Licht und Schatten bei Google Android

Das Smartphone-Betriebssystem des Suchmaschinen boomt und rangiert in Europa bereits auf Platz zwei. Umgekehrt wächst die Zersplitterung des Android-Marktes in unterschiedliche Software-Versionen.

Seit der Veröffentlichung des ersten Handys auf Android-Basis, dem HTC Dream im September 2008, hat das Google-Betriebssystem eine rasante Erfolgsgeschichte hingelegt: Laut gestern veröffentlichten Marktzahlen von Comscore steigerte Android seinen Marktanteil in den fünf größten Märkten in Europa (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien) im Juli binnen Jahresfrist um 16 Prozentpunkte auf mehr als 22 Prozent – und rangiert damit bereits auf Rang 2 hinter Symbian. Der Marktführer aus dem Hause Nokia verlor im gleichen Zeitraum freilich dramatische 16 Prozentpunkte auf nunmehr knapp 38 Prozent. In Deutschland hat der Wachwechsel sogar bereits stattgefunden: Hierzulande rangiert die Google-Mobilplattform mit einem Marktanteil von 30 Prozent bereits einen Prozentpunkt vor Symbian, wie US-Marktforscher Nielsen gestern berichtete.

Wo viel Licht ist, herrscht freilich auch Schatten. So dürfte gerade der Boom bei den Android-Geräten künftig ein Problem in den Mittelpunkt rücken, das bisher noch vergleichsweise wenig Beachtung findet: Die so genannte Fragmentierung des Marktes in Smartphones mit den unterschiedlichsten Software-Versionen. Hintergrund: Im Gegensatz zum iPhone, wo Apple mit dem Gerät selber und dem Betriebssystem iOS die gesamte Wertschöpfungskette von Hard- und Software kontrolliert, ist Android eine so genannte Open-Source-Software. Das bedeutet: Der Programmcode liegt offen und kann vom Nutzer, sei es dem jeweiligen Handy-Hersteller oder dem Mobilfunk-Netzbetreiber, nach eigenem Gusto verändert werden. Auch ist kein Produzent gezwungen, die jeweils neueste Android-Version zu nutzen. Aus diesem Grund herrscht im Markt ein regelrechter Software-Zoo. Selbst innerhalb der Handy-Palette eines bestimmten Herstellers wie Samsung oder HTC sind nicht einmal die Hälfte alle Geräte auf der aktuellsten Version 2.3, wie eine Anfang September veröffentlichte Studie deutlich machte:

android-updates

Quelle: Business Insider

“Updates – respektive das Fehlen derselben”, lautet denn auch die Überschrift einer Studie der Android Update Alliance – einem im Mai ins Leben gerufenen Zusammenschluss von Handy-Herstellern. Hintergrund der Verzögerungen sind teilweise die individuellen Anpassungen von Android des jeweiligen Herstellers, die sie dann auch separat in die jeweils neueste Version mit übertragen müssen. Ein Problem ist jener wachsende Android-Flickenteppich vor allem auch für die Entwickler von Apps, weil sie dadurch ihre Software-Schnipselchen auf immer mehr Versionen lauffähig halten müssen.

Das bedeutet einen immensen Mehraufwand: Wie das auf die App-Entwicklung spezialisierte US-Unternehmen Xcubelabs in einer Infografik veröffentlichte, liefen Anfang Juli noch knapp 60 Prozent aller Android-Smartphones mit der Versionsnummer 2.2. Selbst die Uralt-Versionen 1.5 und 1.6 sind noch im Einsatz – wenn auch nur noch im einstelligen Prozentsatz (unterster Teil). Darüber hinaus zeigt die leider nur englischsprachig verfügbare Infografik viele interessante Details der gesamten Android-Geschichte, angefangen mit der Gründung als eigenständiges Unternehmen im Oktober 2003 und dem Kauf durch Google im August 2005. Zum Vergrößern zwei Mal hintereinander auf die Grafik (wird beim ersten Mal kleiner) klicken:

android-story

Quelle: Xcubelabs

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Alle Kommentare [1]

  1. “marktanteil” basierend auf der anzahl produzierter geräte? wenn ich mir anschaue wieviele schrottgeräte mit android 2.1 und “never update option” angeboten werden, wäre ich dafuer, den begriff marktanteil enger zu fassen, und zwar “an endkunden” verkaufte geräte vs ” im handel befindliche geräte”