» 25.09.2008, 11:37

Was erwarten die Kunden vom Coaching?

Das Problem der Branche: Es gibt weder einheitliche Qualitätskriterien, Ausbildungen und Anforderungen an Erfahrungen und Methoden der Coaches. Entsprechend kann sich jeder so nennen, der meint, damit sein Angebots-Portfolio aufzubessern. Rund 40.000 Coaches, Trainer und wie sie sich sonst noch nennen sind im deutschsprachigen Raum aktiv, darunter nicht wenige Quacksalber, Pseudotrainer und Bauernfänger. Damit verwischt aber zugleich auch der Nutzen für die Klienten. Sind Sie mit ihrem Anliegen besser bei einem Coach aufgehoben – oder gehen sie doch lieber zu einem Trainer? Und was kann man von dem einen oder anderen erwarten?

Hier ein erster Versuch der Abgrenzung:

Coaching hat in der Regel die Persönlichkeit des Klienten im Fokus. Der Coach hilft dem Coachee durch individuelle Beratung spezielle berufliche Fähigkeiten auszubauen oder zu verbessern, wobei dieser Entwicklungsprozess in erster Linie eine Art Selbstreflektion und Hilfe zur Selbsthilfe bleibt. Im Gegensatz zur Beratung soll der Coachee die Lösung selber finden. Coaching kann aber auch ein Mix sein aus Beratung, Feedback und praxisorientiertem Training.

Training dient in erster Linie dem Erlernen konkreter Fähigkeiten oder Verhaltensweisen. Dabei konzentriert sich der Trainer – anders als beim Coaching – weniger auf die Selbstreflektion seines Klienten, sondern auf konkrete Übungen und ein klares Trainingsziel. Die Rollen sind klar verteilt: Der Trainer ist der Experte und Meister, der Klient sein Schüler.

Nachdem nun schon auf den letzten Artikel zu diesem Thema einige geantwortet haben, welche Erfahrungen sie mit einem Coach gemacht haben, soll nun auch die andere Seite zu Wort kommen – die Coaches und Trainer. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Coachees gemacht? Mit welcher Erwartungshaltung kommen diese? Gab es nach der Beratung auch schon einmal Ärger – warum? Und haben Sie Klienten abgelehnt?

Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare…

Weblog Jo’s Jobwelt Coaching: Was kann der Trainer überhaupt leisten?

» 25.09.2008, 11:37

    14 Kommentare zu “Was erwarten die Kunden vom Coaching?”


  1. Erstaunlich viele meiner Kunden sind mit Coaching bereits in Berührung gekommen und haben eine Vorstellung davon, was sie erwartet. Zu einem guten Coachingprozess gehört, die Erwartungen und Zielsetzungen des Coachee zu Beginn sehr sauber herauszuarbeiten und auch im Laufe der Gespräche immer wieder zu überprüfen, ob die Ziele noch die gleichen sind. So ist man vor bösen Überraschungen gefeit. Wenn die Bereitschaft des Kunden fehlt, an sich selbst zu arbeiten und sich auf einen Veränderungsprozess einzulassen, würde ich jemanden jederzeit als Besucher verabschieden. In von Unternehmen verordneten Coachings kann das passieren.

  2. sehr gut geschrieben. trifft nagel auf den kopf. kurz und deutlich macht unterschied zwischen training und coaching. danke und liebe gruesse aus pressburg/bratislava.roland wagner, ext. coach vw und skoda

  3. Dr. Mark Schmid-Neuhaus sagt:

    Häufig kommt der Klient mit einem konkreten Anliegen, das Symptomchrakter hat. Wenn man auf einen qualifizierten Coach trifft bzw. bei der Auswahl darauf geachtet hat, kann aus dem Coachingprozess ein fundierter und langfristig orientierter Veränderungsprozess werden, der mehr ist als Symptombeseitigung. Coaching sollte als zentrale Achse Entwicklungsorientierung haben…das sollten Coach und Coachee gemeinsam erarbeiten können. Damit scheidet sich auch die Spreu vom Weizen.

