Wie jetzt eine Studie der Bertelsmann Stiftung (pdf) in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt, ging ihre Zahl seit 2001 deutlich zurück. Gleichzeitig nahm die Zahl der Teilzeitjobs und befristeter Beschäftigungsverhältnisse zu (Siehe Grafiken, zum Vergrößern bitte anklicken):
Konkret sieht das so aus: 2008 befanden sich rund 60 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland zwischen 25 und 64 Jahren in einem sogenannten Normalarbeitsverhältnis (30 Wochenstunden oder mehr). das klingt hoch. Tatsächlich ist ihre Zahl jedoch seit 2001 kontinuierlich gesunken – und zwar um knapp 5 Prozentpunkte insgesamt. Zwar dominieren in der Industrie noch immer solche Normalverhältnisse, dafür war der Dienstleistungssektor davon umso heftiger betroffen. Hier arbeiten schon nur noch 53,2 Prozent in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis und arbeiten gleichzeitig Vollzeit (siehe Grafik).
„Der Arbeitsmarkt ist unsicherer geworden“, stellt denn auch Eric Thode, Co-Autor der Studie, fest. Er reagiere damit zwar auf die Herausforderung, flexibler und kurzfristig anpassungsfähiger zu werden. Gleichwohl stellt die Studie aber auch fest, dass dies mit einer schwachen Lohnentwicklung einhergegangen ist. Heißt: Bei den Geringverdienern stiegen die Nettolöhne zwischen 2001 und 2008 beispielsweise nur um 1,6 Prozent. Zum Vergleich: Der Durchschnitt in Europa lag bei 2,9 Prozent.
Zudem sind Geringverdiener in Deutschland überproportional von Steuer- und Sozialabgaben betroffen. Von einem Euro, der brutto verdient wird, bleiben ihnen netto nur 41 Cent. Durchschnittsverdiener erhalten immerhin noch 45 Cent, Arbeitnehmer mit höheren Einkommen sogar 56 Cent.
Insbesondere die Frauen sind von dieser Entwicklung am stärksten betroffen. Ihr Anteil unter den Normalarbeitsverhältnissen sank zwischen 2001 und 2008 von 48 auf rund 43 Prozent und erreichte damit nach den Niederlanden und der Schweiz den drittniedrigsten Wert unter den 28 untersuchten OECD Staaten. Dass die Zahl der erwerbstätigen Frauen statistisch zugenommen hat, führen die Studienautoren vor allem auf den Anstieg der Teilzeitjobberinnen zurück.
Ebenfalls untersucht wurde die Lebenszufriedenheit der Befragten. Rund 86 Prozent der Deutschen gaben dabei an, mit ihrer Arbeit „völlig“, „sehr“ oder „ausreichend“ zufrieden zu sein. Kein schlechter Wert. Allerdings gab es deutliche Unterschiede bei der Frage, welche Merkmale sie denn im Job zufriedener machen würden. Hier ergibt sich folgende Kriterien-Rangfolge:
- 86 Prozent sind zufrieden, wenn sie nicht erschöpft von der Arbeit kommen.
- 81 Prozent messen dies an der Stressbelastung durch den Job.
- 71 Prozent macht eine hohe Arbeitsplatzsicherheit glücklicher.
- 46 Prozent eine weniger harte körperliche Arbeit.
- 28 Prozent legen Wert auf ungefährliche Arbeitsbedingungen.
- 25 Prozent machen ihr Glück an einem möglichst hohen Einkommen fest.
- 23 Prozent bewerten dazu die Aufstiegschancen im Unternehmen.
Man kann die oben beschriebene Entwicklung unterschiedlich beurteilen. Ein Rückgang unbefristeter Vollzeitbeschäftigungen macht die Arbeitsverhältnisse insgesamt unsicherer, womöglich auch prekärer. Man kann dies allerdings auch so interpretieren, dass der Arbeitsmarkt künftig tatsächlich flexibler sein wird und es für Arbeitnehmer dann leichter wird, zwischen Jobs zu wechseln oder auch die Balance von Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Der hohe Kündigungsschutz auf der einen Seite sorgt auf der anderen Seite aber auch für zähere Lohnentwicklungen. Auch hier kann der Arbeitsmarktwandel – insbesondere für gefragte Berufsqualifikationen – deutliche Vorteile bringen.










4 Kommentare zu “Künftig mehr Teilzeitarbeit und befristete Jobs”
Die Gesellschaft sollte sich fragen, was sie von Arbeitnehmern erwartet, die in der permanenten Unsicherheit um ihren Job leben. Haben diese Menschen einen Anreiz, Familien zu gründen, Häuser zu bauen und zu konsumieren?
Arbeitgeber sollten sich fragen, was sie von Angestellten erwarten, die in derartiger Unsicherheit sind. Identifizieren sich die Leute mit dem Unternehmen, denken sie mit, handeln sie im Sinne des Unternehmens? Besonders prekär ist dies bei hochqualifizierten Arbeitskräften, aber auch beim Supermarktpersonal kann Dienst nach Vorschrift und innere Kündigung fatale Folgen für den Umsatz haben.
Man kann nur die Leute für ihre Courage bewundern, die diesen Verhältnissen eine Familie gründen und ein Haus bauen. Wäre ich heute 25, dann würde ich es trotz meines Hochschuldiploms nicht tun, sondern mich allein auf meinen Überlebensinstinkt verlassen. Konkurrenz kann beflügeln, aber zuviel Konkurrenzkampf, der ausserdem noch auf Wildwestmanier ausgetragen und auf die Mitarbeiter abgewälzt wird, ist auf Dauer selbstzerstörerisch. Mitschuld an dem Ganzen ist die Politklasse, die naiv ist, kein Gespühr für Wirtschaftsrealitäten hat und sich von Lobbys leiten lässt.
Fuer ein paar Euro Mehrgewinn verabschiedet sich die westliche Welt von der sozialen Gerechtigkeit und vom Leitbild des guten Unternehmertuens.
Ist ja klar, warum die Arbeitnehmer so zufrieden sind: Man kann nach der Methode ‘Nach mir die Sintflut’ arbeiten.