Von wegen Chaostage: Willkommen im Intrigantenstadl Hewlett-Packard

Angeblich will der HP-Aufsichtsrat Konzernboss Léo Apotheker vor die Tür setzen und die Ex-Ebay-Chefin Meg Whitman auf den Chefposten berufen.

(Update 23.11.2011 09:00 Uhr: Gestern Abend nach Börsenschluss hat HP den Rausschmiss Apothekers und die Berufung Whitmans offiziell verkündet.)

Vor gerade mal zwei Wochen hab ich hier bereits über den weltgrößten IT-Konzern geschrieben. Die Überschrift: “Chaostage bei Hewlett-Packard”. Anlass war die überraschende Ankündigung von Konzernboss Léo Apotheker, das PC-Geschäft in ein eigenständiges Unternehmen abspalten zu wollen, sowie einige strategische Kehrt- und Winkelzüge im Nachgang.

Seit gestern Abend muss ich konstatieren – das war offensichtlich noch deutlich untertrieben: Am späten Nachmittag vermeldet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg, der HP-Aufsichtsrat erwäge den Rauswurf von Vorstandschef Apotheker. Ungefähr zeitgleich meldet die renommierte Tech-Bloggerin Kara Swisher, das HP-Board habe als Interimskandidatin bereits die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman ins Auge gefasst. Hewlett-Packard, der 126-Milliarden-Dollar-Gigant, hat sich vollends in einen Intigrantenstadl verwandelt.

Bis heute hat HP offiziell keinerlei Kommentar dazu abgegeben. Das bedeutet gleichzeitig aber auch: Der Aufsichtsrat hat sich eben nicht hinter seinen Vorstandschef gestellt, ihm den Rücken gestärkt und die Gerüchte vom Tisch gewischt. Aber damit nicht genug: Beinahe im Stundentakt dringen neue Ungeheuerlichkeiten aus dem Unternehmen, Details, die nur aus dem engsten Führungszirkel von HP stammen können. So berichtet die “New York Times”, Apotheker sei Ende September 2010 zu Vorstandschef berufen worden, ohne dass ein einziger Aufsichtsrat ihn vorher persönlich gesprochen hätte.

Schlechtester Aufsichtsrat aller Zeiten?

Dann wieder verlautet aus dem Aufsichtsrat, man wolle nun auch den Ausgangspunkt der aktuellen strategischen Irrfahrt – den Plan, das PC-Geschäft abspalten zu wollen – noch einmal überdenken. Bei allen Meldungen, Geschichten oder Gerüchten werden jeweils nur ein oder zwei “Personen mit Kenntnissen der Vorgänge” zitiert. Offenbar ist das HP-Board um Aufsichtsratschef Mark Andreessen inzwischen derart heillos zerstritten, dass einzelne Fraktionen immer wieder pikante Details nach außen durchstechen, um ihre Interessen durchzudrücken. Das freilich ist in der jüngeren HP-Geschichte auch nicht das erste Mal geschehen: “Der schlechteste Aufsichtsrat aller Zeiten” betitelt das “Wall Street Journal” einen Überblick über die Flops bei Hewlett-Packard der letzten Jahre.

Und Apotheker? Angesichts der anhaltenden Spekulationen über seine Zukunft und der fehlenden offiziellen Rückendeckung durch den Aufsichtsrat scheint es nur eine Frage der Zeit, bis er seinen Posten räumt. Eine Rückkehr zur Tagesordnung ist jedenfalls kaum noch vorstellbar. Auch die Börse hat den Schritt bereits vorweggenommen und eingepreist: Während die HP-Aktie seit Apothekers Amtsantritt im September 2010 fast die Hälfte an Wert verlor, schnellte sie nach Bekanntwerden der Ablösungsgerüchte um sieben Prozent nach oben.

Zukunftssorgen machen muss sich Apotheker trotz alledem nicht. Wie mehrere Blogs berichten, kann er bei seinem Abschied auf einen warmen Geldregen hoffen. Inklusive Aktienoptionen und Boni könnte er je nach Schätzung um die 9,4 Millionen Dollar bis hin zu einem Betrag in der Größenordnung zwischen 28 und 33 Millionen Dollar als goldenen Handschlag erhalten. So oder so – nicht schlecht für eine Amtszeit von gerade mal elf Monaten.

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Alle Kommentare [2]

  1. Herr Apotheker war bei SAP schon umstritten.

    Seine Führungsqualitäten und seine “unternehmerischen” Qualitäten
    sind mehr als fragwürdig.

  2. @Joker1: richtig. Noch schwachsinniger, als ihn zu feuern, war die Entscheidung, in anzuheuern. Das war von Anfang an so schräg, dass der Rausschmiss nur eine Frage der (kurzen) Zeit war…