  4. Olaf Hinz sagt:

    überwiegend gute. Meist haben Klienten den Einstieg in das Thema, nämlich “Was kann ich tun?” schon vollzogen und suchen nun nach einem professionellen Begleiter. Da ist der Markt sicher sehr voll und unübersichtlich, aber damit ja auch vielfältig…
    Ich wünsche mir von Klienten daher grundsätzlich Selbstbewusstsein bei der Auswahl und in der Arbeit mit einem Coach; denn Coaching ist harte Arbeit auf Augenhöhe! Fordern Sie Ihren Coach und lassen Sie Ihn nicht zum Guru degenerieren…

  5. Nach konkreter Zielsetzung, zeigen sich die Coachees recht offen für die Vorgehensweise. Allerdings gilt es Meilensteine zur Überprüfung der Zielerreichung einzubauen und gemeinsam zu besprechen. Besonders schön sind spontane Erfolgsrückmeldungen aus nicht betreuten Perioden, vor Erreichung des Ziels. Und das kommt von Coachees öfter, als man denkt. Ein schönes Zeichen dafür, dass der Coach oft als Partner und nicht nur als Problemlöser gesehen wird.

  6. Ilias Moschos sagt:

    Dass der Klient ein Problem oder eine Schwierigkeit hat weiß er. Er braucht also jemanden der ihn zur Lösung begleitet. Er braucht keine(n), der ihm ständig sein Problem vor Augen hält und ihm indirekt seine Unfähigkeit attestiert. Das Problem ist lediglich ein Symptom dafür, dass etwas nicht gelingt. Kurz und knapp formuliert erwartet der Klient, dass es ihm nach einem Coaching besser geht als vorher.

  7. Viele Coaching-Kunden erwarten, dass es lang dauert, wenn es sich ihrer Meinung nach um ein schwer wiegendes Problem handelt. Sie sind dann perplex, erfreut und kommen bei anderer Gelegenheit gerne wieder, wenn sich mit der Fokussierung auf ihre eigenen Einschätzungen, Werte und Fähigkeiten sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen recht schnell ein klarer Ansatzpunkt für erste Schritte zur Verbesserung finden lässt. Oft, erscheint mir, bewegen sich Menschen mit ihren Anliegen in einer Prioritätenfalle und sind froh, wenn sie Unterstützung und Vertrauen erfahren, ihren eigenen Lösungzugang ernst zu nehmen, zu durchdenken, zu verstehen/analysieren und dann flexibel in ihre Aufgabenfelder hinein zu tragen.

  8. Mein erster Besuch bei einem Coach galt dem Konflikt zwischen mir und einem Kunden. Meine Erwartungen an das Coaching bestanden darin, dass ich mit einem fertigen Konzept (einer Lösung vom Coach) nach Hause gehe. Nach der ersten Sitzung musste ich dann fesstellen, das mein Coach mir \”lediglich\” auf die Sprünge half, meine inneren Konfliktauslöser und \”Konfliktförderer\” zu erkennen. Ja, doch, über mögliche Wege meiner Verhaltensänderungen haben wir auch gesprochen. Da gab es auch Empfehlungen (keinen direkten Rat! es so zu tun, sondern Möglichkeiten mit dem Thema zu spielen). Meine Herausforderung habe ich dann doch auf eine ganz andere Art und Weise gelöst (und sie wurde fast zwei Jahre später nochmals aktiv). Auf diesem Weg habe ich mehr für mich gelernt wie mit einem Ratschlag, einer Be-Ratung oder einem Konzept des Coachs. Vor allem war es nachhaltiger.

  9. Sehr geehrter Herr Mai,
    sehr geehrte Damen und Herren,

    meines Erachtens stehen Klienten mit ihren Erwartungen auf verlorenem Posten, bis Coachingresultate tatsächlich systematisch gemessen, nachgewiesen und dadurch transparent werden.

    Mit freundlichem Gruß, Johannes Heimes

  10. Was ist Coaching (IV)?…

    In bisher drei Versuchen – (I), (II), (III) – habe ich mich in Teilen an einer Coaching-Definition versucht. Einen neuen Anlauf nimmt Jochen Mai:
    Coaching hat in der Regel die Persönlichkeit des Klienten im Fokus. Der Coach hilft dem Coachee dur…

