» 07.02.2011, 12:00

,

Arbeitnehmer wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten

Doch obwohl 60 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeitmodelle anbieten, werden diese kaum genutzt: Nur knapp die Hälfte der Frauen (46 Prozent) und weniger als ein Drittel der Männer (25 Prozent) greifen auf entsprechende Angebote zurück. Hauptgrund: Sie fürchten das Karriere-Aus, weil umgekehrt als nicht belastbar oder engagiert genug gelten könnten. Eine Senior Bankerin sagte etwa, das Top-Management würde den Wunsch nach flexibler Arbeit als Schritt in Richtung Rente interpretieren. Ein jüngerer Studienteilnehmer wiederum fürchtete, die Kollegen könnten denken, er wolle sich vor der Arbeit drücken.

Ein Trugschluss. Denn werden den Beschäftigten gut umgesetzte und im Unternehmen akzeptierte Arbeitszeitmodelle angeboten, steigt deren Loyalität und Arbeitszufriedenheit deutlich. So empfehlen Mitarbeiter ihren Arbeitgeber oder dessen Produkte in diesen Fällen häufiger, die Bindung zum Unternehmen steigt bei Männern gar um 25 Prozent und bei Frauen sogar um 40 Prozent, so ein weiteres Ergebnis der Bain-Studie.

Damit flexible Arbeitszeitmodelle intensiver genutzt werden, schlagen die Autoren vor, diese stärker auf unterschiedliche Nutzergruppen zuzuschneidern. Vier davon wollen die Studien-Autoren ausgemacht haben:

  • Skeptiker (30 Prozent): Sie suchen die Unterstützung des Top-Managements und von Kollegen, die flexibel arbeiten. Sie bevorzugen kein bestimmtes Angebot, brauchen aber Beweise, dass flexible Modelle funktionieren. Sie möchten weiterhin Projekte leiten und für das Unternehmen nachweislich wichtige Ergebnisse erzielen. Derzeit sehen sie für sich kein Modell, das sie spürbar entlasten könnte.
  • Aufsteiger (24 Prozent): Sie sind sehr karriereorientiert und nehmen dafür häufige Geschäftsreisen und ständige Erreichbarkeit in Kauf. Sie schätzen die Möglichkeit von flexiblen Arbeitszeitmodellen im eigenen Unternehmen und möchten diese zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Karriere nutzen.
  • Unterbrecher (24 Prozent): Selbstsicher und reif sind diese Arbeitnehmer. Sie steigen für eine kurze Zeit aus dem Berufsleben aus oder arbeiten in einem weniger intensiven Job, um mit neu gewonnenen Kräften ins Unternehmen zurückzukehren und herausfordernde Aufgaben zu übernehmen.
  • Planer (22 Prozent): Für diese Gruppe gilt: Weniger ist mehr. Vorhersehbarkeit und Planbarkeit sind ihnen wichtig. Für vernünftige und planbare Arbeitszeiten sowie freie Wochenenden verzichten sie gerne auf die schnelle Karriere. Sie leisten viel und bleiben dem Unternehmen treu, wenn sie dafür seltener auf Dienstreise gehen oder auf Abruf bereit stehen müssen.

Sind derlei Bedürfnisse identifiziert, empfiehlen die Bain-Autoren ein Mitglied der Unternehmensführung als Ansprechpartner zu benennen. Der sollte gleichzeitig den Erfolg der verschiedenen Modelle im Unternehmen kommunizieren, um sie stärker zu etablieren (und vor allem die Skeptiker zu überzeugen).

» 07.02.2011, 12:00

Kommentar abgeben