Fünf Jahre iPhone: Wie Apple das Mobiltelefon neu erfindet

Im Januar 2007 präsentiert Firmengründer Steve Jobs das vielleicht wichtigste Produkt in der Apple-Geschichte. Selten hat ein einziges Produkt eine gesamte Industrie so umgewälzt wie das iPhone, das sich bisher rund 180 Millionen mal über die Ladentheke gegangen ist.

Und wieder ein Jubiläum – ein kleines zwar, aber mitnichten unwichtiges: „Das ist ein Tag, auf den ich seit zweieinhalb Jahre hingearbeitet habe“, so Steve Jobs zu Beginn seiner Rede – und man meint fast, sowas wie einen Stoßseufzer der Erleichterung vernehmen zu können. Dann freilich berappelt sich Jobs schnell wieder und setzt in gewohnt pathetischer – um nicht zu sagen großspuriger – Manier fort: „Es gibt immer mal wieder ein Produkt, das eine ganze Branche verändert. Apple hatte das Glück, gleich mehrere davon auf den Markt bringen zu können.“ Und zählt auf: den Personal-Computer Macintosh im Jahre 1984, den Musikspieler iPod im Jahr 2001.

„Und jetzt erfinden wir das Mobiltelefon neu“, so Jobs. Das war am 9. Januar 2007 – also heute vor gerade mal fünf Jahren – auf der Apple-Hausmesse MacWorld Expo in San Francisco (die wichtigsten Auszüge seiner Keynote gibt’s in einem knapp zehnminütigen Video hier). „Apple erfindet das Mobiltelefon neu“, lautet Apple-typisch unbescheiden ebenfalls die Überschrift der parallel zur Produktvorstellung veröffentlichten Pressemitteilung. Heute muss man als neutraler Beobachter konstatieren: So sehr dies auch PR-gefärbte Marketing-Sprache ist, selten ist eine Prophezeihung so akkurat wie diese. Denn das iPhone stellt in der Folge die komplette Handy- und Mobilfunkindustrie auf den Kopf.

Zwar gibt es auch vor der Jobs-Ankündigung bereits so genannte Smartphones, intelligente Handys mit Computereigenschaften wie etwa E-Mail oder Office-Funktionen; vor allem von Nokia und der Backberry aus dem Hause RIM. Die verfügen aber über herkömmliche Tasten und kleine Displays. Insbesondere die mobile Internet-Nutzung hinkt daher bis 2007 weit hinter den Erwartungen der Handynetz-Betreiber hinterher, die seit Jahren ihre Netze für mobile Datendienste aufrüsten – weitgehend erfolglos.

Erstes iPhone von 2007 (links), aktuelles iPhone 4s (Quelle: Apple)

All‘ das sollte sich mit iPhone ändern: Das iPhone kombiniert Apples Musikspieler iPod, ein Handy und einen mobilen Internetzugang in einem Gerät. Statt über Tasten erfolgt die Eingabe über eine virtuelle Tastatur auf einem berührungsempfindlichen Display. Auch die Navigation zwischen einzelnen Anwendungen geschieht mittels Streichbewegungen auf dem Display sowie das Antippen von kleinen Symbolen, den so genannten Icons. Weil das iPhone dank des reduzierten Designs von Apple-Stardesigner Jonathan Ive nur über eine einzige Taste zur Rückkehr auf den Startbildschirm verfügt, ist der Bildschirm deutlich größer als bei der Konkurrenz.

Obwohl bei der technischen Ausstattung der Konkurrenz nicht überlegen – das erste iPhone funkt beispielsweise nicht mit UMTS-Datenturbo, und das so genannte Multitasking, also die gleichzeitige Nutzung von mehreren Anwendungen, kann auch erst das Mitte 2010 veröffentlichte iPhone 4 -, ist die Nachfrage der Kunden enorm: Das iPhone wird ab Ende Juni 2007 in den USA verkauft; in Europa kommt er erst Anfang November des gleichen Jahres auf den Markt. Trotzdem kann Apple bis Ende 2007 bereits rund 3,7 Millionen Geräte absetzen. Parallel dazu hebt die Nutzung des mobilen Internet ab.

So richtig los geht der Boom dann mit dem im Juni 2008 vorgestellten iPhone 3G, das unter anderem UMTS unterstützt. Im Juli 2008 startet zudem der App Store: Mit ihm können Nutzer erstmals Fremdanwendungen von Drittanbietern aufs  iPhone überspielen – der Grundstein für eine komplett neue Industrie mit Handy-Programmschnippseln, den so genannten Apps. Schon nach wenigen Wochen meldet Apple mehr als 100 Millionen App-Downloads. Bis Ende 2008 verkauft Apple insgesamt mehr als 17 Millionen iPhones. Seitdem verkauft sich das iPhone wie geschnitten Brot und hat sich zum wahren Mega-Seller entwickelt.

Von der jüngsten Inkarnation, dem im Oktober 2011 vorgestellte iPhone 4s, gingen allein am ersten Wochenende vier Millionen Geräte über die Ladentheke. Insgesamt hat Apple bis Ende September 2011 fast 150 Millionen iPhones weltweit unter die Leute gebracht. Im noch nicht veröffentlichten Weihnachstquartals (die Zahlen kommen am 24.1.2012) soll Apple laut Analysten noch mal ein Schippe draufgelegt haben und je nach Schätzung zwischen 30 und 33 Millionen Geräte verkauft haben. Die Gesamtzahl aller verkauften iPhones beträgt damit rund 180 Millionen. Das auf Tech-News spezialisierte Nachrichtenportal CNet UK hat die iPhone-Geschichte zum Gedenken an den Anfang Oktober verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs in einem animierten Video zusammengefasst:

Völlig konkurrenzslos ist das iPhone freilich nicht mehr. Vor allem die inzwischen großen Schar von Geräten auf Basis von Googles mobilem Betriebssystem Android ist Apple längst auf die Pelle gerückt. Laut den jüngsten, Ende Dezember veröffentlichten Zahlen des amerikanischen Marktforschers Comscore kommt Android im US-Smartphone-Geschäft auf einen Marktanteil von 47 Prozent; Apple liegt mit seinem iOS – das Betriebssystem im iPhone und dem Tablet-Rechner iPad – bei knapp 29 Prozent. Mehr noch: Im dritten Quartal 2011 hat der koreanische Wettbewerber Samsung erstmals mehr Smartphones ausgeliefert als Apple.

Wirklich Sorgen machen muss sich Apple darüber einstweilen nicht: Wie die Investmentbank Canaccord Genuity Anfang November 2011 berichtet, erwirtschaft das iPhone mehr als die Hälfte aller weltweiten Gewinne im gesamten Handy-Geschäft – mit einem Marktanteil (bezogen auf alle Geräte-Kategorien) von gerade mal 4,2 Prozent. Im Klartext: Apple kann mit dem iPhone, gemessen am Umsatz, weiterhin einen extrem überproportional hohen Ertrag einfahren. Das iPhone ist und bleibt eine wahre Profitmaschine.

Weitere Fakten und Daten seit dem Start des iPhones im Jahr 2007 hat die niederländische Webseite Toptienmobil.nl in einer englischsprachigen Infografik zusammen. Spannend und beachtenswert insbesondere die Entwicklung der Verkaufszahlen des jeweils neuen iPhone am ersten Verkaufswochenende. Weitere Daten in der untenstehenden Infografik:

 Quelle: Toptienmobiel.nl

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