Warum ein eigener Tablet-PC von Microsoft eine Schnapsidee wäre

Angeblich will Microsoft heute einen eigenen Tablet-Rechner vorstellen, um besser gegen das iPad von Apple zu konkurrieren – ein Schachzug, der von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre.

(Update 19.06.2011 9:00 Uhr: Microsoft hat gestern tatsächlich eine eigene Tablet-PC-Reihe namens Surface präsentiert, mit denen sie fortan den eigenen Hardware-Partnern Konkurrenz machen.)

Die Gerüchteküche im Silicon Valley brodelt mal wieder kräftig in den jüngsten Tagen. Am vergangenen Donnerstag hat das meist gut informierte, zum „Wall Street Journal“ gehörende Hightech-Blog „All Things D“, berichtet, Microsoft habe für diesen Montag kurzfristig ein Event in Los Angeles anberaumt. Dort wollten die Redmonder einen eigenen Tablet-PC präsentieren, um nicht weiter Boden gegen die gefühlt Lichtjahre enteilte Konkurrenz von Apple mit dem iPad zu verlieren.

In der Folge sind die Mutmaßungen rund um das vermeintliche Windows-Tablet geradezu explodiert. Ist es ein „klassisches“ Tablet mit Intel-Prozessoren und Windows 8, dem im Herbst kommenden Betriebssystem-Nachfolger? Oder gar eine Rechen-Flunder mit ARM-Prozessoren und dem für jene Chips komplett neuentwickelten Windows RT? Lässt Microsoft das Gerät bei einem der zahlreichen Auftragsfertiger in Asien wie Quanta oder Compal produzieren? Oder bauen die Redmonder die neuen Gadgets sogar gleich selbst, wie das US-Blog „The Warp“ erfahren haben will?

 Ähnlich klaffen die Kommentare bezüglich den angeblichen Pläne auseinander: Die Spannbreite läuft von „Ein Microsoft-Tablet wäre dämlich“ bei PCMag.com bis hin zu „Warum Microsoft eigene Tablets bauen muss“ bei Gizmodo. Das freilich ist verständlich, schließlich lassen sich für beide Gegenpole gute Argumente finden. Immerhin hat Erzrivale Apple ja sowohl bei Smartphones wie auch bei Tablets bewiesen, wie erfolgreich ein Hersteller sein kann, der mit Hardware und Software die gesamte Wertschöpfungskette aus einer Hand anbietet und die einzelnen Komponenten so optimal aufeinander abstimmen kann.

Das freilich gilt nur für Apple. Schließlich haben die Jungs aus Cuptertino bis auf eine kurze Ausnahme in ihrer Geschichte, als zwischen 1995 und 1998 einige Lizenznehmer wie Motorola oder Gravis offiziell sogenannte Mac-Clones produzieren durften, stets Hard- und Software bei all ihren Geräten kontrolliert. Microsoft dagegen macht einen wichtigen Teil seines Geschäfts immer noch mit dem Betriebssystem Windows, das an eine große Schar von Hardware-Partnern wie Hewlett-Packard, Lenovo, Dell und viele andere lizensiert wird.

Eigene Geschichte als warnendes Beispiel

Brächten die Redmonder jetzt einen eigenen Tablet-PC auf den Markt, würden sie genau jene große Riege langjähriger Partner verprellen – und sie auf deren ureigenem Terrain angreifen. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie HP & Co. reagieren würden: Statt eigene Pläne mit Windows-8-Tablets voranzutreiben, könnten sie kurzfristig auf Googles Android als Alternative umschwenken, zumal diverse Anbieter wie Asus oder Acer bereits entsprechende Geräte im Angebot haben.

Mehr noch: Auch sollte Microsofts eigene, nicht eben erfolgreiche Geschichte als Geräteproduzent – jenseits von Peripheriegeräten wie Computermäusen oder der Xbox wohlgemerkt – als warnendes Beispiel dienen: Im April 2010 präsentierte Microsoft mit dem Kin One und dem Kin Two erstmals eigenen Handys, weil das neuentwickelte Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 seinerzeit noch nicht fertig war. Zwei Monate später stellte Microsoft alle weiteren Arbeiten an dem Kin ein – nicht eben ein Ruhmesblatt für die Redmonder.

Weil die Gefahr besteht, dass Microsoft mit eigenen Tablets eine ähnliche Bauchlandung hinlegt, halte ich derartige Pläne für eine Schnapsidee. Aber vielleicht dreht sich der Microsoft-Event ja gar nicht darum, sondern den ebenfalls in der vergangenen Woche eingestielten Kauf des sozialen Netzwerks Yammer für 1,2 Milliarden Dollar, wir werden es heute erfahren. Und wie bewerten Sie die möglichen Tablet-Absichten von Microsoft?

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Alle Kommentare [4]

  1. Es ist sicherlich ein reizvoller Gedanke für Microsoft endlich Boden gegenüber Appel gut zu machen. Auch wenn das mit dem HP-Pad vor 2 Jahren gründlich in die Hose ging. Doch Microsoft muss hier eine Punktlandung für Windows machen, sonst verliert Windows mobile noch mehr Marktanteile und Windows 8 wäre dann nur noch ein Computer und Notebooks gebundenes System. Google schläft nicht und hat mit Android bereits den Handymarkt aufgemischt, ein Computerbetriebssystem steht in den Startlöchern und wird nach etwas Entwicklungszeit sicherlich den selben Komfort bieten, wie die OS Systeme von Apple.

    Hoffen wir das beste für Microsoft.

  2. Also ich finde das Argument nicht sehr stichhaltig. Zunächst einmal sind Acer & Co mit ihren Android Tablets nur semi-erfolgreich, daher sollte sich HP die Sache vielleicht noch mal überlegen und außerdem stellt Google im Verbund mit wechselnden Partnern ja auch Nexus Smartphones her und trotzdem gibt es noch genug andere Unternehemen, die Android trotzdem verbauen und nicht z.B.auf Windows Phone 7 umschwenken. Vielleicht hat MS aus der letzen Handypleite ja gelernt.

  3. Ich bin der Meinung, dass das neue Tablet Surface von Microssoft, wenn es denn hält was es verspricht, sicherlich eine gute Alternative für´s Büro ist. Auch das neue Type-Cover klingt sehr vielversprechend. Wenn diese Innovation wirklich ein besseres Schreibgefühl ermöglicht, ist das ein Merkmal womit sich Microsoft abhebt.
    Wie denkt Ihr darüber?