» 05.07.2011, 10:59

Jobsuchende sind gegen anonyme Bewerbung

Dabei werden Bewerbungen zuvor soweit verfremdet, dass die auswählenden Personaler keinerlei Rückschlüsse auf die Herkunft, das Alter oder Geschlecht des Bewerbers ziehen können. Was zählt, ist allein dessen Qualifikation. Soweit die Theorie.

Denn tatsächlich, so etwa eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist die Bewerberauswahl ein äußerst subjektiver Prozess – auch wenn das nicht alle Chefs zugeben. Hält sich der Vorgesetzte zum Beispiel für attraktiv, bevorzugt er ebenfalls gutaussehende Kandidaten. Im umgekehrten Fall haben schöne Bewerber schlechtere Chancen – vermutlich auch aus Neid. Laut einer Untersuchung des Instituts für die Zukunft der Arbeit schmälert wiederum ein türkisch klingender Name die Aussichten auf einen Praktikumsplatz um 14 Prozent, bei Mittelständlern gar um 24 Prozent.

Das muss sich ändern, keine Frage. Neben der Bundesanstalt für Arbeit in NRW machen an dem einjährigen Testprojekt daher auch die Telekom, die Deutsche Post, die deutschen Töchter des Kosmetikkonzerns L’Oréal und des Konsumgüterriesen Procter & Gamble, der Münchner Mittelständler Mydays, das Bundesfamilienministerium und die Stadt Celle mit.

Die erste Zwischenbilanz: Mehr als 100 Jobs wurden inzwischen nach diesem Verfahren vergeben, 4000 Bewerber schickten ihre Unterlagen ins Rennen. Und die beteiligten Unternehmen sind mehrheitlich zufrieden damit.

Nur die Bewerber, die sehen das anders…

Laut einer aktuellen Monster-Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) finden lediglich 13 Prozent der Bewerber, dass Unternehmen auch künftig anonymisierte Bewerbungen akzeptieren sollten. Und nur knapp zwölf Prozent glauben, dass sich so ihre Chancen im Auswahlverfahren verbessern. Von den Befragten ohne deutsche Staatsbürgerschaft denkt das nur fast jeder Fünfte.

Im Detail sagen sogar nur knapp über elf Prozent der Befragten, dass sie in ihrer Bewerbungsmappe auf ein Lichtbild verzichten möchten. Ebenso würden auch nur 20,8 Prozent der Bewerber mit Migrationshintergrund am liebsten auf ein Bewerbungsfoto verzichten. Bei den Frauen geben gar nur 13,2 Prozent Bewerberinnen fotofreien Bewerbungsmappen den Vorzug. Und bei den Kandidaten über 50 Jahren würden allenfalls rund 17 Prozent gerne auf die Angabe ihres Geburtsdatums verzichten.

Dass es Diskriminierung im Bewerbungsverfahren gibt, bezweifelt zwar keiner. Dass die jedoch ebenso spätestens im Vorstellungsgespräch greifen kann und das Pilotverfahren damit obsolet macht, scheinen indes die Bewerber eher verstanden zu haben als die Personaler. Die müssen die Schere im Kopf bekämpfen – ganz ohne bürokratisches Verfahren.

» 05.07.2011, 10:59

    6 Kommentare zu “Jobsuchende sind gegen anonyme Bewerbung”


  1. Susanne Stetter sagt:

    “Die spinnen doch, die Jobsucher!” (Metapher: Zustände wie im alten ROM!)

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  4. S I A N sagt:

    In der heutigen Zeit, wo man sowieso komplett durchgecheckt wird (XING, Facebook, LinkedIn etc.) macht diese Debatte doch gar nicht mehr so viel Sinn oder? Bzw. das Foto vom Bewerber wird sowieso gesehen. Es kommt doch auf den Ersteindruck darauf an. Wir von http://de.glamya.com/ z.B. merken, dass die Anzahl der Bewerber die ihr Profilfoto retuschieren lassen extrem steigen. Nichts desto trotz. Super Artikel von Jochen !!! ;-) )))

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