt, reicht der Hotspot „Valley – Berkley bis San Jose“ vom Prenzlauer Berg fast bis nach Hannover.

    „Demnach wurden in Berlin im Jahr 2012 bei 130 Unternehmen insgesamt rund 184,3 Millionen Euro Risikokapital investiert. Im kalifornischen Silicon Valley dagegen haben Venture-Capital-Firmen bei insgesamt 1224 Transaktionen umgerechnet 11,2 Milliarden Euro lockergemacht. Das ist 60-mal so viel.“

    Bei ca. 50x mehr Beschäftigten im Valley (lt. Wikipedia) in dieser Branche als in Berlin und einer ganz anderen Kultur dürfen die Kollegen in USA das gerne so machen und das ist in keiner Weise beneidenswert (ausser das funktionierende WiFi in den Bussen, aber das ja auch nicht unstrittig).

    Wir waren und sind in Deutschland gut beraten, nach eigenen Vorstellungen Unternehmen aufzubauen. Mit eigenem Stil und den uns eigenen Vor- und Nachteilen. Aktuell meldet Kalifornien über 8% Arbeitslose, wir unter 6% – nur um mal eine Kernzahl zu nennen.

    Darüber hinaus ist dieser Satz: „Damit hatte Berlin die Wettbewerber München, Hamburg und Frankfurt deutlich hinter sich gelassen.“ einfach nur das fragwürdige Bild einer Stimmung, die es meiner Ansicht nach zu dämpfen gilt. Für mich sind Berlin, Köln und Hamburg weniger als 1 Stunde weg. Von Berkley nach San Jose brauche ich länger! Berlin ist kein Wettbewerber zu Frankfurt – es ist für mich das andere Ende des deutschen Valleys, dass sich von München aus als leistungsfähige Schneise über 7 Bahnstunden durch die Republik zieht.

    Wenn wir als Gründer, VCs, Politiker und Journalisten es nicht schaffen landesweit zu denken, sind die Diskussionen über Pleiten, Pech und Partys einfach nur Beschäftigungstherapie.

    Wer gerne auf Englisch liest:

    http://www.mercurynews.com/business/ci_25080349/venture-capital-looks-be-full-blown-recovery-but

    auch hier werden kritische Stimmen laut: es ist zu aufgeheizt… und ich glaube, das wollte Herr Kroker auch sagen, oder?

  15. Herr Kroker hatte den Auftrag, einen Artikel zu schreiben. Eingefallen ist ihm aber offensichtlich nichts. Also hat er sich etwas Hanebüchendes aus den Fingern gesogen. Über ein hippes Thema. Herr Kroker glänzt dabei mit fehlender Kenntnis von einer Szene, die zu bewerten er sich anmaßt. Die Startup-Welt kennt er nur aus den Medien. Daraus resultieren dann die berühmten „Thema verfehlt“-Aufsätze. Deswegen ist Krokers „Artikel“ auch nicht weiter schädlich, denn jeder Szenekenner entlarvt ihn sofort als Schaumschlägerei, ein Kuchen, der mit abgelaufenen Zutaten gebacken wurde. Kroker hat weder etwas recherchiert, noch aufgedeckt – und erst recht kein journalistisches Meisterstück abgeliefert. Er hat einfach ein paar eigene kurzsichtige (und vor allem alte) Eindrücke zusammengetragen und eine polarisierende Überschrift drübergesetzt. Und nun freut er sich, der Kroker. Denn zumindest hat er ja seinen Text abgeliefert. Das der Artikel überflüssig und sinnfrei ist, scheint ihm egal.

    Als primären Verlierer der „Causa Kroker“ sehe ich daher vor allem die Wirtschaftswoche, die bislang ja keinen allzu schlechten Ruf genießt. „Sowas“ sollte dort aber nicht einfach ohne Veto durch die Schlussredaktion.

    Diesen (zweiten) Blogbeitrag von Herrn Kroker empfinde ich übrigens als recht selbstherrlich. Statt die Chance zu nutzen, auf die (in meinen Augen weitgehend sachliche) Kritik einzugehen, mündet er in Plattitüden von bellenden Hunden. Alleine die Hinweise von Ciaran O´Leary (der sich viel Mühe gegeben hat, Herrn Kroker die Startup-Welt „from the inside looking out“ näherzubringen) als „längliche Replik“ zu werten, hat ramstetter-eske Züge. Irgendwie bodenlos.

