Apple und das iPad Mini: Der größte Irrtum von Steve Jobs?

Nach Meinung von Marktbeobachtern hat das neue Schrumpf-Tablet das Zeug, zum nächsten Megaseller von Apple zu avancieren.

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass sich Apple-Chef Steve Jobs über Schrumpf-Tablets mit 7-Zoll-Bildschirm geradezu verächtlich äußerte: Die seien „Dead on Arrival“ – zu Deutsch: Tot bei Erscheinen. Denn um richtig mit Smartphones zu konkurrieren, seien sie zu groß, gegenüber dem iPad jedoch zu klein. Das war Ende Oktober 2010 in der Telefonkonferenz zu den Zahlen fürs vierte Geschäftsquartal.

Inzwischen deutet sich an: Jene inzwischen schon beinahe klassische Jobs-Abkanzelung könnte sich zu einem der größten Irrtümer des vor einem Jahr verstorbenen Apple-Gründers auswachsen. Denn das Ende Oktober vorgestellte iPad Mini mit ebenjenem 7-Zoll-Display (präziser: 7,9 Zoll) hat laut Meinung von Marktbeobachtern das Zeug, der nächste Mega-Seller der Jungs aus Cupertino zu werden.

Bei den am Montag verbreiteten Zahlen für das erste Verkaufswochenende war ich zunächst noch skeptisch: Schließlich beinhalten die verkündeten drei Millionen Geräte neben dem Mini-iPad auch das ebenfalls neue Groß-iPad der vierten Generation. Doch der renommierte Apple-Analyst Gene Munster von der US-Investmentbank Piper Jaffray beispielsweise schätzt, dass Apple allein zwischen zwei und 2,5 Millionen iPad Minis verkauft haben dürfte.

Quelle: Silicon Alley Insider

Auch die ersten Produkttester ziehen ein weitgehend positives Fazit: Der bekannte Apple-Blogger John Gruber schreibt in seinem Blog „Daring Fireball“, das iPad Mini sei aufgrund Abmessungen und Gewicht „ideal für die meisten Nutzer“.

Der US-Blogger und Apple-Analyst Dan Frommer bezeichnet das iPad Mini beinahe überschwänglich als „das wahre iPad“. Frommer erwartet, dass die Verkäufe des Schrumpf-Tablets jene des Alt-Geräts schon bald übertreffen – und dass das iPad Mini dereinst zum „am zweithäufigsten verkauften Apple-Produkt nach dem iPhone“ avanciert.

Offenbar trifft das iPad Mini zielgenau in eine Lücke, die Apple bisher in seinem Produktportfolio hatte. Mittels einer Portfolio-Analyse hat der Amerikaner Ryan Jones bereits im Juli das iPad Mini vorhergesagt. Schon zwei Mal, so Jones, habe Apple einen breiten Preisschirm um teure Produkte gespannt, um Wettbewerbern den Markteintritt zu erschweren und die eigenen Margen zu sichern: Beim iPod durch günstigere Neu-Modelle wie den Shuffle und den Nano; beim damals neuesten iPhone 4s durch die Weiterführung der Vorgängermodelle 4 und 3GS mit geringeren Preisen.

In einem Chart mit den Preispunkten der seinerzeit erhältlichen iPhone-, iPod- und iPad-Modelle fällt die Lücke unterhalb von 400 Dollar sofort ins Auge. Diese Flanke hat Apple mit dem iPad Mini, das in den USA ab 329 Dollar erhältlich ist, teilweise geschlossen – und kann jenen Preis bei künftigen Neuversionen weiter drosseln.

Quelle:  Ryan Jones

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Alle Kommentare [2]

  1. Die Aussage gilt auch heute noch für all die schmalen 7-Zöller.
    Die sind nur bedienbar, weil lediglich aufgeblasene Android-Phone-Apps drauf laufen.
    Das iPad Mini hat knapp 8 Zoll Diagonale mit einem Seitenverhältnis von 4:3. Es bietet damit eine um ca 35% größere Bildschirmfläche. Das ist mehr als ein Drittel!
    Nur so ist es möglich, die Elemente des User Interfaces genau so groß wie beim iPhone zu gestalten.
    Und wenn das nächste iPad Mini mit Retina-Screen gebaut werden kann, ohne das Gewicht, Dicke und Akkulaufzeit darunter leiden, dann hat es auch die Pixeldichte vom iPhone 5.
    Nämlich.

  2. Dafür kann man das iPad Mini in einer Hand halten, der Rahmen ist wesentlich schmaler, auf Retina kann man auch verzichten und ich würde das Mini wieder jedem Tablet vorziehen 😉 Aber das ist nur meine Meinung. Auch wenn es kein Megaseller für apple wurde – schönes Produkt geworden.