Nokia Siemens Networks: Weiterer Standort bedroht; IT vor Auslagerung

Nach der Schließung des Standorts Bruchsal und dem Verkauf von zwei Geschäftssparten sind weitere Niederlassungen des Telekom-Ausrüsters in Deutschland gefährdet. Große Teile der hiesigen IT-Abteilung sollen an den IT-Dienstleister Atos ausgelagert werden.

Der deutsch-finnische Netzausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) könnte nach dem Aus für seine Service-Tochter und der Schließung der Niederlassung in Bruchsal im kommenden Jahr weitere Standorte in Deutschland schließen oder verkaufen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche ist vor allem der Standort Berlin mit 1.000 Arbeitsplätzen von einer Schließung bedroht.

Zudem plant das Unternehmen den Verkauf von weiteren Unternehmensteilen. Das geht aus zwei internen E-Mails der beiden Geschäftsführer von NSN in Deutschland, Hermann Rodler und Olaf Horsthemke, sowie aus Unternehmensinformationen hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

 Konzernzentrale in Espoo/Finnland (Quelle: NSN)

In einer Mail von Ende November schreiben die Geschäftsführer, sie müssten „zur Erreichung unserer weltweit geplanten Kosteneinsparungen ­weitere Maßnahmen umsetzen“.

In einer weiteren Mail von vergangener Woche ­betonen Rodler und Horsthemke gemeinsam mit NSN-Vorstand Samih Elhage: „Dies bedeutet auch, dass das Unternehmen seine Fertigung wettbewerbsfähig aufstellen muss. Vor diesem Hintergrund überprüft NSN verstärkt seine weltweite Produktion. Dabei werden beispielsweise Möglichkeiten zur stärkeren Kooperation mit Drittanbietern in Betracht gezogen.“

Standort Berlin gefährdet

Wie die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen erfuhr, könnte schon bald der Standort Berlin von einer Schließung bedroht sein. Von den gut 1000 NSN-Arbeitsplätzen in der Hauptstadt zählen rund 800 zu den Geschäftsbereichen optische Netzwerke und Business Support Systems (BSS). Beide Sparten will das Unternehmen verkaufen.

Für die optischen Netzwerke hat NSN in der vergangenen Woche den ­US-Finanzinvestor Marlin Equity Partners als Käufer gewonnen; die Kundendienstsparte BSS geht wie ebenfalls vergangene Woche angekündigt an den kanadischen IT-Dienstleister Redknee. „Bei nur noch 200 verbleibenden Arbeitsplätzen würde über jedem Standort das Damoklesschwert schweben“, sagte der NSN-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Clemens Suerbaum dem Magazin.

Zudem bereitet NSN die Ausgliederung großer Teile der IT-Abteilung vor. Mit ihr sollen 150 der insgesamt 200 IT-Beschäftigten an einen Dienstleister gehen. Die besten Karten, zum Zuge zu kommen, hat dem Vernehmen nach den Outsourcing-Anbieter Atos mit Sitz in Essen.

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Alle Kommentare [1]

  1. In Bezug auf den Stellenabbau in München gab es erst gestern einen sehr interessante Entscheidung des Arbeitsgerichtes München. Im Prinzip fiel die Entscheidung gegen Nokia Siemens Networks (NSN) aus. Einen guten Artikel hierzu habe ich hier gefunden: http://www.fachanwalt-arbeitsrecht-dr-albrecht.de/aktuelles/arbeitsgericht-muenchen-entscheidet-gegen-nokia-siemens-networks-nsn.html

    Betroffene sollten auf jeden Fall handeln! http://www.fachanwalt-arbeitsrecht-dr-albrecht.de/aktuelles/aufhebungsvertrag-von-nokia-siemens-networks.html