  11. Ich erlebe Klienten nicht als verlorene Schäfchen. Ich kann bestätigen, dass Klienten, die zu einem Vorgespräch kommen praxisnahe (und kritische) Vorstellungen haben, von dem was Coaching für sie können sollte. Egal ob sie auf eine Empfehlung hin kommen oder durch die Recherche im Internet, in beiden Fällen haben Klienten schon einen realistischen Erwartungshorizont und sind in der Lage, das zu fragen und zu klären, was ihnen wichtig ist. Die Mehrzahl schaut sich auch mehr als einen Coach an und hat auch Alternativen zum Coaching abgeklopft
    Der freie Markt ist ja sowieso sowas wie ein Dschungel der Überangebote. Daher ist es nicht leicht einen guten Zahnarzt zu finden, nicht leicht einen guten Friseur zu finden und nicht mal leicht ein gutes Restaurant zu finden. In der Folge haben die meisten Menschen aber auch ganz gute „Dschungelkämpferkompetenzen“ entwickelt um sich zurechtzufinden.

  12. Neue Zeiten – neue Lösungen

    Die beiden Jochen Mai-Artikel und die Diskussionsbeiträge spiegeln vor allem den Bedarf an einer Beratungsform wieder, die in hohem Maße auf die individuelle Persönlichkeit des Ratsuchenden eingeht. Dieser Bedarf überrascht nicht wirklich in einer Zeit, in der es mehr Möglichkeiten der (Lebens-)Gestaltung gibt als je zuvor – damit aber auch mehr Notwendigkeit zur Eigenverantwortung.

    Seit Menschengedenken suchen wir bei anderen Menschen Rat, Orientierung, Gedankenaustausch, um uns weiterzuentwickeln. So will es die Natur, denn der Mensch ist ein soziales Wesen, auf Austausch notwendigerweise angewiesen. Dass es also heute einer Beratungsform bedarf, die vor allem den Erfordernissen des Einzelnen nach sehr individuellen Antworten auf seine lebenskonzeptionellen Fragen – auch im Beruf – gerecht wird, ist eine nahe liegende Entwicklung.

    Seien wir ehrlich: Das Neue am so genannten „Coaching“ ist schlicht, dass die Realität des Ratsuchenden wertfrei im Vordergrund steht, jedoch keine (lehrmeisterlichen) Empfehlungen seines Gegenübers. Es grenzt an eine Kunst, als Coach voll und ganz auf diese Realität des Ratsuchenden („Coachee“) eingehen zu können und ihn zu seinen eigenen Antworten zu lotsen.

    Nur wer als Coach dieses Versprechen nicht nur gibt, sondern auch einlöst, wird überleben. So wird sich auf natürliche Weise die Spreu vom Weizen trennen. Bis es soweit ist, gilt für Ratsuchende das schon bei der Auswahl von guten Restaurants einzig erfolgreiche Selektionsverfahren: Ausprobieren. Der Coach schließlich, der lebensnahe und effektive Wirkung auslöst, ist der richtige.

  13. Meine Kunden suchen in der Regel in ihrem Coach nicht nur eine Reflexionsfläche für das eigene Denken, sondern eben schon auch konkreten Rat der etwa hilft, die Perspektive zu ändern, der Fachwissen erweitert, erhebt und bereitstellt, der geeignete Methoden entwickelt und die Orientierung behält, ggfs. dabei hilft, neue Ziele abzustecken. Sie suchen bestenfalls einen kompetenten Begleiter durch eine mehr oder weniger schwierige Phase. Der Coach darf dem Wirtschaftskapitän nicht das Ruder aus der Hand nehmen, aber es ist gut, wenn der Kapitän darauf vertrauen kann, dass der Lotse das Schiff notfalls auch jederzeit steuern könnte. Der Lotse soll vorausschauend auf Untiefen aufmerksam machen oder über schwierige Strömungsverhältnisse so rechtzeitig informieren. dass der Kapitän das Schiff jederzeit noch manövrieren kann. Ist das Schiff wieder in sicherem Fahrwasser, soll der Berater getrost von Bord gehen, er kann ja noch eine Weile die Funkverbindung halten.

  14. Unsere Klienten kommen mit konkreten Anliegen und suchen häufig eine Mischform von Coaching, Beratung, fachliches Know-how, ein Gespräch auf Augenhöhe. Da wir alle über fundierte Managementerfahrung verfügen und nach den Regeln des Prozess-Coaching vorgehen, kommen Klienten sehr schnell auf den Punkt. Sie arbeiten i.d.R. engagiert im Prozess mit und erleben sich als Handelnde. Feebackschleifen gehören ebenso dazu wie die Freude am Tun.

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