    Wie überall gibt es in Berlin viel Licht und viel Schatten. Daraus aber eine Story im Stile Krokers zu machen, ist irgendwie traurig. Mag sein, dass Matty Niebelschütz in seinem Kommentar übers Ziel hinaus geschossen ist, aber objektiver unkorrumpierter Journalismus ist halt schon was feines. Schönfärberei braucht sicher niemand. Storys auf Schultern anderen zu erfinden, ist jedoch grenzwertig. Die (wohl eigene) Agenda von Herrn Kroker ist für mich daher nicht nachvollziehbar.

    100 objektive Statements von Rocket Internet, Project A, Axel Springer etc. zur Berliner Gründerszene findet man auf http://www.the-hundert.com (Stand Herbst 2013)

  16. Sehr geehrter Herr Kroker!
    Ihr Artikel hat eingeschlagen. Das sehen Sie nicht zuletzt an den Reaktionen initial und auf Ihren Blogeintrag.
    Als teilweiser Anhänger des ‚resource-based view‘ muss ich aber sagen, dass es nicht die Ressourcen sind, die man im Überfluss hat, die einem zum Vorteil gereichen werden, sondern jene, die spärlich sind. Ergo ist es zu befürworten, dass auch der Lokalmatador WiWo nicht immer nur positive, motivierende oder was auch sonst immer für enthusiasmierte Beiträge bringt. Gerade wenn die Euphorie in den Medien oft nicht enden wollend ist, wird das, was manche als Geschreibsel abtun, wert-haltiger werden, wenn es dann mal positiv im Grundtenor ist UND der Wahrheit näher kommt, als die teilweise 1:1 abgedruckten Pressetexte.
    Werte Unternehmer-Kollegen: nur wenn es auch solch harsche Kritik geäußert wird, dann sind die positiven Berichte auch etwas wert. Sehen wir das als Ansporn, mehr zu leisten, weniger Berater ins Haus zu holen und unseren Kollegen und Mitarbeitern mehr zuzutrauen.
    Ganz im Sinne eines George Orwell danke ich Herrn Kroker für seinen Artikel und bitte um mehr Journalismus: „Journalism is printing what someone else does not want printed: everything else is public relations.“

  17. Hallo Herr Krocker,

    ich finde den Artikel vollkommen okay. Sicherlich kann man über die Überschrift meckern, aber man kann auch mitdenken…
    Wann kommt eigentlich mal ein Artikel zu open source Geschäftsmodellen?

    Gruß

  18. Vielleicht ist es Teil unserer Mentalität, dass der Held jedes Spiegelartikels ein Don Quichote ist. Heldengeschichten wie in den USA gibt es nicht, gefällige Artikel nur im Bahn-Magazin, man kann das einfach nicht ertragen. Die Propaganda möchte man nur bedingt glauben und nach dem Stapellauf erwartet man bereits die Versenkung des Schlachtkreuzers. Die Untergangserfahrung des Weltkriegs hat ernste Spuren in der deutschen Seele hinterlassen. Kleine Bötchen backen, was solides aufstellen, Ball flach halten, eigentlich kein schlechter Ansatz. Heinrich Bölls Satire Der Bahnhof von Zimpren bringt es auf den Punkt. Schlecht an dem Ansatz ist der anti-schumpetersche Geist, der sich ans Erfolgreiche und Etablierte hält. So verteidigt auch die Politik lieber die Privilegien der etablierten Internetunternehmen aus den USA als die ordnungspolitischen Bedingungen für europäische Startups zu schaffen oder ihnen jedenfalls nicht „in die Wiege zu schiessen“, wie die Amerikaner sagen. Das ist eine Form organisierter Feigheit.

  19. Aus journalistischer Sicht ist die Lage klar: Der Artikel vertritt eine These – und nennt Beispiele, um sie zu belegen. Dass eine Berichterstattung mit negativem Grundton die Start-up-Szene nicht freut, ist klar. Aber Journalismus ist auch nicht dazu da, um denen zu gefallen, über die berichtet wird.

  20. Habe mich selten so intensiv nacheiner Story um Kommentierung/Stellungnahme etc. gekümmert. Sie haben eine andere Meinung? Gut, bleibt Ihnen unbenommen. Mir aber eine.